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Millionenzuschuss für „WortOrt“

Alte Sparkasse Millionenzuschuss für „WortOrt“

Aus dem Heinrich-Wickel-Haus in Bad Segeberg soll ein einladender „WortOrt“ werden – und das lassen sich Stadt und Bund einiges kosten. Der Förderantrag über 1,74 Millionen Euro fand Gehör, und die Kommune erhält aus einem Fördertopf des Bundesumweltministeriums 1,6 Millionen Euro.

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Im Heinrich-Wickel-Haus sind heute unter anderem Stadtbücherei, Tourist-Information und Stadtarchiv untergebracht.

Quelle: Peter Zastrow

Bad Segeberg. Das Geld wird im Jahr 2018 an die Stadt Bad Segeberg ausgeschüttet. Dann soll sich das Heinrich-Wickel-Haus (auch als „Alte Sparkasse“ bekannt) in das „Stadtinfo-Haus – der WortOrt“ verwandeln. Das Ziel ist, daraus einen Platz der Begegnung und Kommunikation zu machen.

 Dort in der Oldesloer Straße 20 befinden sich schon jetzt die Stadtbücherei, die städtische Tourist-Information, das Stadtarchiv und einige Büros. Das Gebäude soll energetisch saniert und um einen Anbau mit Bühne, Bistro, Info-Bereich und Lesesaal ergänzt werden. Statt des jetzigen Parkplatzes zwischen dem neuen Sparkassengebäude und der Bücherei soll es einen offenen Ort zum Verweilen mit Sitzgelegenheiten, Pflanzen, Steinen und Wasser geben.

 Die Pläne gehen auf das im Jahr 2010 entwickelte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) zurück. Darin war für Bad Segeberg ein Mangel an Treffpunkten zur Stärkung des sozialen Miteinanders festgestellt worden. Das Heinrich-Wickel-Haus erschien im Bauamt als genau das richtige Objekt, um dort mit umfangreichen Um- und Erweiterungsbauten anzusetzen.

 Das repräsentative Gebäude an der Oldesloer Straße hatte der in Segeberg geborene Solbad-Gründer Heinrich Wickel im Jahr 1875 von seinem Vater erworben. Wickel hatte in Finnland durch eine Wein- und Delikatessenhandlung ein Vermögen gemacht. Durch familiäre Schicksalsschläge tief getroffen, zog er sich aus seinem Geschäft in Helsinki zurück und kam im Frühjahr 1883 als Witwer nach Segeberg, um in aller Bequemlichkeit seinen Lebensabend zu verbringen.

 Als Wickel jedoch erfuhr, dass die Stadt weder das Geld hatte noch das Risiko eingehen wollte, die unter dem Kalkberg liegende Salzsole für ein Kurbad zu fördern und zu verwenden, griff er zu. Er sicherte sich beim Bergamt die Sole und richtete in seinem Privathaus an der Oldesloer Straße eine Badeabteilung ein.

 Am 18. Juni 1884 konnten hier die ersten Kurbäder genommen werden. Zunächst waren es noch Seesalzbäder, da die Genehmigung zur Entnahme von Sole am Kalkberg noch nicht vorlag. Von der Eröffnung des Badehauses berichtete das Segeberger Kreis- und Wochenblatt am 19. Juni 1884: „Durch eigene Anschauung haben wir uns von der soliden und praktischen Einrichtung des von dem Herrn H. Wickel eingerichteten Solbades überzeugt, und können dasselbe bestens dem Publikum empfehlen. Es war auch heute Morgen der Andrang der Badegäste so reichlich, dass die vorhandenen Wannen kaum ausreichten.“

 Schließlich erteilte der Preußische Staat als Eigentümer des Kalkbergs Heinrich Wickel die Genehmigung, ab 1. Juli 1884 die Sole für Bäderzwecke zu nutzen. Darüber berichtete das Segeberger Kreis- und Wochenblatt am 2. Juli 1884: „Am gestrigen Nachmittag wurde die erste dem Schoße des Berges entnommene Sole auf einem festlich geschmückten Wagen dem Badehause zugeführt. Die Häuser in der Oldesloer Straße hatten geflaggt und aus mehreren derselben wurde das Fuhrwerk mit Blumenspenden begrüßt, ein recht erfreuliches Zeichen davon, welch lebhaften Anteil die größte Zahl der Segeberger Bürger davon nimmt, dass das von dem Herrn Wickel projektierte Solbad gebaut wird. Es haben sich bereits verschiedene Sieche eingefunden, welche durch eine vorschriftsmäßige Badekur Heilung von ihrem Leiden suchen wollen.“

 Als das Kurhaus samt Badehaus am Großen Segeberger See zu Pfingsten 1885 fertiggestellt war, hatte Wickel sein Haus wieder für sich. Doch im selben Sommer zog sich Heinrich Wickel wieder nach Finnland zurück. Sein Haus in Segeberg übernahmen seine Brüder, die es an einen Weinhändler namens Saß weitergaben.

 1934 kaufte die „Spar- und Leihkasse der Stadt Segeberg“ das Gebäude von Saß aus einer Zwangsversteigerung. Am 1. Juli 1938 fusionierte die „Spar- und Leihkasse der Stadt Segeberg“ mit anderen Sparkassen des Kreises Segeberg zur Sparkasse des Kreises Segeberg.

 Der wirtschaftliche Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg machte für die Kreissparkasse notwendig, in den 1960er Jahren verschiedene Um- und Anbauten vorzunehmen. So wurde der Eingangsbereich grundlegend umgestaltet und der Anbau, in dem sich heute die Bücherei befindet, hochgezogen. 1982 konnte die Kreissparkasse ihre heutige Zentrale auf dem Gelände des ehemaligen Hotels Germania beziehen. Die Stadt Bad Segeberg kaufte die nun freie Immobilie in der Oldesloer Straße 20 und brachte hier die Stadtbücherei, die Tourist-Information und das Stadtarchiv unter. Auch ein Kindergarten ist dort zu Hause.

Von Michael Stamp und Peter Zastrow

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KN-online (Kieler Nachrichten)

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