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iPad-Klasse kommt ohne Tafel aus

Pilotprojekt am Gymnasium Kronshagen iPad-Klasse kommt ohne Tafel aus

iPad statt Schreibhefte und Füllfederhalter: Am Gymnasium Kronshagen (GymKro) testet die Klasse 5d bereits, wie Unterricht mit Tablet-PCs funktioniert. Schulleiter Norbert Sieverding ist vom Pilotprojekt begeistert: Es verändere das Lernen und stärke die Eigenverantwortung der Schüler.

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Lennart (11, von links), Julian (11) und Kjell (11) haben ide Bilder abfotografiert und bringen sie jetzt auf dem Tablet in Form. Gemeinsam basteln sie an einem ebook.

Quelle: Sven Janssen

Kronshagen. In der Deutschstunde ist Lehrerin Nicole Haferland Moderatorin. Frontalunterricht war gestern. Tische und Stühle stehen in kleinen Lerninseln, an denen die Schüler arbeiten. Ihre Aufgabe: zu Bildern eine Geschichte erfinden, sie aufzuschreiben und der Klasse zu präsentieren. „Schreib mal flüstern nach oben rechts.“ Tamira (10), Emily (9) und Melanie (11) sitzen am iPad und suchen nach Synonymen für sagen. Mit der App „ABC-Notes“ ordnen die Mädchen sie wie Notizzettel auf dem Bildschirm an. „Das macht richtig Spaß und sieht dabei noch toll aus“, urteilt Emily.

 Lennart (11), Julian (11) und Kjell (11) fotografieren derweil mit ihrem iPad die vorgegebenen Bilder ab. „Die werden noch ein wenig bearbeitet und dann bringen wir sie mit ‚book creator‘ in die richtige Reihenfolge“, sagt Julian. „Das ist ganz praktisch und gar nicht schwer.“ Sie einfach mit der Schere ausschneiden und in ein Heft kleben, das ginge natürlich auch, sei aber lange nicht so spannend, wie ein eigenes ebook auf dem Tablet-PC zu erstellen.

 Mick (11) und Jakob (10) basteln derweil an einer „Mindmap“. „Damit kann man seine Ideen aufschreiben und durch Linien zeigen, was wie zusammenhängt“, erklärt Mick, der versucht, das Beziehungsgeflecht der Personen auf den Bildern zu ordnen. Sophie (10) und Jule (10) schreiben derweil an ihrer Geschichte, fügen Bilder und Text auf dem iPad zusammen und sorgen für das passende Aussehen. „So ein Buch kann man auch mit Papier basteln, aber dann kann man es nicht so toll gestalten, wir sind ja keine Buchbinder“, ist Jule überzeugt.

 Jeder braucht auch die Ergebnisse der anderen. Statt um einen Tisch herumzustehen und auf den kleinen Monitor zu schauen, wird groß präsentiert. Ein Knopfdruck aufs iPad und schon ist die Julians Bilderleiste per Beamer auf dem Whiteboard. „Tüddel dich mal ein“, fordert Haferland Tamira auf, die einen Klick später ihren Mitschülern die vielen Alternativen für das Wort „sagen“ präsentiert.

 Rund 19000 Euro kostet die Ausstattung für eine Klasse. „Um das Pilotprojekt als eine der ersten Schulen zu starten, brauchten wir noch iPads“, so Haferkamp. Sie hatte sich verschiedene Tablets im Vorfeld angeschaut, sich letztlich aber für die Variante von Apple entschieden, „weil dort das Bedienkonzept in allen Programmen gleich ist“. 5000 Euro gab es von der Förde Sparkasse ein, 7000 Euro vom Bildungsministerium für das Pilotprojekt, das das GymKro als eine der ersten Schulen im Lande umsetzt.

 „Mit der Technik verändern sich die Lernwelten“, erklärt Schulleiter Norbert Sieverding. Neue Bücher, die auch multimediale Inhalte einbeziehen und differenziertes Lernen möglich machen, böten Chancen. „Damit wird die Eigenverantwortung gestärkt.“ Dass nicht jeder Schüler ein iPad hat, ist gewollt. „Zusammenarbeit ist wichtig“, sagt Haferland, die die Tablets nach dem Unterricht wieder einsammelt.

 Das Interesse der anderen Kollegen sei groß. „Fast die Hälfte lässt sich jetzt auf den Geräten schulen.“ Die Möglichkeiten seien schier endlos: Videogespräche mit Austauschschülern zum Sprachenlernen, Diktate schreiben, Recherchen im Internet und vieles mehr. „Der rote Faden ist die Verbesserung der Unterrichtsqualität“, sagt der Schulleiter über ein faszinierendes Thema, „das einen schon gefangen nehmen könne“.

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