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Bei Feuer abwarten und abbrennen lassen

Windkraftanlagen Bei Feuer abwarten und abbrennen lassen

Seit Jahresbeginn produzieren die drei neuen Windräder in Quarnbek Strom. Durch die Anlagen hat die freiwillige, aber auch die Berufsfeuerwehr einen möglichen neuen Einsatzort. Im Falle eines Brandes oder eines Unfalls in der Kanzel ist die örtliche Feuerwehr allerdings weitgehend hilflos.

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Bei einem Windradbrand kann die Feuerwehr nur abwarten, wie hier im Jahr 2004 im Windpark Wulfshagen in der Nähe von Gettorf bei Eckernförde.

Quelle: Sven Janssen

Quarnbek. Was passiert, wenn tatsächlich mal in einer Kanzel in 96 Metern Höhe ein Brand ausbrechen sollte oder ein Mitarbeiter bei Wartungsarbeiten gesundheitliche Probleme bekommt und schnell gerettet werden muss? Gibt es ein Sicherheitskonzept und wer ist zuständig?

Nach dem Landesbrandschutzgesetz ist die Frage nach der Verantwortung klar geregelt. „Dafür ist die Gemeinde zuständig“, sagt Gemeindewehrführer Bernd Osbahr. Doch wenn er hoch hinauf zur Gondel eines Windrades schaut, weiß er, dass ein Einsatz in dieser Höhe die Möglichkeiten der Freiwilligen bei weitem überschreitet. Selbst die Drehleiter der Kieler Berufsfeuerwehr fährt nur 30 Meter aus.

Gefahrenbereich weiräumig absperren

Für einen Brand in solcher Höhe sieht Osbahr nüchtern betrachtet nur eine Strategie: „Kontrolliert abbrennen lassen und den Gefahrenbereich wegen der Rotorblätter weiträumig absperren.“ Das bestätigt auch Dirk Hundertmark, Sprecher des Innenministeriums in Kiel: „Die Feuerwehren können aufgrund der Höhe und besonderen Gefährdung keine Löschmaßnahmen bei der brennenden Kanzel einleiten.“ Für die Windkraftanlagen bedeute ein Kanzelbrand in der Regel den Totalverlust. Meist fackeln dabei auch die sich häufig noch drehenden Rotorblätter ab. Ein Windrad kostet etwa fünf Millionen Euro.

Bei der Rettung einer in Not geratenen Wartungskraft wären der freiwilligen Feuerwehr ebenfalls die Hände gebunden. Sie verfügt nicht über speziell ausgebildete Höhenrettungskräfte. „In einem solchen Notfall würden wir die Berufsfeuerwehr Kiel um Hilfe bitten. Die wäre vorbereitet“, weiß Osbahr. Das bestätigt auch Michael Krohn, Sprecher der Kieler Wehr: „Unser Höhenrettungsteam besteht aus 16 Leuten mit einer sehr intensiven Ausbildung: Geht nicht, gibt’s bei ihnen nicht.“ Im Alltag klettern die Spezialisten mit ihren Seilen aber eher auf Baukräne als auf Windräder.

Für die Sicherheit bei den Windrädern ist nicht nur die Wehr, sondern auch der Betreiber und Betriebsführer, die Firma Denker & Wulf in Sehestedt, zuständig. „Für den Fall eines Brandes in der Kanzel steht ein Brandwarnsystem zur Verfügung“, sagt Marvin Feulner, Manager für Arbeits-, Umwelt- und Gesundheitsschutz. Sollte ein Feuer dadurch nicht gelöscht werden können, müsse die Anlage kontrolliert abbrennen.

Mitarbeiter können erste Hilfe leisten

„Alleinarbeit in einem Windrad ist verboten. Da sind immer mindestens zwei oben“, merkt der Mitarbeiter zum Fall einer möglichen Notversorgung an. Jeder, der in der Kanzel arbeite, sei ausgebildeter Ersthelfer und geschult im Abseilen. In den Quarnbeker Windrädern gebe es neben einem Fahrstuhl auch eine Leiter. Ein Verletzter könne von dem Kollegen gesichert nach unten begleitet oder durch eine Luke im Maschinenhaus abgeseilt werden. Jeder Mitarbeiter trage eine Schutzausrüstung mit einem Gurtsystem „wie im Hochseilgarten“.

Vereisungen an den Rotorblättern führen laut Feulner zur automatischen Abschaltung der Anlage. „Das Warnsystem misst die Vereisung der Windkraftanlage. Ist das der Fall, stoppt die sie – ist die Vereisung weggetaut, kann sie manuell wieder in Betrieb genommen werden“, erläutert er. Schilder im Bereich der Windräder warnen vor möglichem Eisschlag. Alle Daten laufen auch in der Leitwarte in Sehestedt ein. Sie überwacht die Anlage elektronisch aus der Ferne. In sehr kalten Wintern kann das häufige und lange Abschalten zu erheblichen Ertragseinbußen führen. „Das ist bedauerlich, aber Sicherheit geht vor“, sagt Feulner.

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Ein Artikel von
Torsten Müller
Redaktion Holsteiner Zeitung

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