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Neuer Antrieb für die AKN

Kaltenkirchen Neuer Antrieb für die AKN

Acht sind schon da, sechs der jeweils fast 100 Tonnen schweren und 54 Meter langen Neulinge mit der Bezeichnung „Leichter Innovativer Nahverkehrs-Triebwagen“ (LINT 54) folgen noch. Buchstäblich zügig wächst der Fuhrpark der AKN Eisenbahngesellschaft für den Verkehr auf der Linie A1.

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Die Schleswig-Holstein-Farben Blau, Weiß und Rot und das AKN-Logo zieren die neuen Züge der Modellreihe LINT 54. Die Zahl steht für die Länge des Zuges (54 Meter).

Quelle: Michael Zwicker

Kaltenkirchen. Mit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember sollen die neuen dieselbetriebenen Bahnen auf der Linie A1 (Neumünster-Eidelstedt) eingesetzt werden. Gleichzeitig werden die 15 dann fast 40 Jahre alten - sowie mittlerweile unbequemen und lauten - Triebwagen des Typs VTE (Baujahr 1976/77) aufs Abstellgleis rollen. Alle sollen verkauft werden.

 Die neuen AKN-Züge entstehen im niedersächsischen Salzgitter. Das Werk mit rund 2500 Mitarbeitern ist das größte im weltweit agierenden Alstom-Konzern mit Niederlassungen in 60 Ländern. Vom Rohbau bis zur Inbetriebnahme werden dort in bis zu 200 Meter langen Hallen diverse Lokomotiv-, Zug- und Straßenbahnmodelle gefertigt. Voriges Jahr wurden rund 200 Züge ausgeliefert. Der LINT 54 gehört zu den Bestsellern. Abnehmer sind neben der AKN unter anderem die Deutsche Bahn und die Netinera Deutschland GmbH, das drittgrößte Eisenbahnverkehrsunternehmen in Deutschland, unter anderem mit den Zugmarken Metronom und Erixx..

 Die LINT-Stahlhüllen entstehen allerdings nicht in Salzgitter, sondern im polnischen Katowice (Kattowitz). Auch die Lackierung erfolgt dort. Alle anderen der mehreren Hundert Arbeitsschritte werden in zehn bis zwölf Wochen in Salzgitter erledigt. Dazu gehören unter anderem der Einbau von Elektrik, Motoren und Sitzen, die Dämmung, das sogenannte Aufachsen, statische Tests und Probefahrten. AKN-Mitarbeiter Thomas Schimrock, Projektleiter für den rund 60 Millionen Euro teuren Wechsel im Fuhrpark und regelmäßig mit Kollegen aus Kaltenkirchen in der Zugfabrik zu Gast, ist begeistert von den neuen Zügen, deren Entstehung er Schritt für Schritt mitverfolgen darf, und der auch schon etliche Kilometer in den fertigen Bahnen auf Testfahrten zurückgelegt hat. „Unter anderem kontrollieren wir den Produktionsprozess und erledigen die Vorabnahme“, erklärte der AKNler.

 Bereits seit den 1970er Jahren ist die AKN Kunde von Alstom. Die alten VTE-Modelle stammen auch aus der renommierten Zugfabrik, die früher allerdings noch Linke-Hofmann-Busch hieß. Mit drei Antriebsmotoren verfügen die neuen AKN-Züge über eine hohe Beschleunigung und erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h. Die Bahnen sind jeweils mit vier Türen ausgestattet und ermöglichen somit ein schnelles Ein- und Aussteigen. Großer Wert wird auf eine komfortable Ausstattung der klimatisierten Züge gelegt. Sie erfüllen die Anforderungen für mobilitätseingeschränkte Reisende (Rollstuhlplätze, Sprechstellen, Einstiegshilfen). In den sogenannten Mehrzweckbereichen ist jeweils Platz für bis zu fünf Fahrräder. Gurte zum Festzurren sind vorhanden.

