12 ° / 7 ° Sprühregen

Navigation:
16 Meter Pflaster bleiben

Bad Bramstedt 16 Meter Pflaster bleiben

Von dem alten Pflaster der ersten schleswig-holsteinischen Kunststraße, das bei den Bauarbeiten auf dem Bleeck unterm Asphalt entdeckt worden ist, bleibt ein Abschnitt von rund 80 Quadratmetern erhalten.

Voriger Artikel
Auto „aufgesattelt“
Nächster Artikel
DRK gibt Pflege zum Teil auf

Das Feld innerhalb der pinkfarbenen Linie zeigt die Fläche auf dem Bleeck an, auf der noch das alte Kopfsteinpflaster von 1832 liegt. Die Fläche rechts vom Fontänenfeld soll weitgehend erhalten bleiben, allerdings werden die Steine aufgenommen, um Niveaugleichheit mit dem übrigen Platz herzustellen.

Quelle: AC Planer

Bad Bramstedt. Nach zähem Ringen verständigte sich auf die Lösung der städtische Planungsausschuss am Montagabend. Landeskonservator Dr. Michael Paarmann ist damit allerdings nicht zufrieden. Die Stadt will das Pflaster nämlich nicht im Originalzustand liegen lassen.

 Stattdessen sollen die Steine aufgenommen und auf dem gleichen Höhenniveau wie der übrige Platz neu verlegt werden. Zurzeit liegt es einige Zentimeter tiefer, sodass Absätze auf dem Platz entstehen würden. Einige Stadtverordnete befürchten, dass der Bleeck dann nicht mehr behindertengerecht wäre. Doch das träfe nur auf einen kleinen Bereich zu. Schwerer wiegt, dass der Marktplatz schlechter nutzbar wird. Beispielsweise könnten dann zumindest im Südteil keine großen Festzelte aufgestellt werden und auch für den Jahrmarkt stünde dieser Teilbereich nicht zur Verfügung. Und außerdem wird die Regenwasserableitung von einer solchen tiefer liegenden Fläche aufwendig.

 Dennoch zeigte sich Landeskonservator Paarmann enttäuscht über die geplante Neuverlegung. „Die historische Qualität geht verloren, es wird etwas Neues geschaffen“, sagte der oberste Denkmalschützer des Landes gestern der Segeberger Zeitung. Untersuchungen des Untergrunds hatten zwar ergeben, dass das Pflaster nach dem Straßenbau im Jahr 1832 schon mehrfach hochgenommen und neu verlegt worden ist. Für Paarmann hat die wiederentdeckte Straße aber dennoch ihren Wert. Die letzten Änderungen an dem alten Pflaster dürften auch schon etliche Jahrzehnte zurückliegen. Und andere historische Bauwerke wiesen auch Nutzungsspuren auf. Paarmann erinnerte daran, dass auch die Altonaer Straße in Bad Bramstedt unter Denkmalschutz steht. Sie ist ebenfalls ein Abschnitt der alten Chaussee von Altona nach Kiel. Ihr Basaltpflaster wurde 1926 verlegt.

 Das mit der Bleeck-Planung beauftragte Ingenieurbüro AC Planer hatte vorgeschlagen, nur einen Abschnitt der alten Straße von acht Metern Länge zu erhalten. Bei einer Straßenbreite von fünf Meter ergibt das eine fast quadratisch wirkende Fläche von 40 Quadratmetern. Das war aber nicht im Sinne des Denkmalschützers. Paarmann hatte bei einem Ortstermin in Bad Bramstedt darum gebeten, dass der alte Straßenverlauf erkennbar bleibt.

 Im Planungsausschuss entbrannte darüber eine lebhafte Diskussion. Werner Weiß (CDU) sagte, die 40-Quadratmeter-Fläche sei so groß „wie ein Wohnzimmer“: „Dann sollten wir es ganz lassen.“ Hartmut Müller (FDP) bewertete den Vorschlag als „pseudohistorisch“, während Planungsausschussvorsitzender Fritz Bredfeldt (Bündnis 90/Grüne) ihn für einen „guten Kompromiss“ hielt. Jan-Uwe Schadendorf (SPD), der als Heimathistoriker das Pflaster entdeckt und auf die historische Bedeutung hingewiesen hatte, war mit der Lösung gar nicht zufrieden. „Auf die 40 Quadratmeter kann ich verzichten, für ein solches Feigenblatt kann ich keinen Finger heben.“ Er plädierte dafür, den von den Bauarbeiten noch verschont gebliebenen Abschnitt komplett zu erhalten.

 Genau in diesem Abschnitt befindet sich aber der Platz für das geplante Fontänenfeld. Das wollte auch Schadendorf nicht verrücken. Sein Vorschlag: Die alte Straße könnte durch diese Anlage unterbrochen werden. Hartmut Müller (FDP) schlug dagegen vor, das alte Pflaster an der Mündung der Altonaer Straße in den Bleeck neu zu verlegen, fand dafür aber keine Unterstützung bei den anderen Parteien.

 Am Ende beschloss der Ausschuss, die Größe des Pflasterabschnitts zu verdoppeln, so dass die alte Straße südlich des Fontänenfeldes auf einer Länge von 16 Meter erhalten bleibt, allerdings nicht im Originalzustand, sondern auf Platzniveau. Eine ins Pflaster eingelassene Tafel soll auf die historische Bedeutung aufmerksam machen.

 Von der Denkmalbehörde hat die Stadt nichts zu befürchten, auch wenn Landeskonservator Paarmann sich eine andere Lösung gewünscht hat. Ein Denkmalschutzverfahren will er nicht einleiten. „Dafür sehe ich nicht genügend Anlass“, zumal unklar sei, wann das Pflaster zuletzt neu verlegt worden sei, sagte er der SZ. „Und an Zwistigkeiten mit der Stadt ist mir nicht gelegen.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
Events: Segeberg

Veranstaltungen in
Segeberg. Aktuelle
Termine, News, Infos

Das THW-Magazin

Erfahren Sie mehr!
Einblicke hinter die
Kulissen des THW-Kiel

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Segeberg 2/3