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Deckenquast und Deutschstunde

BBZ Bad Segeberg Deckenquast und Deutschstunde

Handwerken und dabei Deutsch lernen – nach diesem Prinzip hat das Berufsbildungszentrum (BBZ) Bad Segeberg zwei neue DAZ-Klassen (Deutsch als Zweitsprache) mit insgesamt 38 jungen Asylbewerbern gebildet. Die 35 Männer und drei Frauen stammen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan.

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Raid Seror (17, links) kam allein aus Syrien, Mustafa Alali (16) aus dem Irak. Beide freuen sich sehr, dass sie in die Schule gehen können.

Quelle: patricia könig

Kreis Segeberg. Damit die Flüchtlinge im Alter von 16 bis 25 Jahre noch einfacher die hiesige Sprache erlernen, besuchen sie am BBZ nicht nur 16 Stunden pro Woche Deutschunterricht, sondern auch 15 Stunden die schuleigenen praktischen Ausbildungsbereiche. Dort arbeiten und lernen sie in den Maler-, Holz- und Metallwerkstätten, im E-Technik-Labor und in der Küche der Abteilung für Nahrungszubereitung.

 „Die jungen Erwachsenen sind sehr wissbegierig und sogar etwas übermotiviert“, erklären der Abteilungsleiter für Berufsfortbildung Fatih Sengenc und BBZ-Leiter Heinz Sandbrink. Doch ganz gleich, in welche Ausbildungsrichtung die Männer und Frauen später tendieren, dafür müssen sie gut Deutsch sprechen und es verstehen können. Anstreben können sie am BBZ auch den Hauptschulabschluss.

 Unter den 38 Flüchtlingen sprechen derzeit nur wenige etwas Deutsch, noch weniger Englisch. Deswegen sei auch der ursprüngliche Plan, die jungen Asylbewerber in die Normalklassen zu integrieren, nicht umsetzbar gewesen, berichtet Sandbrink.

 Zwölf Lehrkräfte des BBZ unterrichten in den DAZ-Klassen abwechselnd. Meist stehen sie zu zweit vor der Klasse. „Für manche Bereiche müssen wir externe Dozenten der Volkshochschule beschäftigen“, sagt Sandbrink. Während Lehrer Sengenc und seine Kollegin Selda Mehenkli einen türkischen Migrationshintergrund haben und sich zumindest mit einigen der Schüler verständigen können, die vom Türkischen ins Arabische übersetzen, arbeiten die anderen so, wie Timo Merkel es ausdrückt: „Mit Händen und Füßen.“

 Am Donnerstag war Opferfest – ein hoher Feiertag der Muslime. Deswegen waren nicht alle Schüler zum ersten Unterrichtstag erschienen. Fachpraxislehrer Merkel unterrichtete sieben junge Männer erstmals in Elektrotechnik. „Wir haben damit angefangen, Werkzeuge wie Zange und Lötkolben und Material wie Draht zu benennen und als Vokabeln an die Tafel geschrieben.“ Keiner der jungen Schüler spricht Deutsch.

 Raid Seror (17) war allein aus Syrien geflohen und kam vor zwei Monaten nach Deutschland. Mustafa Alali (16) entkam mit seinem Cousin vor einem Monat den Wirren im Irak. Während Raid in Klein Rönnau wohnt, muss Mustafa aus Hartenholm anreisen. „Ein Problem, das wir lösen müssen“, meint Schulleiter Sandbrink. Die Fahrtkosten für den Bus zur Schule müssten die Flüchtlinge selbst bezahlen. Im Moment springt noch der Förderverein des BBZ ein, aber langfristig müsse man sich für die, die eine weite Anfahrt wie aus Bornhöved, Trappenkamp und Hartenholm haben, etwas anderes einfallen lassen.

 Im Nebenraum hat es Ole Püschmann etwas leichter. Seine Klasse besteht aus jungen Männern, die schon gut Deutsch beherrschen, auf A2-Niveau. Das entspricht der zweiten von sechs Leistungsstufen. Der Fachpraxislehrer für die Maler hat zunächst dafür gesorgt, dass alle Männer Arbeitsanzüge tragen. Danach stand das Kennenlernen der Malerwerkzeuge wie japanischer Spachtel, Stoßspachtel und Deckenquast auf dem Stundenplan. „Mein Ziel ist, dass die Schüler eine Raufasertapete an die Wand tapezieren können, sie mit Farbe lackieren und mit einer Bordüre bekleben, in die sie etwas in ihrer Landessprache hinein malen“, sagt Püschmann.

 „Dabei lernen die jungen Männer noch besser Deutsch und haben die Chance, in eine herkömmliche Klasse einzusteigen und dort einen Schulabschluss zu erreichen“, sagt Annette Andresen, die auch in DAZ-Klassen unterrichtet.

 Zur Zeit arbeitet die Schule schon an einem neuen Projekt. Schülerpatenschaften sind im Aufbau, sagt BBZ-Leiter Sandbrink. „Es haben sich 70 Schüler gemeldet, die als Flüchtlingsbegleiter quasi als Paten den Asylbewerbern im Schulalltag und beim Deutsch lernen helfen wollen.“

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