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„Haben Unglaubliches gesehen“

Arved Fuchs „Haben Unglaubliches gesehen“

Unter dem Leitmotiv „Ocean Chance“ startete Arved Fuchs im August 2015 mit der „Dagmar Aaen“ zu seiner 34. Expedition. Kurs: Kap Hoorn. Zurzeit ist der Bad Bramstedter in Rio de Janeiro, von wo die letzte Etappe startet. Zwischenzeitlich war er zwei Wochen zu Hause. Gelegenheit für ein Interview.

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Arved Fuchs kam für 14 Tage zurück nach Bad Bramstedt.

Quelle: Bernhard-Michael Domberg

Bad Bramstedt. Fuchs war vor allem wieder in Sachen Naturschutz unterwegs. Eine bedrohte Pinguinart sollte mit Sendern ausgestattet werden, die Überfischung der Ozeane und der Plastikmüll waren weitere Themen. Außerdem drehte Fuchs Aufnahmen für die ZDF-Dokumentation „400 Jahre Entdeckung Kap Hoorn“.

 

 Herr Fuchs, wie war es vor Kap Hoorn?

 Arved Fuchs: Ausgesprochen ungemütlich. Als wir Mitte Dezember einen kurzen Trip zu dem berüchtigtsten Kap der Erde machten, waren See und Winde noch moderat, wir konnten sogar ein Filmteam auf der Insel Hornus absetzen. Doch den ganzen Januar über war am Kap der Teufel los. Stürme und Orkane mit Windgeschwindigkeiten bis 95 Knoten (176 km/h) kochten das Meer auf. Nicht selten herrschte Windstärke 13. Eine Fahrt durch die 800 Kilometer breite Drake-Passage zur antarktischen Halbinsel Grahamland war nicht zu verantworten. Ich hätte Mannschaft und Schiff aufs Höchste in Gefahr gebracht. Erst Ende Januar konnten wir die Drake-Straße recht zügig passieren und Grahamland erreichen.

 

 Was gab’s auf der arktischen Halbinsel zu sehen?

 Eine fantastische Tierwelt, wie wir sie uns hier kaum vorstellen können. Wir sahen eine Gruppe von 20 Buckelwalen, über unsere Füße latschten Pinguine, die keine Scheu vor Menschen haben. Bei den Pelzrobben mussten wir allerdings wegen ihres gefährlichen Gebisses aufpassen. Und natürlich die majestätischen Kunstflieger, die Albatrosse mit mehr als drei Metern Flügelspannbreite.

 

 Wie sah es mit Ihrem Pinguinprojekt auf den Inseln vor der Antarktis aus?

 Hier machten uns wieder die Stürme einen Strich durch die Rechnung. Das Anlanden war wegen der scharfen Felsnadeln bei Wellen von bis zu vier Metern Höhe unmöglich. Außerdem ist das Seegebiet nicht vermessen, man nennt es wegen der schäumenden Undurchsichtigkeit auch Milky Way (Milchstraße). Wir hatten auch nur 14 Tage Zeit, danach waren die Felsenpinguine wieder unterwegs Richtung Pazifik. Selbst die chilenische Marine hat derart heftige Stürme dort noch nicht erlebt. Sie führt das auf den diesjährigen El Niño zurück, der das Wettergeschehen in der südlichen Hemisphäre durcheinander bringt und extreme Dürren, Überschwemmungen und Hurrikanen in diesem Teil der Erde verursacht.

 

 Sind Sie deswegen sehr enttäuscht?

 Ein bisschen schon. Doch wir waren und sind ja nicht umsonst unterwegs.

 

 Sie wollten die Überfischung der Meere dokumentieren..

 Ja, Unglaubliches mussten wir sehen. Unmittelbar vor der 200-Meilen-Zone von Uruguay waren die großen asiatischen Fangflotten mit Frostern, Tank- und Frachtschiffen versammelt, um die See in industriellem Maße auszubeuten. Dasselbe erlebten wir auf der Hinfahrt vor den Küsten Frankreichs, Portugals, Spaniens, den Kapverden, Brasiliens und Argentiniens. Wir haben mit vielen Küstenfischern gesprochen. Alle wollen ihren Kindern abraten, das Geschäft weiterzuführen. Einer sagte uns: „Wenn ich früher zehn Mal hinausgefahren bin, muss ich heute für dasselbe Fangergebnis 200 Mal aufs Meer hinaus.“

 

 Werden die Meere irgendwann tot sein?

 Kanadische Wissenschaftler vermuten, dass viele Fischarten bis 2048 komplett verschwinden werden. Hier muss die Politik endlich einschreiten.Weltweit werden jährlich rund 90 Millionen Tonnen Fisch gefangen. Die Bestände sind am Rand des Zusammenbruchs. Rund 30 Millionen Meereslebewesen wandern jährlich aus den Netzen wieder als Abfall zurück ins Meer.

 

 Und wie sieht‘s mit der Vermüllung der Meere mit Plastikabfall aus?

 Ähnlich dramatisch. Wir haben hunderte Stellen im Meer gesichtet, fotografiert und die Positionen festgehalten fern jeglicher Küsten. Nur eine Region muss ich lobend erwähnen, in den antarktischen Gewässern ist es wirklich clean. Hier scheinen Restriktionen zu greifen, die bereits in den 1980er Jahren verfügt wurden. Das habe ich bereits 1989/90 festgestellt, als ich mit Reinhold Messner den antarktischen Kontinent durchwanderte. Bei hohen Strafen ist es verboten, auch nur den geringsten Abfall zurückzulassen.

 

 Sie fliegen in Kürze zurück nach Rio de Janeiro. Wie sieht die letzte Etappe der Expedition „Ocean Chance“ aus?

 Unser nächster Hafen ist der brasilianische Küstenort Cabedelo. Dann geht es hinüber zu den Azoren, wir sind dann einen ganzen Monat auf See. Vom 13. bis 19. Juli beabsichtigen wir, an einem großen Seglertreffen in Brest teilzunehmen, das alle vier Jahre stattfindet.

 

 Wann kommen Sie nach Hause?

 Wenn alles planmäßig verläuft, werden wir Anfang August im Hamburger Hafen eintreffen. Wir waren dann genau ein Jahr unterwegs und haben rund 22000 Seemeilen, das sind mehr als 40000 Kilometer, abgeritten. Danach geht’s unmittelbar zur „Hanse Sail“ nach Rostock vom 11. bis 14. August. Parallel dazu findet im dänischen Nysted eine Haikutterregatta statt, an der wir auch teilnehmen wollen. Schließlich ist unsere brave „Dagmar Aaen“ ja ursprünglich ein dänischer Haikutter.

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Ein Artikel von
Bernhard M. Domberg

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