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Es geht nicht nur um Wissen

Schule in Schlamersdorf Es geht nicht nur um Wissen

Ihr 40-jähriges Jubiläum feiert die Dörfergemeinschaftsschule in Schlamersdorf. Lehrerin Angelika Theiß-Ledermann (64) ist von Anfang an dabei. Sie weiß, wie sehr sich der Schulalltag seither verändert hat.

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Angelika Theiß-Ledermann hat seit der Gründung der Dörfergemeinschaftsschule in Schlamerdorf vor 40 Jahren als Lehrerin gearbeitet und geht jetzt in Ruhestand.

Schlamersdorf. Angelika Theiß-Ledermann, die im Ortsteil Hornsmühlen lebt, ist kaum zu stoppen auf die Frage, was sich denn seit der Gründung der Schule gewandelt hat. Auf Anhieb fallen ihr zwanzig Punkte ein. Mit anderen Worten: Es gab viele kleine Revolutionen. Als letztes Gründungsmitglied der Schule wird die Lehrerin nach dem Jubiläums- und Sommerfest am Freitagnachmittag, 10. Juli, in den Ruhestand verabschiedet.

 An ihren ersten Schreck kann sich Theiß-Ledermann noch gut erinnern. 1972 begann sie in der kleinen Schlamersdorfer Dorfschule, einige hundert Meter weiter am Marktplatz. Sie sollte Erst- und Zweitklässler in einer gemeinsamen Klasse unterrichten. Heute der letzte pädagogische Kniff, damals ungewöhnlich. Außerdem sollte sie Deutsch lehren – und das als ausgebildete Mathematik- und Englischlehrerin. Ihr Rektor war Hermann Lentföhr, Vater des heutigen Seedorfer Bürgermeisters Gerd Lentföhr.

 Fast jedes Dorf hatte damals seine eigene Schule. Das wollte die große Politik ändern, unter anderem, um mit größeren Schulen auf dem Land auch den Dorfschülern jenen Ausstattungsstandard zu ermöglichen, die Schulen in Städten vorwiesen. Der damalige, politisch gut vernetzte Seedorfer Bürgermeister Manfred Frank und Rudi Ebert, mittlerweile Rektor in Schlamersdorf, reisten durch die Lande bis hinauf nach Dänemark, um sich vorbildliche Schulgebäude anzusehen.

 Das Ergebnis: Auf die Wiese am Ortsrand von Schlamersdorf wurde ein modernes Gebäude gesetzt, sogar mit eigener Sporthalle. Später kam noch eine größere Halle hinzu und jüngst eine moderne Mensa. Von einst rund 80 Grundschülern wuchs die Kinderschar auf derzeit rund 130. Sie kommen aus Seedorf und den Umlandgemeinden. Nächstes Schuljahr reichen die Neuanmeldungen aber wohl nur für eine erste Klasse.

 Ende der 1970er ging es eher streng zu, erinnert sich Angelika Theiß-Ledermann. Die Fußböden waren aus Linoleum. Die Innenräume waren dunkel. Aber gut und zunehmend vertrauensvoll sei die Zusammenarbeit mit den Kollegen und den Schülern schon immer gewesen. „In der Schule müssen sich alle wohlfühlen“, findet sie Pädagogin. Das Schulleben habe sich sehr gewandelt, bilanziert sie. Selbstbestimmt und kreativ werde heute gearbeitet, jedes Kind gefördert. Es gibt Kompetenzraster, Projektarbeit, offenen Unterricht, Schülerzeitung, Arbeit am Computer, fächerübergreifende Projekte, viele Arbeitsgemeinschaften bis hin zu Ernährungsführerscheinen und prämierten Plattdeutsch-Initiativen, aber auch mehr Konferenzen, mehr Bürokratie, mehr Elterngespräche. Kinder lernten heute schon in der Grundschule Englisch. Lateinische Wörter wie „Präsens“ für die Zeitform Gegenwart gehen ihnen locker von den Lippen. „Heute geht es nicht nur um Wissen, sondern auch um Kompetenzen.“ Und darum, Kindern Freiräume zu bieten für kreatives Wachsen.

 Die schädlichen Einflüsse der modernen Welt spürt aber auch die Schlamersdorfer Grundschule. „Manche Kinder können sich schwerer konzentrieren als frühere Generationen.“ Sie hätten ja auch viele Ablenkungen, vom Smartphone bis zu vielen Hobbys, erklärt sich die erfahrene Lehrerin das Phänomen. Auch könnten Lehrer manchen Schülern bei der Disziplin heute weniger abverlangen als früher.

 Angelika Theiß-Ledermann blickt mit Glück und großer Zufriedenheit auf ein erfülltes Berufsleben zurück. Pädagogen, so ist ihre Überzeugung, helfen dabei, dass die Kinder Inseln des Wissens bauen. Sie hofft, dass die Schule in Schlamersdorf und sie in 40 Jahren dazu beigetragen haben.

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Ein Artikel von
Gerrit Sponholz
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