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Debatte um Waldgrundstücke

Am Ihlwald Debatte um Waldgrundstücke

Die Stadtvertretung sprach sich mehrheitlich dafür aus, zwei Grundstücke am Waldweg in Bad Segeberg in Bauland umzuwandeln. Eines darf von einem Privatmann bebaut werden, das zweite gehört der Stadt und wird auf die Liste der entbehrlichen Grundstücke aufgenommen. Damit darf die Kommune es verkaufen.

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Das Gelände am Waldweg in Bad Segeberg gilt als äußerst sensibel. Die Stadt will ein eigenes Areal in dem idyllischen Gebiet teuer verkaufen.

Quelle: Sönke Ehlers

Bad Segeberg. Der Entscheidung ging im Bürgersaal des Rathauses allerdings eine kontroverse Diskussion voraus. Hintergrund ist, dass Anwohner Peter Stoltenberg sein für heutige Verhältnisse sehr kleines Haus abreißen und einen etwas größeren Neubau errichten möchte. Dagegen sprach, dass der Bau den vorgeschriebenen 30-Meter-Abstand zum Waldrand nicht einhalten kann – kein Wunder: Er liegt ja mittendrin. Daher musste der Wald rechtlich „umgewandelt“ werden.

 Die Stadt sah dabei die Möglichkeit, ihr eigenes Brachgelände gleich nebenan eleganterweise mit umzuwandeln. Dann lässt sich das idyllisch gelegene Areal teuer verkaufen. Während CDU, SPD und FDP diese Pläne unterstützten, protestierten Freie Wählergemeinschaft BBS, Grüne und die Unabhängige dagegen.

 „Es hat sehr viel Aufruhr in der Stadt gegeben – um ein bescheiden großes Grundstück“, befand Fraktionschef Joachim Wilken-Kebeck (SPD). „In unserem Nachbarland Mecklenburg-Vorpommern wäre das Grundstück kein Wald. Da müsste es dreimal so groß sein.“ Der Waldweg heiße so, weil die Straße vor Jahrzehnten in einen Wald hineingebaut wurde, aber heutzutage beginne der eigentliche Ihlwald doch ein kleines Stück entfernt, erklärte Wilken-Kebeck und räumte weitere Bedenken aus: „Die Bebauung trägt auch nicht dazu bei, dass Fledermäuse in ihrem Flugverhalten beeinträchtigt werden.“

 Ähnlich beurteilt CDU-Fraktionsvorsitzender Norbert Reher die Angelegenheit. „Das ist eine völlig überzogene Grundsatzdiskussion geworden. Da sind nur aus Versehen in einen Bebauungsplan ein paar Bäume ’reingewachsen.“ Bürgervorsteherin Ingrid Altner, die ebenfalls zur Fraktion der Christdemokraten gehört, wies darauf hin, dass für das Bauland an anderer Stelle Ausgleichsflächen geschaffen werden, die dreimal so groß sein müssen.

 Damit wollte sich Annelie Eick, Fraktionsvorsitzende der Grünen, nicht abfinden. „Ausgleichsflächen – wenn ich das schon höre! Die sind doch meist auch schon jetzt begrünt.“ Am Ihlsee handele es sich um eine Waldfläche. Darüber müsse man nicht diskutieren.

 Thomas Krüger (Die Unabhängige) erinnerte süffisant daran, dass der bauwillige Anwohner am Waldweg ausgerechnet der frühere Landeschef der Grünen ist. „Wo bleibt heutzutage eigentlich die Natur? Was ist wichtiger – ein Naturgebiet, in dem man sich erholen kann, oder ein einzelnes Haus? Mich interessiert nicht die Villa eines einzelnen Menschen, noch dazu eines Grünen!“

 Entschieden gegen die Pläne war auch Torsten Bohlmann, Vorsitzender der BBS-Fraktion. „Was in Mecklenburg-Vorpommern gilt, ist für mich nicht relevant.“ Wenn die Stadt wirklich auf 20000 Einwohner anwachsen möchte, dann brauche sie ein funktionierendes Naherholungsgebiet. „Die Entscheidung kann zu einem Dominoeffekt führen“, warnte Bohlmann vor weiteren Begehrlichkeiten, was Bauvorhaben angeht. Der Anwohner könne seinen Neubau doch auf dem vorhandenen Fundament errichten – dann müsse kein Wald umgewandelt werden. Bohlmann begrüßte es, dass die Diskussion öffentlich und nicht hinter verschlossenen Türen geführt wurde. Auch darüber hatte es vor einigen Wochen einen Disput gegeben.

 Am Ende ging die Aufnahme des städtischen Geländes auf die Liste der entbehrlichen Grundstücke mit deutlicher Mehrheit über die Bühne (17 Ja-Stimmen, 10 Gegenstimmen, keine Enthaltung). Bei der Waldumwandlung verschoben sich die Stimmen nur leicht (16 Ja-Stimmen, 10 Gegenstimmen, eine Enthaltung).

 Sollte die Forstbehörde der Waldumwandlung zustimmen, müssen sämtliche Bäume auf dem Gelände gerodet werden. So ist es gesetzlich vorgesehen. Bis zu dieser Entscheidung können aber noch einige Monate ins Land gehen.

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