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Angst vor neuen Geschäften

Levo-Park Bad Segeberg Angst vor neuen Geschäften

Die geplante Ansiedlung von Einzelhandel im Levo-Park umtreibt Kaufmannschaft und Kommunalpolitik. „Von dem besonderen Charme und Flair unserer Innenstadt müssen wir dann endgültig Abschied nehmen“, schreiben Unternehmer Volker Albers und einige Kollegen in einem offenen Brief.

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Die weitere Entwicklung des Levo-Parks beschäftigt die Bad Segeberger Kommunalpolitik. Noch ist unklar, ob dort eine große Gewerbeansiedlung zugelassen werden soll.

Quelle: Michael Stamp

Bad Segeberg. Sorgen macht man sich auch in der Chef-Etage von Möbel Kraft. Unternehmer Ulrich Wachholtz, der das seit Ende 2008 verwaiste Gelände der früheren Lettow-Vorbeck-Kaserne erworben hat, will dort neben allerlei anderen Nutzungen auch 12000 Quadratmeter Einzelhandel ansiedeln; dazu kommen noch 800 Quadratmeter für einen Lebensmittelmarkt. Bislang sind Teile des 29 Hektar großen Kasernengeländes vorübergehend als Büros vermietet; die Unterbringung von Flüchtlingen auf einem Teilstück ist in Vorbereitung. Wie Geschäftsführer Sven Borchers zu Jahresbeginn sagte, können 13,7 Hektar vermarktet werden. Für knapp 10 Prozent davon werde eine Handelsnutzung angestrebt.

 Das Hamburger Gutachter-Büro Dr. Lademann & Partner hatte zusammengestellt, in welchem Maße verschiedene Sortimente nach Bad Segeberg gebracht werden können, ohne dem örtlichen Handel gefährlich zu werden. Dabei ergab sich folgende Liste: Elektrobedarf (1600 Quadratmeter), Einrichtung und Haushalt (1505), Babybedarf inklusive Spielwaren (900), Fahrrad und Camping (420), Gartenbedarf inklusive Pflanzen (1950), Kfz- und Motorrad-Zubehör (330), Sanitärwaren, Tapeten und Bodenbeläge (2400), Zoobedarf (470) und Möbel inklusive Matratzen (2600).

 Das Problem: Der Investor erwartet von der Stadt die Aufstellung eines Bebauungsplans – und die Stadt wiederum will von Wachholtz wissen, was denn künftig im Levo-Park verkauft werden soll. Dazu gibt das Unternehmen aber keine nähere Auskünfte – mit dem Hinweis, dass man erst die rechtlichen Grundlagen braucht, um mögliche Interessenten anzusprechen. „Man kann sich nicht schneller verbrennen, als wenn man etwas anbietet, das man hinterher nicht halten kann“, sagte Geschäftsführer Borchers schon im Januar. „Wir haben auch wirklich niemanden in der Hinterhand, auch wenn das viele glauben.“

 Im Rathaus rauchen unterdessen die Köpfe. „Wir müssen hier ein sehr schwieriges Gebiet überplanen“, sagt Bürgermeister Dieter Schönfeld. „Schwierig, weil die bisherigen Pläne nicht sehr konkret sind.“ Man könne einen B-Plan aus zwei Richtungen angehen: Entweder die Stadt macht eine so genannten Angebotsplanung und setzt allerlei Richtwerte fest, an die sich die Bauherren später zu halten haben. Das jedoch ist hier wenig sinnvoll, da der Investor in seiner planerischen Freiheit nicht eingeschränkt werden möchte.

 Oder aber die Stadt stellt für ein Gebiet einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan auf und passt ihn den Wünschen des Grundstückseigentümers an. Dafür muss sie aber genau wissen, der Investor plant. Diese Informationen fehlen jedoch. „Das, was sie mit dem Einzelhandel vorhaben, muss konkretisiert werden“, verlangt Stadtplanerin Ute Heldt. Bisher tappt die Stadt im Dunkeln.

 Zur Gewerbeansiedlung im Levo-Park muss aber nicht nur ein Bebauungsplan aufgestellt werden; es muss auch der bisherige Flächennutzungsplan geändert werden. Solch ein F-Plan bildet quasi die Grundlage für einen B-Plan und regelt unter anderem, welche Art von Nutzung ganz grob erlaubt sein soll – also beispielsweise Gewerbe, Wohnen oder etwas anderes.

 F-Plan-Änderungen müssen jedoch im Zweckverband Mittelzentrum beschlossen werden, in dem neben Bad Segeberg auch Wahlstedt, Fahrenkrug und Schackendorf zu je gleichen Anteilen vertreten sind. Die Wahlstedter haben schon mitgeteilt, dass sie die Gewerbeansiedlung im Levo-Park nicht unterstützen werden.

 Laut Bad Segebergs Bürgermeister Schönfeld ist es dabei zu einem Formfehler gekommen, weil die Wahlstedter Stadtvertretung ihre Delegierten im Zweckverband angewiesen habe, gegen das Projekt zu stimmen. „Solch ein gebundenes Mandat ist aber bei Sachentscheidungen nicht zulässig“, sagt Schönfeld. „Das geht nur bei Personal und Finanzen.“ Doch selbst wenn die Wahlstedter diese Weisung formal einkassieren – an der Ablehnung würde sich letztlich nichts ändern.

 Das weiß auch Schönfeld. Er ist gespannt, wie sich die anderen drei Zweckverbands-Orte positionieren, falls es in der Bad Segeberger Stadtvertretung eine Mehrheit für den Einzelhandel im Levo-Park gibt. „Eine Verhinderungspolitik wäre ein Problem für den Zweckverband“, erklärt Schönfeld. „Das muss man so klar sagen.“

 Der Bad Segeberger Rathaus-Chef sieht einen „Zielkonflikt“ zwischen den Wünschen des Investors Wachholtz und den etablierten Unternehmen. Schönfeld will die örtlichen Firmen zwar grundsätzlich schützen, warnt aber vor einer voreiligen Ablehnung. „Wenn in dieser Region eine Einzelhandelsfläche dieser Größenordnung entstehen darf, müssen wir uns die Chance bewahren, dass es bei uns ist“, sagt er. „In 30 oder 40 Kilometern Entfernung hätte sie für die Unternehmen denselben nachteiligen Effekt.“ Das habe sich durch die Einkaufscenter in Neumünster, Kaltenkirchen und Lübeck schon gezeigt. „Und bei uns besteht die Gefahr, dass aus dem Levo-Park eine Investitionswüste wird. Jeder Kommunalpolitiker muss aufpassen, dass er nicht zum Totengräber für diese Idee wird – aber auch, dass wir keinen Schnellschuss loslassen, der unser eigenes Gewerbe ruiniert.“

 Zwei Gutachten (für die Stadt und für Möbel Kraft) bescheinigen, dass die Levo-Park-Planungen für Bad Segeberg nicht verträglich sind. Das Gutachten des Investors sagt das Gegenteil aus: alles kein Problem. Daher ist es nach Schönfelds Meinung zwingend nötig, die gutachterliche Arbeit zu vertiefen und beispielsweise die Kaufkraftströme zu untersuchen. Auch muss nach Einschätzung von Stadtplanerin Ute Heldt das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) aus dem Jahr 2010 fortgeschrieben werden. Darin wird weiterer großflächiger Einzelhandel übrigens ausgeschlossen. Schönfeld: „Da ist noch eine Menge Arbeit notwendig.“

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