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Reet-Neubau vom Abriss bedroht

Achterwehr Reet-Neubau vom Abriss bedroht

Viele Menschen träumen davon, in einem Reetdachhaus zu wohnen. Für Jan und Anna van Heys ist das im Achterwehrer Neubaugebiet Neukoppel zum Albtraum geworden. Ihr neues Haus soll zurückgebaut werden, weil die Traufhöhe die Vorgaben um 30 Zentimeter übersteigt – eine junge Familie ist verzweifelt.

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Diese junge Familie ist verzweifelt (von links): Anna und Jan van Heys mit ihren Kindern Levi und Juri vor ihrem Reetdachhaus auf der Neukoppel in Achterwehr. Weil die Traufhöhe, also die Schnittlinie zwischen Außenseite Wand und Außenseite Dach, 30 Zentimeter höher liegt, droht der Abriss. Die vorgegebene Gesamthöhe überschreitet das Gebäude nicht.

Quelle: Torsten Müller

Achterwehr. „Der Bau lief geradezu perfekt: Im Dezember ging’s los, zu Ostern war er fertig“, erzählt Bauherr Jan van Heys und schränkt gleich ein: „Das war wohl zu schön, um wahr zu sein.“ Eine Woche bevor das Ehepaar mit beiden kleinen Kindern Levi und Juri einzog, bekam es Post vom Kreis Rendsburg-Eckernförde. Darin kündigte die Rendsburger Behörde den Erlass einer Beseitigungs- beziehungsweise Rückbauverfügung an. Es ist der zweite spektakuläre Fall in kurzer Zeit im Amt Achterwehr: Erst im Juli hatte die Firma Böttcher Haus-Exklusiv in Melsdorf den Rohbau eines Wohnhauses wieder abreißen müssen.

 Wie in Melsdorf so liegt offenbar auch auf der Neukoppel ein Vermessungsfehler vor. Dort ist für jedes der 27 Grundstücke ein individueller Höhenbezugspunkt festgelegt worden. Bei den van Heys liegt er auf Straßenhöhe und damit tiefer als bei den Nachbarhäusern. Vermutlich wurde bei der Familie vom höheren Grundstück und nicht von der Straße aus gemessen. Die Traufhöhe ist die Schnittlinie zwischen Außenseite Wand und Außenseite Dach. Der Messfehler führte zwar zu einer Überschreitung der Traufhöhe von 4,50 Meter um 30 Zentimeter, aber die vom B-Plan vorgegebene Gesamthöhe wird nicht überschritten. Die Nachbarn kamen der Familie sofort entgegen: Alle Eigentümer der derzeit 19 bewohnten Grundstücke haben schriftlich auf Einwendungen sowie die Geltendmachung von Ansprüchen gegenüber der Gemeinde verzichtet. Die Neukoppel ist fast vollständig bebaut.

 Das Ehepaar findet es „unverhältnismäßig“, wegen einer „geringfügigen Abweichung“ von sechs Prozent das Haus kostspielig zurückbauen zu müssen. Deshalb stellten die van Heys an den Kreis einen Antrag auf Befreiung von der Festsetzung der Traufhöhe. Nach Angaben von Behördensprecher Martin Schmedtje braucht der Kreis aber für eine positive Entscheidung das Einvernehmen der Gemeinde. Doch damit sieht es derzeit nicht gut aus: Der Bauausschuss in Achterwehr hat es in nichtöffentlicher Sitzung versagt. Die endgültige Entscheidung trifft nun die Gemeindevertretung am Mittwoch, 21. September – ebenfalls nichtöffentlich. Auf Nachfrage dieser Zeitung sagte Renate Stellmacher (SPD), Vorsitzende des Bauausschusses: „Wir haben die Sorge, dass durch diese Befreiung der gesamte B-Plan ausgehebelt werden könnte.“ Noch sei die Neukoppel nicht abschließend bebaut. Nach Angaben des Rendsburger Sprechers verfügt der Kreis in diesem Fall über keinen Ermessensspielraum: „Die Gemeinde hat die Planungshoheit und die Regeln aufgestellt, die nicht rechtswidrig sind.“

 Die drohende Entwicklung bereitet der jungen Familie große Sorgen. Ob die Versicherung des Verursachers zahle oder ob dessen Firma überhaupt in der Lage sei, den Schaden zu begleichen, stehe in den Sternen. Ebenso ob das Gebäude ganz abgerissen oder nur bis zur Traufe abgetragen werden müsse. „Das Haus ist in Holzständer-Bauweise errichtet und nicht Stein auf Stein“, sagt Jan van Heys. Aber selbst im günstigsten Fall müsste das berufstätige Ehepaar samt Kindern für Monate aus dem Haus ausziehen. „Wir wissen nicht, wie wir das alles managen sollen“, sagen die van Heys, die den großen Aufwand für den Fehler nicht nachvollziehen können: „Das Absenken der Traufhöhe würde keine optische Veränderung des Erscheinungsbildes bewirken.“

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Ein Artikel von
Torsten Müller
Redaktion Holsteiner Zeitung

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