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Kurhaus als Blickfang

Alt-Segeberger Bürgerhaus Kurhaus als Blickfang

Bad Segeberg hat sein Kurhaus zurück – zumindest im Museum. Mit dem Modell aus der Werkstatt des Schleswiger Modellbauers Jürgen Kuntze ist der Aufbau der Stadtgeschichte im „Alt-Segeberger Bürgerhaus“ abgeschlossen. Das Museum im ältesten Haus der Stadt geht in diesem Jahr in seine fünfte Saison.

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Mit der Präsentation des Modells vom Kurhaus aus der Werkstatt des Schleswiger Modellbauers Jürgen Kuntze (links) ist der Aufbau der Stadtgeschichte im „Alt-Segeberger Bürgerhaus“ abgeschlossen. Zusammen mit dem ehemaligen Oberkellner des Kurhauses, Geert Lewering (79), stellte er das einst prächtige Gebäude vor.

Quelle: Gisela Krohn

Bad Segeberg. Museumleiter Nils Hinrichsen hat für viele interessante Neuerungen gesorgt, unter anderem gibt es eine kleine Extra-Ausstellung mit historischen Kleidern und die Rekonstruktion einer Kochstelle. Der absolute Blickfang ist aber das maßstabgerechte Kurhaus, dessen Abriss 1968 viele Einwohner der Stadt bis heute bedauern. „Es ragt ein stolzes Schloß auf sonn’ger Höh’“, dichtete einst ein Kurgast. „Wie prächtig das Kurhaus einmal war, können Besucher im Museum nun wieder eindrucksvoll erfahren“, freut sich Historiker Hinrichsen. „Es gab keine Baupläne oder Konstruktionszeichnungen, doch Jürgen Kuntze gehört zu den wenigen Fachleuten, die so ein Modell auch anhand von Fotos erstellen können.“

 Zur Eröffnung der neuen Ausstellung kamen viele Gäste, die so auch spannende Geschichten eines Zeitzeugen hören konnten. Der ehemalige Oberkellner des Kurhauses, Geert Lewering (79), erzählte von den letzten Jahren des einst so stolzen Baus. So erinnert er sich noch gut daran, dass das Gebäude am Ende doch sehr heruntergekommen war. Reparaturen wurden, wenn überhaupt, nur notdürftig gemacht. So war des Dach seit den 1940er Jahren nur mit Dachpappe geflickt, und es fehlten auch die beiden kleinen Türme, die mal auf der Seeseite des großen Komplexes angebracht waren.

 „Im ehemaligen Badehaus hausten wegen des schlechten Zustands sehr viele Ratten“, schildert Geert Lewering. „Die Rohrleitungen lagen alle brach.“ Er habe den Lehrlingen eine Cola spendiert, wenn sie eine Ratte mit dem Luftgewehr erwischten. „Das war eine schlimme Zeit.“ Für die Museums-Präsentation hatte er auch das Original-Geschirr des Kurhauses zur Verfügung gestellt.

 Weitere Erinnerungsstücke hat der Bad Segeberger Hans-Werner Baurycza beigesteuert. In einer Vitrine sind die „Relikte aus dem einstigen Segeberger Schloss“ zu bestaunen. Auch in einigen weiteren Räumen des Museums gibt es neue Einbauten und Inszenierungen: Auf dem Stadtmodell „Segeberg um 1600“ kann die Siegesburg nun per Knopfdruck „in Brand gesteckt“ werden – was das Feuer von 1644 verdeutlicht. Zum Glück sind es aber nur rote Lichteffekte, die jetzt an der Burg wie Flammen „lodern“.

 Auch besitzt das Bürgerhaus an der Lübecker Straße, dessen Ursprünge aus der Zeit nach dem Stadtbrand von 1534 stammen, nun wieder seine zweite Feuerstelle, die seit 1814 zum Haus gehörte. Seit 1963 war sie nach Umbauarbeiten nicht mehr vorhanden gewesen. Im vorderen Teil des Museums ist die Ausstellung „Kleider mach(t)en Bürgersleut’“ noch bis zum 29. Mai zu sehen. Maren Jöns, Gewandmeisterin aus Bad Segeberg und am Stadttheater Lübeck angestellt, näht mit akribischer Sorgfalt historische Kleider, wobei sie darauf achtet, möglichst authentische Materialien zu verwenden – sofern sie heute noch zu bekommen sind. Vorbilder für die Gewänder sind originale Exponate aus großen Museen wie dem New Yorker Metropolitan-Museum of Art oder aus dem Modemuseum Schloss Ludwigsburg.

 Gerade in diesen Teil des Bürgerhauses, nämlich in die Wohnung von 1814, passen die ausgewählten Kleider chronologisch stimmig in die Dauerausstellung. „Denn es sind authentische Rekonstruktionen aus der Zeit des Empire, wie sie vielleicht auch Segeberger Bürgerinnen trugen, die „etwas auf sich hielten“, schildert Hinrichsen.

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