 Die Züge sind damit deutlich geräumiger und komfortabler als die aktuellen nicht-klimatisierten Triebwagen der AKN. Darüber hinaus sind die Neulinge mit einem Fahrgastinformationssystem ausgerüstet, mit der Möglichkeit der Echtzeitdatenübertragung und Anzeige über Fahrgastmonitore. Zur Steigerung der Sicherheit der Fahrgäste sind die Züge zudem mit Überwachungskameras ausgestattet. „Wir gehen davon aus, dass in den kommenden Jahren mehr und mehr Menschen mit dem Zug in die Metropolregion Hamburg fahren werden. Mit den neuen Zügen bieten wir mehr Platz für diese erhöhten Nachfragezuwächse. Außerdem fahren sie deutlich ruhiger als die alten Triebwagen, die ausgemustert werden“, hatte AKN-Vorstand Wolfgang Seyb bei der Präsentation des ersten in Kaltenkirchen eingetroffenen LINT 54 erklärt. Mit knapp 180 Sitz- und rund 170 Stehplätzen haben sie deutlich mehr Platz als die nur 30 Meter langen VTE-Triebwagen (88 Sitzplätze, rund 100 Stehplätze).

 Die AKN hat bereits Erfahrungen mit den LINT-Triebwagen. Sie verkehren auf der Nordbahnlinie von Neumünster über Bad Segeberg nach Bad Oldesloe, die ebenfalls von der AKN betrieben wird.

 Allerdings wurden in die neuen Züge bislang keine Toiletten eingebaut. Das haben unter anderem Seniorenverbände kritisiert. Die AKN-Eisenbahngesellschaft entschied sich dennoch nicht um. Die Züge seien mit S-Bahnen zu vergleichen, die auch nicht mit WCs ausgestattet sind, argumentiert das Unternehmen. Zudem würden die Fahrgäste die AKN nur für relativ kurze Strecken nutzen. Der Einbau von Toiletten hätte neben höheren Kosten auch den Verzicht auf etliche Sitzplätze bedeutet. Und da die AKN, deren Züge auf der Linie A1 täglich durchschnittlich 11000 Fahrgäste transportieren, mit einem Zuwachs an Pendlern rechnet, sei jeder Sitzplatz wichtig. Allerdings sind die neuen AKN-Bahnen so konstruiert, dass Toiletten nachgerüstet werden können.

 Sollte der Gleisabschnitt zwischen Kaltenkirchen und Hamburg - wie vom Land Schleswig-Holstein und der Hansestadt Hamburg geplant - ab 2020 mit elektrischen S-Bahnen betrieben werden, könnten dort die dieselbetriebenen LINT-54-Züge nicht mehr rollen. Sie würden dann auf dem nicht elektrifizierten A1-Abschnitt Kaltenkirchen - Neumünster sowie auf den AKN-Linien A2 (Ulzburg-Süd - Norderstedt-Mitte) und A3 (Ulzburg-Süd - Elmshorn) verkehren.

 Mit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember werden die neuen AKN-Züge eingesetzt. Schon seit Ende August finden Testfahrten auf der Linie A1 sowie hin und wieder auf der A3 statt. Informationen zu den LINT 54 hat die AKN in einem Faltblatt zusammengestellt, das in den Servicestellen in Quickborn und Kaltenkirchen sowie bei den Vertriebspartnern (Tui-Reisebüro in Bad Bramstedt und Reisebüro Holiday-Land in Henstedt-Ulzburg) erhältlich und auch per Internet aufrufbar ist. Zudem ist geht ein AKN-Service-Team auf Info-Tour. Stationen sind unter anderem in:

 Kaltenkirchen: Freitag, 2. Oktober, Holstenplatz, 10-15 Uhr

 Bad Bramstedt: Sonnabend, 10. Oktober, Wochenmarkt, 7-13 Uhr

 Ellerau: Freitag, 16. Oktober, Wochenmarkt, 14-18 Uhr

 Großenaspe: Dienstag, 20. Oktober, Edeka-Markt Timm, 10-15 Uhr

 Henstedt-Ulzburg: Donnerstag, 22. Oktober, Wochenmarkt Ulzburg, 8-12 Uhr; Wochenmarkt Henstedt-Rhen, 13-18 Uhr

 Boostedt: Dienstag, 27. Oktober, Edeka-Markt, 10-15 Uhr

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Ein Artikel von
Michael Zwicker

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