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Bürger sollen entscheiden

Asyl-Quartier in Rohlstorf Bürger sollen entscheiden

Die Gemeinde Rohlstorf wird dem Kreis Segeberg möglicherweise den Gasthof am See in Warder vor der Nase wegschnappen. Der Kreis wollte das Haus kaufen, um bis zu 120 Asylbewerber unterzubringen. Nun soll ein Bürgerentscheid klären, ob die Gemeinde den Gasthof kauft.

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Neun der zehn Gemeindevertreter aus Rohlstorf stimmten während der Sitzung in der Alten Schule in Warder für den Bürgerentscheid. Die Vorbereitung dauert etwa drei Monate.

Quelle: Dierk E. Seeburg

Rohlstorf-Warder. Untergebracht würden dort ebenfalls Asylbewerber, aber nur bis zu 50. Landrat Jan Peter Schröder, der derzeit in Urlaub ist, hatte angekündigt, während einer Einwohnerversammlung am Mittwoch, 11. November, ab 19 Uhr in der Sporthalle der Grundschule Warderfelde die Kreispläne zu erläutern. Der Kreis steht unter Druck, weil er seine eigene Gemeinschaftsunterkunft in Schackendorf derzeit umbaut und nicht nutzen kann. Um seine Kommunen zu entlasten, sucht der Kreis ebenfalls Immobilien, um Asylbewerber unterzubringen, bevor sie in die Städte und Ämter weitergeleitet werden.

 Der Plan des Kreises hatte viele Bürger schon vor Wochen entsetzt. Manche hatten vor Tagen eine eigene Versammlung geplant, sie aber wegen des befürchteten Besuchs auswärtiger Rechtsradikaler abgesagt.

 Der Ärger und die Sorgen wurden dann während der 75-minütigen Einwohnerfragestunde der Gemeindevertretersitzung am Mittwochabend in der Alten Schule in Warder geäußert. Vor über hundert Besuchern ging es hoch her, teilweise auch polemisch. 120 Asylbewerber seien in einem Dorf mit gleich viel Einwohnern zu viel, die Straßen würden für Frauen und Kinder unsicher, hieß es von Kritikern.

 Die Idee für einen Bürgerentscheid brachte Andreas Bauer ein. Er leitet die Fraktion Aktive Rohlstorfer. Er präsentierte ein 15-seitiges Nutzungskonzept für den Gasthof, das er zusammen mit Franziska Kingerski, Sascha Schlüter, Axel Weißhaupt und Sindi Weißhaupt erstellt hatte. Eine Flüchtlingsunterkunft in kleinerem Format - mit etwa 50 Bewohnern - würden sie mit weiteren Ideen begleiten, unter anderem einem Hausmeisterdienst, einem Sicherheitskonzept mit ehrenamtlichen Freiwilligen und einem Betreuungskonzept für die schnelle Integration der Migranten.

 Dazu konnten die Gemeindevertreter in der Sitzung noch nicht im Detail Stellung nehmen, machte Bürgermeister Dirk Johannsen (CDU) deutlich. Angesichts der Fülle des Stoffes müsse man sich das ganze Paket erst durchlesen und prüfen.

 Die Grundlagen des Konzepts waren aber doch schon Anstoß dafür, den Bürgerentscheid nicht auf die lange Bank zu schieben. Die Gemeindevertreter waren sich weitgehend einig, den Befürchtungen und Bedenken vieler Einwohner gegen das Kreis-Projekt Rechnung zu tragen und sie einzubinden. Landrat Schröder hatte der Gemeinde zugesichert, vor der Einwohnerversammlung im November keinen Kaufvertrag zu unterzeichnen. Die Gemeinde will mit dem Kreis nun noch mal reden. Bauer hoffte, dass der Landrat sein Konzept nicht gegen den Widerstand der Bürgerschaft durchzieht und der Kreis mit seinem Kaufangebot preislich die Gemeinde nicht überbietet.

 Nach Bauers Konzept ist der Gasthof mit 42 Gästezimmern zum Teil sanierungsbedürftig. Es könnte für Asylbewerber maximal für fünf bis zehn Jahre genutzt werden. Rohlstorf müsste einen Kredit über 1,4 Millionen Euro aufnehmen. 1,2 Millionen Euro koste der Kauf, 100000 Euro sind für Nebenkosten nötig, 100000 Euro für den Umbau. Monatlich müsste die Gemeinde 16800 Euro für Zins und Tilgung abtragen und hätte nach fünf Jahren Laufzeit nur noch eine Restschuld von 438500 Euro, dafür aber den Gegenwert des sanierten Gasthofes.

 Bürgermeister Johannsen, früher selbst lange im Gasthof als Hausmeister tätig, warnte vor einem Ankauf durch die Gemeinde - wegen des baulichen Zustands und der nicht tragbaren Belastung.

 Den Gasthof mieten könnte das Amt Trave-Land, um seine Asylbewerber dort unterzubringen. Stellvertretender Amtsleiter Thomas Dziuk zeigte Interesse.

 Auch ein Abriss des Gebäudes käme in Frage, der 50000 Euro kosten würde, hieß es. Dann hätte die Gemeinde rund 5000 Quadratmeter bestes Bauland in gefragter Lage am Wardersee anzubieten.

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