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Schwangere soll ausreisen

Abschiebung Schwangere soll ausreisen

Edi Freytag (41) ist untröstlich und aufgebracht, seine schwangere Freundin Uka Shkurte (28) aus Henstedt-Ulzburg weint nur noch: Sie haben vom Kreisausländeramt in Bad Segeberg erfahren, dass die Frau zurück in den Kosovo müsse. Dort drohe ihr aber Gefahr vom Ex-Ehemann.

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Edi Freytag kämpft dafür, dass seine schwangere Freundin Uka Shkurte nicht in den Kosovo ausgewiesen wird. Dort drohe ihr Gefahr vom Ex-Ehemann.

Quelle: Gerrit Sponholz

Kreis Segeberg. Die Behörde sagt zum Einzelfall nichts. Nur soviel generell: Nach Bundesrecht gelte Kosovo als ein sicheres Herkunftsland.

 Edi Freytag, der in Hamburg lebt, ist empört: „Die Behörde hat dann zwei Menschenleben auf dem Gewissen“, das der Frau und des werdenden Kindes. Denn im Kosovo sei seine Partnerin nicht sicher, sagt Freytag, der selbst von dort stammt, aber seit 24 Jahren in Deutschland lebt und die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt. Der Ex-Mann seiner Freundin habe sie im Kosovo bedroht. Uka Shkurte sagt, ihre früheren zwei Fehlgeburten würden auf Schläge von ihm zurückgehen.

 Nach Angaben von Edi Freytag war Uka Shkurte vor zwei Jahren nach Deutschland geflohen, hatte zuletzt in Henstedt-Ulzburg gelebt. Ihr Aufenthalt in Deutschland sei derzeit geduldet, belegt Edi Freytag mit einem amtlichen Ausweisdokument seiner Freundin. Schriftlich belegt er auch, dass es sich um eine Schwangerschaft handelt, eine Risikoschwangerschaft, wie er hinzufügt. Außerdem sei Uka Shkurte wegen der traumatischen Erlebnisse in psychologischer Behandlung.

 Rolf Meenen, Leiter der Kreisausländerbehörde, möchte zu dem Fall nicht Stellung nehmen. Details seien ihm nicht bekannt. Außerdem gelte der Datenschutz.

 Generell sei es aber so, dass die Bundesregierung die Behörden verpflichtet habe, den Aufenthalt jener zugewanderten Geflüchteten in Deutschland zu beenden, die aus sicheren Herkunftsländern zugereist seien. Dazu zähle seit 2015 auch das Kosovo. Während der Maßnahme sei eine ärztliche Begleitung sichergestellt. Eine Schwangerschaft sei vom Prinzip her kein Hinderungsgrund für die Erzwingung einer Ausreise.

 Die meisten der Ausgewiesenen würden freiwillig die Rückreise antreten, sagt Meenen. Er schätzte die Quote auf 85 Prozent. Denn in diesem Fall sei für den Betroffenen eine Wiedereinreise nach Deutschland durchaus möglich, etwa über ein Arbeitsvisum.

 Rechtsanwalt Stefan Knief aus Hamburg vertritt Uka Shkurte und wundert sich über das Verhalten der Segeberger Ausländerbehörde. Der Asylantrag sei zwar abgelehnt worden, eine Abschiebung aber unverhältnismäßig. Es handele sich um eine Risikoschwangerschaft. Dennoch habe ein Kreismitarbeiter vom Schreibtisch aus die Frau für reisefähig erklärt. Ohne eine amtsärztliche Untersuchung anzufordern.

 Außerdem würde das Kind, wenn es in drei Monaten in Deutschland geboren würde, automatisch Deutsche. Die Mutter erhielte damit ein Recht auf Aufenthaltserlaubnis. Knief überlegt jetzt, einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht zu stellen.

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Ein Artikel von
Gerrit Sponholz
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