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Ist das ein „echter“ Knick?

Armstedt Ist das ein „echter“ Knick?

An einem Knick erhitzen sich in Armstedt einige Gemüter. „Wir möchten den Knick unbedingt erhalten“, stellt Ulla Kiepul klar. Aber die Planungen für das neue Baugebiet im Dorf sehen das wohl anders vor.

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Die Nachbarinnen Ulla Kiepul (links) und Evelyn Ott wollen in Armstedt einen Knick am Baugebiet erhalten.

Quelle: jann Roolfs

Armstedt. „Der Knick kommt weg“, habe ihr Armstedts Bürgermeisterin Maren Horstmann Ende Mai gesagt, erklärt Ulla Kiepul. Der Streit um den Knick spielt Am Würen, einem Baugebiet, das Armstedt in den 1990er Jahren erschloss. Evelyn und Raymond Ott kauften 2004 dort 900 Quadratmeter Bauland: „Gedanklich haben wir diesen Knick mit gekauft“, sagt der 58-jährige Ott in seinem Garten. Das Grundstück wirkt großzügig, im Süden liegt der Wall, um den es geht. Die neun Grundstücke Am Würen sind im Süden, Osten und Westen von Knicks umfasst. Nun weist Armstedt ein neues Baugebiet aus, das schließt sich im Süden an.

 Am 20. April kamen viele Dorfbewohner zur Sitzung der Gemeindevertreter, als die wesentlichen Weichen für den Bebauungsplan gestellt wurden. Auch der Süd-Knick war damals schon Thema; er werde an einer Stelle durchbrochen, erläuterte Udo Petersen, Planer in der Segeberger Kreisverwaltung. Petersen sollte nach dieser Sitzung noch Details in der Planung ändern; wie die inzwischen aussehen, will er allerdings noch nicht sagen: „Am Montag ist alles fertig“, kündigte er knapp an für die Sitzung der Armstedter Gemeindevertreter, die an diesem Montagabend stattfindet. Dann soll der B-Plan endgültig aufgestellt und ausgelegt werden.

 Aber Otts und Kiepuls haben schon von der Bürgermeisterin erklärt bekommen, dass in den Knick nicht nur eine Schneise für die Straße zu den neuen Grundstücken geschnitten wird, er soll sogar komplett abgetragen werden. Für Familie Ott hätte das weitreichende Konsequenzen: An die Südgrenze ihres Grundstücks schließt sich jetzt ein fünf Meter breiter Streifen Ausgleichsfläche an, dann kommt der drei Meter breite Knick. Wenn Wall und Streifen entfernt werden, verläuft die Grenze zum nächsten Baugrundstück gefühlt durch Otts Garten.

 Dass das Baugebiet Am Würen erweitert werden sollte, wussten Otts schon, als sie 2004 ihr Anwesen in Armstedt kauften. „Von mir aus können da 30 Häuser stehen, mir geht es um den Knick“, stellt Evelyn Ott klar. Das Paar hat der Gemeinde sogar angeboten, den Südknick zu kaufen und damit auch seine Pflege zu übernehmen.

 Otts vermuten wirtschaftliche Interessen hinter der Umplanung: Wenn Südknick und Ausgleichsstreifen bei ihnen und Kiepuls wegfallen, spart die Gemeinde ein paar Hundert Quadratmeter Fläche. Raymond Ott stört, dass ihm Bürgermeisterin Horstmann keine für ihn nachvollziehbaren Daten zu den Kosten vorlegen konnte, in seinen Augen sind die Überlegungen „wirtschaftlich nicht fundiert“.

 Einen Knick abtragen, das geht nicht so einfach. Ein echter Knick genießt Biotopschutz, erklärt Axel Timmermann, Fachdienstleiter Naturschutz in der Kreisverwaltung. Seine Behörde hat sich offiziell noch gar nicht mit dem Armstedter Knick befasst, sie kommt offenbar erst ins Spiel, wenn die Armstedter ihren B-Plan offiziell aufstellen und auslegen. Dabei wird die Planung in der gleichen Verwaltung erstellt.

 Die Naturschützer werden vor allem prüfen, ob es sich in Armstedt tatsächlich um einen „echten“ Knick handelt. Jüngere Gehölzanpflanzungen auf Wällen sind nicht unbedingt geschützt; es sei denn, sie sind als Kompensation für einen Eingriff in die Natur angelegt worden. Und Timmermanns Mitarbeiter werden nachsehen, ob sich in Armstedt geschützte Arten angesiedelt haben. Auflagen und Ersatzforderungen sind ihre Instrumente, wenn Naturschutz-Belange berührt werden.

 Die Segeberger Naturschutzbehörde hatte schon mehrere Armstedter wegen des umstrittenen Knicks besucht. „Wir wissen um die Sensibilität“, sagt Axel Timmermann, „wir werden genau hingucken.“

 Der B-Plan wird bei der Sitzung der Armstedter Gemeindevertretung behandelt, Beginn ist um 19.30 Uhr im Feuerwehrhaus.

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