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Neue Quartiere, wenig Flüchtlinge

Asylbewerber-Unterkünfte Neue Quartiere, wenig Flüchtlinge

Viele neue Quartiere für Asylbewerber, aber nur wenige neue Flüchtlinge: Für die Behörden zeichnet sich ein Dilemma ab. Sie halten im Kreis Segeberg teuren Wohnraum vor, der möglicherweise gar nicht mehr benötigt wird.

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Wakendorfs Bürgermeister Kurt Böttger (links) hofft, dass die 40000 Euro für den Umbau des alten Sportlerheims zum Asylbewerberhaus nicht vergeblich waren.

Quelle: Gerrit Sponholz

Kreis Segeberg. In Wakendorf I wird gerade für 40000 Euro das alte Sportlerheim umgebaut. Dort sollen eines Tages bis zu sechs Asylbewerber untergebracht werden. Aus zwei Umkleidekabinen, einem Raum für den Schiedsrichter und einem Duschraum werden zwei Schlafzimmer, eine Wohnküche und eine Nasszelle, erklärt Bürgermeister Kurt Böttger.

 Das Gebäude hinter dem Dorfgemeinschaftshaus wurde bereits entkernt. Der Rohbau ist fertig, die Maler streichen derzeit die Wände. Die Gemeinde hofft, dass das Land die Hälfte der Kosten übernehmen wird. Die andere Hälfte soll über Mietzahlungen hereinkommen, die das Amt Trave-Land der Gemeinde für die Unterbringung von Asylbewerbern zahlt. In Wakendorf I wären es die ersten Flüchtlinge. Anders als in der Nachbargemeinde Bühnsdorf. Dort seien schon 28 Flüchtlinge untergekommen, in Bauernhöfen oder Einfamilienhäusern, sagt Böttger.

 Das Amt wird sein Versprechen einhalten und das ehemalige Sportlerheim in Wakendorf I mieten, sichert Amtsleiter Rainer Andrasch zu. Ebenso wie Bürgermeister Böttger rechnet Andrasch nicht damit, dass der Zustrom der Asylbewerber langfristig abebbt. In den Vorjahren sei immer erst in der zweiten Jahreshälfte ab Sommer der große Schwung gekommen. Das sieht auch Böttger so: „Und die Asylbewerber suchen sich andere Wege“, falls die Balkan-Route weiterhin blockiert ist.

 Das Amt Trave-Land hat auch für Nachlassen des Zustroms vorgesorgt. Zwar sind 200 bis 220 Plätze langfristig angemietet oder durch Wohnungskauf im Besitz des Amtes, erklärt Andrasch. In Altengörs und Fahrenkrug etwa stehen eigene Immobilien, in Schieren und Groß Rönnau wurden eigens angefertigte Wohnmobilheime errichtet. In Reserve stünden außerdem weitere Standorte für Mobilwohnheime, darunter in Klein Gladebrügge, Weede, Glasau und Westerrade. Doch weitere rund 400 Plätze für Flüchtlinge hat das Amt nur für kurze oder mittlere Zeiten angemietet.

 Die Investitionen sind immens. Allein im Haushalt für dieses Jahr hat das Amt Trave-Land rund 1,5 Millionen Euro für den Bau und die Einrichtung von Asylbewerberunterkünften eingeplant. Denn angekündigt waren rund 350 neue Flüchtlinge im Jahr 2016.

 Doch es kommen weit weniger. Derzeit sind im Amt rund 300 Asylbewerber untergebracht, die in diesem und den vorherigen Jahren zugewiesen worden sind. Nur vereinzelt weist der Kreis derzeit der Amtsverwaltung neue Flüchtlinge zu. Sollte der Flüchtlingszustrom enden, könnte das Amt zuerst die kürzer laufenden Mietverträge nicht verlängern und auf den Bau weiterer Mobilwohnheime verzichten.

 Der Kreis steckt ebenfalls in der Bredouille. Mit 4000 neuen Flüchtlingen 2016 hatte er bislang kalkuliert. Zum Jahreswechsel erst hatte er eine zweite Gemeinschaftsunterkunft mit Millionenaufwand gekauft und danach renoviert: Den ehemaligen Gasthof am See in Warder (Rohlstorf). Er steht vorerst leer. Aus betriebswirtschaftlichen Gründen will der Kreis erst einmal seine frisch renovierte erste Gemeinschaftsunterkunft bei Schackendorf füllen, sagt Kreispressesprecher Gernot Schramm. Wann erstmals Flüchtlinge in Warder einziehen, könne er nicht sagen. Wohl auch vor dem Hintergrund, dass das Land derzeit selbst genügend Puffer hat, wenig ausgelastet ist und den Kreisen weniger Flüchtlinge zuweisen muss. Die Landesaufnahmeeinrichtungen stehen zu zwei Dritteln leer. In die neuen Wohncontainer des Landes auf dem ehemaligen Kasernengelände in Bad Segeberg könnten 2000 Menschen einziehen. Doch weil Asylbewerber fehlen, wird im Levo-Park Flüchtlingen Platz eingeräumt, die eigentlich der Stadt Hamburg zugewiesen sind.

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Ein Artikel von
Gerrit Sponholz
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