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Angeklagter bestreitet sexuellen Missbrauch

Flüchtlingsheim Angeklagter bestreitet sexuellen Missbrauch

Prozessauftakt um schweren sexuellen Kindesmissbrauch in der Landesunterkunft in Boostedt (Kreis Segeberg): Ein 22-jähriger Flüchtling aus Afghanistan soll sich Ende März in einer Toilettenkabine an einem vierjährigen Jungen aus dem Irak vergangen haben.

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Ein 22-jähriger Flüchtling aus Afghanistan soll sich Ende März in einer Toilettenkabine der Erstaufnahmeeinrichtung an einem vierjährigen Jungen aus dem Irak vergangen haben.

Quelle: Sven Detlefsen (Archiv)

Kiel/Boostedt. Sein Landsmann (29) leistete laut Anklage Beihilfe, indem er den achtjährigen Bruder des Opfers mit einem Messer bedrohte. Im Kieler Landgericht wies der Hauptangeklagte am Dienstag den Vorwurf zurück. Sein mutmaßlicher Komplize schweigt. Beide sitzen seit mehr als fünf Monaten in Untersuchungshaft.

Den türkischen Sicherheitskräften, die am Tattag gegen 21.45 Uhr wegen einer Schlägerei in eines der Wohngebäude gerufen wurden, bot sich ein chaotisches Bild: 20 bis 30 Personen gingen im Eingangsbereich aufeinander los, berichtete gestern der Security-Einsatzleiter (29). Man habe die Polizei alarmiert und dann erst über Dolmetscher den Grund des Streites erfahren.

Demnach erklärte der Vater des Jungen „sehr aufgebracht“, der Angeklagte habe den Vierjährigen in einer Toilettenkabine des 1. Obergeschosses zu sexuellen Handlungen gezwungen. Als der achtjährige Bruder des Opfers hinzukam, sei dieser von dem anderen Mann weggeschubst und mit einem Messer bedroht worden. Der Einsatzleiter sagte, er habe den „Haupttäter“ mit offenem Hosenstall angetroffen. Dies könnten seine Kollegen bestätigen.

Die Anklage von Staatsanwältin Barbara Gradl-Matusek folgt den Aussagen der Kinder und ihres Vaters, der vom Älteren zu Hilfe geholt worden sei. Am Tatort habe der Vater bei einem Blick unter den breiten Spalt der Klotür die Füße seines Sohnes und die eines Mannes erkannt – beide mit heruntergelassenen Hosen. Der Vater soll gegen die Tür geschlagen haben, der Täter geflüchtet sein.

Keine Erklärung

Gestützt wird der Missbrauchsvorwurf von einem DNA-Gutachten. Ein Abstrich vom Penis des Hauptangeklagten weist Spuren auf, die mit hoher Wahrscheinlichkeit von dem Vierjährigen stammen. „Haben sie eine Erklärung dafür?“ fragt der Vorsitzende der Jugendstrafkammer, Stefan Becker. Der 22-Jährige verneint. Nach eigener Aussage will er dem Jungen nur beim Toilettengang geholfen haben. Er selbst habe sich gerade die Hände gewaschen, als der Kleine mit bereits herabgelassener Hose hilflos vor der Klotür gestanden sei. Die Klinke sei ihm zu hoch gewesen. „Das Kind hat mich um Hilfe gebeten“, behauptet der Angeklagte. Daraufhin habe er ihm die Tür geöffnet und es auf das Becken gesetzt. Das ganze habe etwa eine Minute gedauert.

Im Erdgeschoss hätten ihn dann plötzlich 15 bis 16 Araber angegriffen. „Ich wusste nicht, worum es ging, ich habe nichts getan“, beteuert der Angeklagte vor Gericht. Als er mit den Vorwürfen konfrontiert wurde, habe er an einen Scherz gedacht. So eine Tat sei seiner Persönlichkeit fremd. Zuvor hatte sich der 22-Jährige dem Gericht als angeblich berühmter Künstler seines Heimatlandes vorgestellt: „Ich war ein Superstar, ein Sänger.“ Davon könne man sich auf youtube überzeugen. Der Einsatzleiter des Security hatte den Angeklagten dagegen wiederholt als „lautstark, aggressiv und alkoholisiert“ erlebt.

Der Verteidiger des Mitangeklagten beantragte die Aussetzung des Prozesses: Sein Mandant sei „im babylonischen Sprachgewirr“ nicht hinreichend über seine Rechte belehrt worden. Ein Urteil wird Mitte Oktober erwartet.

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