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Ticktack im Kirchenturm

Uhren-Restaurierung in Bad Bramstedt Ticktack im Kirchenturm

Manche finden eingestaubte Möbel, Bücher oder Geigen auf ihrem Dachboden. In der Maria-Magdalenen-Kirche schlummert ein über 100 Jahre altes Uhrwerk, das der Vorsitzende des kirchlichen Bauausschusses, Stefan Dörksen, nun wieder zum Laufen bringen will. Da ohnehin die Kirche saniert wird, ist die Zeit günstig, das mechanische Kunstwerk wieder an Ort und Stelle zu befördern.

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1903 wurde das Uhrwerk der Bad Bramstedter Kirche im Harz hergestellt. Stefan Dörksen möchte die vielen Zahnräder wieder in Gang setzen.

Quelle: Einar Behn

Bad Bramstedt. Auf dem gusseisernen Rahmen des Unikats prangt gut sichtbar das Herstellungsjahr: 1903. Das Unternehmen J.F. Weule aus Bockenem hatte das Uhrwerk produziert. Die im 19. Jahrhundert in der Stadt im Harz gegründete Firma war nicht irgendein Uhrmacher, sondern ein weltweit anerkannter Spezialist für Kirchenuhren, -glocken und Glockenspiele. 1953 ging es allerdings Konkurs. Damals kamen die elektrisch betriebenen Uhrwerke auf, die viel praktischer waren. Der Küster musste nicht mehr wöchentlich in den Turm steigen und mit einer großen Kurbel das Uhrwerk aufziehen.

 In dieser Zeit wurde auch das Uhrwerk in der Maria-Magdalenen-Kirche gegen ein elektrisches ausgetauscht. „Wann genau das war, wissen wir nicht“, sagt Stefan Dörksen, der für den Gemeinderat die seit Herbst 2014 laufende Kirchensanierung betreut. Die Seilzüge wurden abmontiert, das Wunderwerk deutscher Mechanikerkunst unbeachtet in eine Kammer im Turm gestellt.

 Dort blieb das aus einer Vielzahl von Zahnrädern und Wellen bestehende Uhrwerk bis 1990. Bei der damaligen Kirchensanierung wurde es dann auf eine Plattform im Turm gestellt. Wer die Kirche betritt und den Blick nach oben richtet, kann es hinter einem Geländer sehen. Doch kaum jemand nimmt davon Notiz.

 Stefan Dörksen ist beseelt von der Idee, die alte Mechanik wieder zum Laufen zu bringen. „Alles dreht sich noch leichtgängig, nichts ist verschlissen“ – der Berufsschullehrer und gelernte Schlosser ist fasziniert von der Qualität und Hingabe, mit der damals produziert wurde. Er dreht an einem Zahnrad und schon macht es „ticktack“.

 Dörksen will das alte Uhrwerk wieder in die Kammer im Turm zurückbringen, wo es früher gearbeitet hat. Dort sollen auch wieder die Gewichte und das bleischwere Pendel angehängt werden. „Früher stand unter den Gewichten eine Sandkiste“, weiß Dörksen. Sollte ein Gewicht einmal abfallen, durchschlägt es nicht gleich die Dielenbretter. Auch die Sandkiste soll wieder in der Turmkammer aufgestellt werden, denn Dörksen will das Uhrwerk zum Laufen bringen. „Ich habe auch schon Kontakt zu einem Preetzer Restaurator aufgenommen“, erzählt er. Bei Kirchenführungen könnte das Uhrwerk in Gang gesetzt werden, sodass die Besucher eine Vorstellung von der Funktionsweise bekämen.

 Ganz einfach wird das nicht. Das Uhrwerk muss zunächst die schmale zur Empore führende Treppe heruntergetragen werden – bei geschätzten 400 Kilo, ein wahrer Kraftakt. Dann soll die Dachdeckerei Gerke das Uhrwerk mit einem Kran in die Turmkammer hieven. Das Dach wird wegen der Sanierung dann abgedeckt sein, sodass die Kammer von außen zugänglich wird.

 Möglich wäre es auch, die drei Turmuhren und Glocken wieder mit dem alten Werk anzutreiben. Das Aufziehen könnte ein Elektromotor übernehmen. In einigen anderen Kirchen liefen die mechanischen Uhrwerke auf diese Weise noch, weiß Dörksen. In der Maria-Magdalenen-Kirche sei das aber zurzeit nicht geplant.

 Kirchenführungen soll es nach der Sanierung regelmäßig geben. Auf dem Dachboden wurde auch das Zubehör für den früheren Altaraufsatz gefunden, der im Gemeindehaus Schlüskamp steht. Er war in den 1950er Jahren gegen den jetzigen ausgetauscht worden. Dörksen könnte sich vorstellen, den alten Altar auf dem Dachboden auszustellen, genau über der Stelle, auf der im Gottesdienstraum ebenfalls der Altar steht. Besucher könnten sich so einen Überblick über die Wandlungen der Kirche verschaffen.

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