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Sehnsucht nach der Heimat bleibt

Nortorf Sehnsucht nach der Heimat bleibt

Eine Flucht- und Vertreibungsgeschichte, die sich in den Köpfen und Herzen eingebrannt hat: Bei grauem Himmel und Nieselregen läutete am Sonnabend neben dem Nortorfer Rathaus die alte Glocke aus dem früher pommerschen, heute polnischen Wollin. 70 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges gedachten die Teilnehmer am 69. Wolliner Treffen besonders nachdenklich ihrer Heimat.

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Während Dirk Neumann die Glocke läutet, hält Rolf Dreier die Fahne der Pommerschen Landsmannschaft hoch, um der aus Wollin Geflohenen und Vertriebenen zu gedenken.

Quelle: Nora Saric

Nortorf. Nortorf. Eine Flucht- und Vertreibungsgeschichte, die sich in den Köpfen und Herzen eingebrannt hat: Bei grauem Himmel und Nieselregen läutete am Sonnabend neben dem Nortorfer Rathaus die alte Glocke aus dem früher pommerschen, heute polnischen Wollin. 70 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges gedachten die Teilnehmer am 69. Wolliner Treffen besonders nachdenklich ihrer Heimat.

 Einer, dem die eigene Flucht noch vor Augen stand, als wäre sie gerade erst geschehen, war Reinhard Rohde von der Wolliner Heimatgemeinschaft. Der 81-Jährige erinnerte sich an die Schrecken: „Anfang März 1945 war Wollin nicht zerstört, aber voll von Flüchtlingen“, erzählte er während der Feierstunde des Treffens, wie er diese Zeit als Elfjähriger erlebt hatte. Kurz darauf sei unter russischem Beschuss das Chaos ausgebrochen. „Überall brannte es, und es gab eine gewaltige Detonation, als die Granaten ein Munitionslager der Wehrmacht getrafen.“ Viele Wolliner seien ins nahegelegene Swinemünde geflohen. Diejenigen, die später zurückkehrten, hätten vollständige Zerstörung vorgefunden. Es folgten Monate voller Hunger und Qualen, Erschießungen der Einheimischen durch die Besatzungsmacht. „Das endete erst im Juni 1946, als wir von den Polen in den Westen vertrieben wurden.“ Die etwa 4800 Geflohenen und Vertriebenen seien über ganz Deutschland versprengt worden. Heute gebe es noch 200 der Gemeinschaft bekannte Adressen. Rohde selbst fand seine zweite Heimat in Elmshorn. Rund 20 Wolliner, schätzte er, seien nach Nortorf gekommen, aber bereits verstorben.

 Seit 1947 trifft sich die Gemeinschaft in Nortorf. 1955 übernahm die Stadt die Patenschaft für die Wolliner, „im Zeichen der Verbundenheit mit den Vertriebenen und Flüchtlingen, die hier eine neue Heimat gefunden haben“, wie Bürgermeister Horst Krebs betonte. „Durch die gemeinsame Not fand das erste Treffen statt. Heute treffen wir uns zur Erinnerung.“ Erinnerungskultur schaffe Heimat und Identifikation mit einer Gemeinde oder Region.

 Diese 20 Wolliner, so Rohde, die damals nach Nortorf gekommen waren, waren die Gründer der Heimatgemeinschaft. „Arthur Zahm hat 1946 den Schützenhof gepachtet.“ Das beliebte Tanzlokal gegenüber des Peermarktes zog über Jahrzehnte unzählige Menschen zum Feiern in die Stadt. „Dort war auch das erste Wolliner Treffen.“

 Rohde selbst war mit seinen vier Brüdern vertrieben worden. „Der Älteste war 13, der jüngste erst drei Jahre alt“, berichtete er mit brechender Stimme. „Dies ist eine Geschichte, die man nicht los wird.“ Mitgefühl hege er deshalb zu den vielen Flüchtenden von heute. „Wir sind damals als Deutsche nach Deutschland geflohen, die Flüchtlinge heute flüchten meist von einer Kultur in fremde Länder. Deshalb ist es schwierig zu vergleichen.“ Doch Hintergrund seien in den meisten Fällen kriegerische Handlungen, so wie bei ihm selbst und den anderen Wollinern. „Die Sehnsucht nach der Heimat fühlen wir alle“, betonte er.

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