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Museumsobst für die Kieler Tafel

Molfsee Museumsobst für die Kieler Tafel

Viel Obst hängt derzeit an den Bäumen des Freilichtmuseums in Molfsee. Viele Äpfel sind bereits auf den Boden gefallen und drohen zu vergammeln. Die Mitarbeiter haben zum Apfelpflücken keine Zeit. Ehrenamtler helfen dem Museum aus der Patsche: Detlef Joost und Gerhard Ruhstein pflücken für die Kieler Tafel.

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Pflücken für die Kieler Tafel: Detlef Joost (links) und Gerhard Ruhstein sind Nachbarn des Freilichmuseums und ernten das Obst am Hof Schmielau.

Quelle: Torsten Müller

Molfsee. Molfsee. Verschlafener Oktober-Morgen. Nebel wabert zwischen den alten Bauernhäusern im Freilichtmueum in Molfsee. Erst am Haus Schmielau zeigt sich Bewegung. Zwei Männer machen sich im Apfelgarten zu schaffen. Obstdiebe? Weit gefehlt. „Wir pflücken für die Kieler Tafel“, sagen Detlef Joost und Gerhard Ruhstein. Freundlich laden sie ein: „Langen Sie auch ruhig zu. Das ist alles Natur und ungespritzt.“

 Die beiden Ruheständler aus der Rammseer Nachbarschaft helfen dem Museum derzeit aus der Patsche. Obst und Gemüse gedeihen in diesem Jahr besonders prächtig, aber niemand ist da, der die gesunden Erzeugnisse der Natur pflückt und verspeist. Museumsleiter Wolfgang Rüther kann diesen Anblick nur schwer ertragen: „Ich bin auf dem Land groß geworden“, sagt der Sauerländer. Am Boden liegende Äpfel, die allmählich vergammeln, gab es da nicht. Also suchte er jetzt einen Abnehmer und wurde durch den Hinweis eines Mitarbeiters schnell fündig: die Kieler Tafel.

 Da diese aber keine Mitarbeiter zum Pflücken abstellen und das Museum dafür seine Handwerker nicht einsetzen kann, lag die Hoffnung auf den Ehrenamtlichen des Museums. Detlef Joost und Gerhard Ruhstein sagten sofort „ja“. Kiste um Kiste füllen sie mit dem reifen Obst. „Wenn wir jetzt nicht pflücken, fallen alle runter“, sind die beiden 74-Jährigen überzeugt. Mit dem Apfelpflücker holen sie den Boskop auch aus den höchsten Höhen. Sie haben noch einiges vor sich: Auf dem Museumsgelände stehen rund 40 Apfelbäume. Trotz der üppigen Fruchtfülle wirken die schon etwas wild verwachsen. Sie haben längere Zeit keinen Pflegeschnitt mehr erhalten.

 Rüther kennt das Problem. Im Museum ist zwar breites Fachwissen über alte Hausformen und den Alltag der Menschen auf dem Lande versammelt, aber die ländliche Natur fristet noch ein Schattendasein. „Wir haben keinen Landschaftsökologen“, stellt der Leiter fest. Durch die Bewahrung von Pflanzen und alten Sorten könnte das Museum Besuchern zusätzliche interessante Einblicke vermitteln.

 Die Natur profitiert von dem Manko. Sie kann sich ungehindert ausdehnen und richtet zum Teil auch schon Schäden an, wenn überbordende Äste ein Reetdach bedecken und die Feuchtigkeit nur unzureichend abtrocknen kann. „Die kulturhistorische Landschaft darf nicht zuwachsen“, sagt Rüther. Deshalb soll dieser Winter schwerpunktartig zum Rückschnitt nicht nur von Obstbäumen und Eichen genutzt werden. Auch einige Lärchen, die sich auf dem Gelände angesiedelt haben, sollen weichen, weil sie nicht standortgerecht sind.

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Ein Artikel von
Torsten Müller
Redaktion Holsteiner Zeitung

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