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Fledermäuse können knuffig sein

10 Jahre Noctalis Bad Segeberg Fledermäuse können knuffig sein

Zehn Jahre Noctalis, die „Welt der Fledermäuse“, am Bad Segeberger Kalkberg: Bei den Zahlen geht es um Größenordnungen in Millionenhöhe: Seit dem 1. März 2006 haben mindestens 24 Millionen tierische Übernachtungsgäste in der Kalkberghöhle logiert. Rund 450000 Besucher kamen, davon 150000 Schulkinder.

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Seit zehn Jahren gibt es jetzt das Fledermauszentrum am Kalkberg. Man wünscht sich noch mehr Besucher

Quelle: Archiv

Bad Segeberg. „Wir haben zwischen 40000 und 50000 Besucher pro Jahr“, schildert Dr. Anne Ipsen, Geschäftsführerin des Noctalis. „Natürlich sind das weniger, als bei der Planung prognostiziert wurden – das kann man nicht schönreden.“ Ausgegangen war man bei der Entwicklung von jährlich 120000 Menschen, die sich für das Leben der Fledermäuse interessieren. Die Firma, die damals die Kalkulation gemacht habe, sei nach anderen Fehlprognosen inzwischen pleite, berichtete Anne Ipsen. „Die Stadt hat es schwer damit, weil wir die schwarze Null zurzeit nicht schaffen, gerade weil die Lage jetzt angespannt ist durch andere Belastungen.“

 Von anderen Museen aus größeren Städten höre das Noctalis-Team immer viel Lob, berichtet die Geschäftsführerin. „Sie sagen uns, dass es doch eine gute Leistung ist, was wir hier auf die Beine stellen. Denn wir liegen hier ja nicht an einer Stelle, wo die Leute zufällig vorbeikommen wie etwa direkt an der Ostsee.“ Für die Arbeit der Biologen bedeutete das, die Kosten, wo es möglich ist, zu senken.

 Und Werbung ist gar nicht so einfach, denn die Fledermaus ist nun mal kein Kuscheltier wie ein Eisbär oder ein kleines Elefantenbaby. „Wenn die Menschen bei uns sind, dann merken sie oft, dass auch Fledermäuse sehr berührend sind“, weiß Anne Ipsen. „Aber dafür müssen sie eben erstmal herkommen.“ Deshalb wird mit vielen kreativen Ideen gearbeitet. „Wir müssen da um die Kurve denken, damit die Leute merken: Fledermäuse sind auch ganz knuffig.“

 In der Welt der Forschung haben die Bad Segeberger Biologen einen festen Platz. Florian Gloza-Rausch, wissenschaftlicher Leiter des Noctalis, ist auch in anderen Ländern unterwegs. Im Bereich der Forschungs- und Gutachtertätigkeit war das Noctalis-Team in den vergangenen zehn Jahren an Aufträgen mit einem Wert von über einer halben Million Euro beteiligt. Über 20 Bachelor- und Master-Arbeiten sowie andere Abschlussarbeiten wurden über das Fledermauszentrum geschrieben, über 50 Freiwillige und Langzeitpraktikanten haben seit 2006 im Noctalis gearbeitet. Besonders beliebt ist die vielseitige Arbeit bei jungen Leuten, die ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) machen möchten: In diesem Jahr haben sich auf die drei zu vergebenden Stellen 33 Jugendliche geworben.

 Im Rückblick zeigt sich auch, wie viel sich durch die Arbeit des Noctalis für das Ausflugsziel Kalkberg getan hat: Es wurden Projekte mit einer Gesamtfördersumme von über 500000 Euro umgesetzt, wodurch zum Beispiel in der Höhle die Beleuchtung erneuert, der ehemalige, künstlich angelegte Höhlenteich saniert und die Treppe zum Höhleneingang erneuert wurden. Außerdem wurde ein geologischer Lehrpfad errichtet.

 Mit den unmittelbaren Nachbarn, den Karl-May-Spielen, bestehe ein „sehr freundliches Miteinander“, berichtet Anne Ipsen. „Wir haben einen sehr respektvollen Umgang miteinander und sehr gute Wege für Kompromisslösungen gefunden.“ Ein fester Termin für die gesamte Noctalis-Crew ist in jedem Jahr die Premiere der Karl-May-Spiele. Auch die Verantwortlichen der Kalkberg GmbH kommen zu Festen wie dem Jubiläum zum Fledermauszentrum.

 Von den Besuchern der Karl-May-Spiele sehen sich nach Angaben von Geschäftsführerin Ipsen nur rund 10 Prozent auch das Noctalis und die Höhle an. In diesem Jahr wird ein neues Kombi-Ticket ausprobiert, bei dem der Eintritt für Kinder niedriger ausfällt. Auch die Werbung in Printmedien wurde neu gestaltet. „Wie sich das dann auf die Besucherzahlen auswirkt, werden wir wohl erst am Ende dieses Jahres wissen.“

 Nicht in Frage steht, die Forschung zum Fledermausschutz fortzusetzen und das Noctalis weiter als außerschulischen Lernort für Kinder und Jugendliche anzubieten. Auch mit den besonderen Führungen durch Bad Segeberg – über 350 Exkursionen hat es in den vergangenen zehn Jahren gegeben – soll es weitergehen. Dann ziehen kleine und große Fledermausfans mit Ultraschall-Detektoren und Taschenlampen los und dürfen Wasserfledermäuse mit Mehlwürmern füttern.

 Direkten Kontakt mit einer ganz besonderen Fledermaus, dem Riesenflughund Foxi, gibt es zu besonderen Terminen; der nächste wird am 1. Mai sein, wenn beim Noctalis wieder die Gartenpflanzenbörse zum Tausch und Verkauf von Ablegern und Pflanzen für Hobbygärtner stattfindet.

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