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Leere Stühle beim Flüchtlingsgipfel

Bordesholm Leere Stühle beim Flüchtlingsgipfel

Strömten im Oktober noch rund 300 Menschen zum sogenannten „Bordesholmer Flüchtlingsgipfel“, kamen am Montag nur noch 60 Gäste ins Rathaus. Pastorin Stefanie Kämpf bewertete das positiv: „Es gibt keinen Druck im Kessel.“

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Nur gut 60 Personen, darunter viele Gemeindevertreter und Helfer des Freundeskreises und der Tafel, kamen zum Flüchtlingsgipfel ins Rathaus. Bei der ersten Einwohnerversammlung waren es noch 300 Bürger gewesen.

Quelle: Frank Scheer

Bordesholm. Als „Zeit der Konsolidierung“ bewertete Amtsdirektor Heinrich Lembrecht die Situation. „Der Herbst war für die Mitarbeiter eine schlimme Zeit mit Dienst ohne Ende. Derzeit verläuft alles strukturiert mit einem Konzept. Unterkünfte stehen zur Verfügung, und die Integration rückt in den Mittelpunkt.“ Er räumte aber ein, dass der private Wohnungsmarkt im unteren Segment leide. Einen großen Dank richtete er an die vielen Helfer von Freundeskreis sowie Tafel und Privatpersonen. „Ohne Sie als Gesellschaft hätten wir das nicht geschafft und werden es auch zukünftig nicht meistern.“ Lembrecht würde sich freuen, wenn sich neben den 100 Engagierten weitere Paten um die 274 Personen kümmern würden.

 Daniel Ladehoff, der im Amt das Thema Flüchtlinge betreut, informierte über eine veränderte Altersstruktur. Im vergangenen Jahr seien fast nur junge Männer gekommen. Jetzt leben in der Region 143 Männer, 47 Frauen und 84 Kinder. Von letzteren sind 42 im Kindertagesstätten- und 17 im Grundschulalter. 25 gehen in weiterführende Schulen. „Die Kita-Plätze gehen aus“, merkte Pastorin Kämpf an. Der Freundeskreis überlege daher, eine ehrenamtlich geleitete Gruppe zu gründen. Die Arbeit sei außerdem umstrukturiert worden, weil sich viele Ehrenamtliche aufrieben. Beispielsweise gibt es mittwochs zentrale Termine, an denen Paten mit ihren Schützlingen Infos zu Deutsch- und Integrationskurse bekommen können. Zudem sei mit dem Handwerks- und Gewerbeverein eine Vereinbarung über Praktika geschlossen. „Eine Nähgruppe für Frauen hat sich gegründet, die Zusammenarbeit mit dem Jugendtreff weitet sich aus“, schilderte Kämpf.

 Mucksmäuschenstill verfolgten die Gäste das Interview, das Rainer Borchert vom Amt mit Tarfah Al Fadhli aus dem Jemen und Ahmad Shbat aus Syrien führte. Dankbar sind beide, die schon mehr als ein Jahr im Ort leben, für Aufnahme und Betreuung. Beide sprachen auch sensible Themen an. Nach den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln stellten auch sie einen Wandel fest. Ihr Appell: Diese Taten hätten einige wenige zu verantworten. Es gebe nicht den „Flüchtling“, sondern es seien alles Individuen, die meisten alles aufgegeben hätten. Die Jemenitin, die mit ihrem Sohn nach Bordesholm gekommen war, sprach auch einen persönlichen Nachteil an – wegen ihres Herkunftslandes habe sie keinen Anspruch auf einen Integrationskurs. Ahmad Shabat bestätigte, dass die deutsche Sprache der Schlüssel für vieles sei. Er habe besonders viel davon bei der Mitarbeit beim Kinderferienprogramm des Jugendtreffs 2015 mitgenommen.

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Ein Artikel von
Frank Scheer
Holsteiner Zeitung

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