16 ° / 13 ° Regen

Navigation:
Gefährlicher Kau-Spaß für Hunde

Schweine- und Rinderohren Gefährlicher Kau-Spaß für Hunde

Sie sind beliebte Leckerlis für Bello & Co. und unbestritten gut für deren Zahngesundheit. Dennoch warnt die Gettorfer Tierarztpraxis Dr. Otten & Roth Hundebesitzer eindringlich davor, ihren vierbeinigen Lieblingen getrocknete Schweine- oder Rinderohren zu geben. Zwei aktuelle Fälle aus der Veterinärpraxis im Wohld belegen: Hunde können daran ersticken.

Voriger Artikel
Respekt vor schuppigen Freunden
Nächster Artikel
Der Wind pfeift, der Atem fließt

Emmy, die zwei Jahre alte Labrador-Hündin von Christiane van Hümmel (38), würde gern nach dem getrockneten Schweineohr schnappen. Doch nachdem in Gettorf bereits zwei Hunde daran erstickt sind, warnt die Tierärztin vor solchen Kau-Snacks.

Quelle: Kitzelmann

Gettorf. Im Herbst war es eine mittelgroße Boxerhündin, der ein getrocknetes Rinderohr zum Verhängnis wurde, jetzt im Frühjahr erstickte eine ebenfalls mittelgroße Mischlingshündin an einem getrockneten Schweineohr. Helfen konnte man ihnen nicht mehr. „In beiden Fällen waren die Hunde bereits tot, als sie zu uns in die Praxis gebracht wurden“, berichtet Dr. Christiane van Hümmel. Die 38-Jährige ist angestellte Tierärztin in der Praxis Dr. Otten & Roth und kümmert sich mit drei weiteren Veterinärinnen vornehmlich um Kleintiere. Die Hundebesitzer seien völlig aufgelöst gewesen, als sie mit ihren leblosen Lieblingen in die Praxis kamen, so van Hümmel. Sie kann das Entsetzen und die Trauer der betroffenen Hundehalter nachvollziehen. „Das muss ein schreckliches Erlebnis sein, wenn man glaubt, seinem Liebling mit einem getrockneten Schweine- oder Rinderohr etwas Gutes zu tun, und er stirbt dann daran“, ist sie überzeugt. Und sie versichert: „Auch uns Tierärzten geht so etwas sehr nahe.“

 Bevor es zu den tragischen Unglücksfällen mit den beiden Hunden kam, habe sie noch nie davon gehört, dass Kau-Snacks aus Rinder- oder Schweineohren zur tödlichen Gefahr für Hunde werden können, so Christiane van Hümmel. „Offenbar handelt es sich hier um besonders tragische, traurige Einzelfälle.“ Für die Veterinärin sind die Erlebnisse mit der Boxerhündin im Herbst und dem Mischlingshund jetzt im Frühjahr jedoch Grund genug, vor diesen überall im Tierfachhandel erhältlichen Kau-Snacks zu warnen.

 Was macht die getrockneten Schweine- und Rinderohren so gefährlich? „Im gekauften Zustand sind sie sehr hart. Aber wenn ein Hund darauf herumkaut, werden sie ganz schnell weich und glitschig. Wenn sich die getrockneten Ohren dann beim Schlucken im Rachen verkeilen, werden sie durch die Atemversuche der Tiere noch zusätzlich fest angesaugt“, berichtet Christiane van Hümmel. Den festsitzenden Kau-Snack aus dem Rachen des Hundes zu ziehen, sei so gut wie unmöglich. Die beiden Hundebesitzer, deren Tiere verendeten, hätten dies noch versucht, aber sie hätten kaum eine Chance gehabt. „Man bekommt die eingespeichelten, glitschigen Kau-Snacks gar nicht oder nur sehr, sehr schwer zu fassen“, so die Tierärztin. Außerdem ähnelten sie der Schleimhaut des Hundes. Christiane van Hümmel: „Man kann kaum erkennen: Was ist Hund und was ist Fremdkörper?“ Sie vermutet, dass die getrockneten Ohren aufgrund ihrer besonderen Form und Beschaffenheit dazu neigen, im Bereich des Kehlkopfes hängen zu bleiben. Besonders gefährdet seien Hunde, die gern schlingen – so wie ihre zwei Jahre alte schwarze Labrador-Hündin Emmy.

 Kauartikel gelten als natürliche Zahnbürsten. Außerdem befriedigen sie nach Auskunft der Tierärztin das Kaubedürfnis von Hunden. Anstelle von getrockneten Ohren rät sie zu Hunde-Snacks, die weniger gefährlich sind und von den Vierbeinern dennoch gern angenommen werden. Eine allgemeingültige Empfehlung könne sie nicht abgeben. Christiane van Hümmel: „Jeder Hund ist anders.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Burkhard Kitzelmann
Eckernförder Nachrichten