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Viele Einsätze, alle harmlos

Asyl-Unterkunft Schackendorf Viele Einsätze, alle harmlos

Schon gut 20 Mal mussten Freiwillige Feuerwehren allein in diesem Jahr zur Asylbewerber-Unterkunft „Waidmannsheil“ in Schackendorf ausrücken, weil dort Rauchmelder angeschlagen hatten. Wirklich gebrannt hat es nie. Meist waren Aktivitäten in der Küche der Auslöser.

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Dieses Bild entstand bei der Einweihung der um- und ausgebauten Unterkunft. Damals stieß vor allem die Ausstattung der Küchen auf positive Resonanz. Doch inzwischen zeigt sich, dass die Bedienung manchen der neuen Bewohner zu überfordern scheint.

Quelle: Archiv

Schackendorf. Holger Teegen wäre kein Feuerwehrmann mit Leib und Seele, wenn er nicht auch in weniger erfreulichen Situationen immer auch eine positive Seite sähe: „Für uns sind die vielen Einsätze in der Asylbewerber-Unterkunft eine richtig gute Schulung; wir rücken inzwischen aus wie die Profis“, sagte der Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Schackendorf der Segeberger Zeitung. Erst am vergangenen Sonntagnachmittag hatten im Dorf schon wieder gleich zwei Mal die Sirenen geheult: gegen 13 Uhr und gegen 15 Uhr. Das Problem: Weder bei diesen beiden noch bei einer anderen der inzwischen über 20 Rauchmelder-Alarmierungen seit Jahresbeginn hat es in der Einrichtung des Kreises Segeberg, im Volksmund nach der früheren Gastwirtschaft noch immer „Waidmannsheil“ genannt, auch tatsächlich gebrannt. Ursache waren in den allermeisten Fällen entweder angebranntes Essen oder Gerichte, die bei ihrer Zubereitung besonders viel heißen Dampf verursachen.

 Für Teegen, der mit einer einzigen Ausnahme ausdrücklich nicht von „Fehlalarmen“ sprechen möchte, und die rund 34 Kameraden der Ortswehr ist es eine Selbstverständlichkeit, bei Tag und Nacht zu helfen. Doch bei jedem Einsatz müssen Feuerwehrleute je nach Tageszeit ihre Arbeitsplätze verlassen oder werden aus dem Schlaf gerissen. Hinzu kommt, dass im Fall Waidmannsheil grundsätzlich auch die Freiwillige Feuerwehr Fahrenkrug verständigt wird und zusätzlich mit zwei Fahrzeugen anrollt. „Wir vertreten uns gegenseitig und sind grundsätzlich in voller Stärke vor Ort“, erläutert Teegen. Sein Fahrenkruger Kollege Stefan Schröder nannte die häufigen Alarmierungen „schon etwas nervig“, stellte aber zugleich die hohe Motivation seiner Kameraden heraus. „Vorbeugender Brandschutz ist nun einmal wichtig.“ Bislang seien die Fahrenkruger Blauröcke immer in ausreichender Stärke an der Wache erschienen. „Auch wenn auf einigen Piepern der Einsatzort angezeigt wird.“

 Was den Schutz der Unterkünfte für Asylbewerber angehe, gebe es klare Vereinbarungen, erläutert Stefan Schröder. Bei Einsätzen am Kirchwegskamp, wo ebenfalls Flüchtlinge untergebracht werden, kämen auch die Schackendorfer. Und wenn erst die Landesunterkunft im Bad Segeberger Levo-Park bezogen sein wird, seien auch noch die Feuerwehren aus Bad Segeberg und Wittenborn mit im Boot. Grundsätzlich hielte Fahrenkrugs Wehrführer es aber für hilfreich, wenn der Kreis Segeberg als Eigentümer der Anlage Aufklärung unter den Bewohnern betreiben würde, was die Gerätschaften in den Küchen angeht. „Die Leute kennen das einfach nicht.“ Aktuell leben in den im März wieder eröffneten Gebäuden unweit der Autobahn 50 Menschen, vor allem Familien.

 Wenngleich in den Reihen der Blauröcke beider Dörfer unter der Hand leichtes Murren darüber zu vernehmen ist, dass es den Bewohnern der Unterkunft augenscheinlich so schwer fällt, den Zusammenhang zwischen Rauch und Alarm zu verstehen und ihr Verhalten anzupassen, äußert der Schackendorfer Teegen ein gewisses Verständnis: „Die können manchmal gar nichts dafür.“ Die Flüchtlinge und Asylbewerber kochten nun einmal gern und intensiv. Wenn gleichzeitig drei Töpfe auf dem Herd ständen und dann noch der Backofen voll in Betrieb sei, genüge es bisweilen schon, einfach nur die Zimmertür zu öffnen – und schon schlage der Alarm an. In einem Fall sei einem Bewohner zudem der Sinn einer Dunstabzugshaube nicht bekannt gewesen, in einem anderen Fall habe jemand brennendes Backpapier einfach in den Mülleimer geworfen. „Dort hat es natürlich munter weitergekokelt“, erzählt der Wehrführer.

 Abhilfe erhoffen sich die beteiligten Feuerwehren nun vor allem von einem Ortstermin mit Vertretern des Kreises Segeberg, der in der vorigen Woche stattgefunden hat. Zwei Rauchmelder, die besonders oft losgehen, sollen technisch umgerüstet werden und laut Holger Teegen dann nicht mehr allein auf Rauch, sondern auch auf Hitze reagieren. Weil es für Einrichtungen wie die in Schackendorf allerdings ein komplexes Brandschutz-Konzept gebe, könnten nicht einfach mal eben ein paar Melder „umgeschraubt“ werden, so Teegen: „Da müssen die Ingenieure vom Fach ran.“

 Beim Kreis Segeberg hat man das Problem ebenfalls erkannt: Der Eigenbetrieb ISE des Kreises befinde sich in Abstimmungsgesprächen mit der Gemeindewehrführung sowie ausführenden Baufirmen und eingebundenen Planungsbüros, sagte Sprecher Gernot Schramm der SZ. „Die Herausforderung besteht darin, eine Lösung zu finden, die die einzelnen Interessen der Akteure berücksichtigt, gleichzeitig aber auch den brandschutzrechtlichen Anforderungen genügt.“ Derzeit laufe in Zusammenarbeit mit einem Planungsbüro für Haustechnik eine Prüfung, inwieweit einige Melder gegen andere, technisch anders arbeitende Modelle ausgetauscht werden können. „Zudem erfolgt eine Überprüfung von lüftungstechnischen Einrichtungen der Unterkunft hinsichtlich ihrer einwandfreien und ausreichenden Funktion.“ Darüber hinaus versuche der Kreis, regelmäßig über die Hausleitung der Einrichtung „ein Verhalten der Bewohner herbeizuführen, das die Alarmierungen möglichst ausschließt“.

 Manchmal erlebe man bei den Einsätzen allerdings auch sehr menschliche Dinge, erzählt Wehrführer Teegen. Einmal habe eine Familie mit vier Kindern sich nach den Beschwerlichkeiten der Reise sehr gefreut, endlich einmal ausgiebig duschen zu können. Gut zwei Stunden lang sei das Wasser im Bad nahezu ununterbrochen gelaufen. „Und dann haben sie die Tür wieder aufgemacht.“ Vor lauter Wasserdampf habe man kaum noch etwas sehen können – und natürlich habe sofort der Melder ausgelöst.

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