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Landwirte missgestimmt

CDU-Infoabend Bad Bramstedt Landwirte missgestimmt

Überrascht wurde die CDU Bad Bramstedt vom großen Zuspruch zu ihrem Infoabend „Landwirtschaft und Verbraucherschutz“. 100 Gäste hörten sich die Klagen von Bauernpräsident Werner Schwarz und CDU-Agrarexperte, Heiner Rickers, über die Gängelung der Landwirte an.

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Mit 100 Besuchern kamen doppelt so viele wie erwartet zur CDU-Veranstaltung in den Kaisersaal. Die meisten Gäste waren Landwirte.

Quelle: Jann Roolfs

Bad Bramstedt. Werner Weiß wich lieber auf Currywurst aus. Zwar stand im Saal ein großer Kessel Gulaschsuppe parat, aber das Interesse für ihre Veranstaltung hatte die CDU überrascht: Rund 100 statt der erwarteten 40 bis 50 Besucher waren am Dienstagabend in den Kaisersaal gekommen. Damit möglichst alle Zuhörer die versprochene Suppe bekamen, griff der Bad Bramstedter CDU-Fraktionsvorsitzende vorsichtshalber zur Wurst.

 Zur Diskussion über die Lage der Landwirtschaft hatten die Christdemokraten zwei Experten nach Bad Bramstedt eingeladen: Werner Schwarz, den Präsidenten des Landes-Bauernverbands und Heiner Rickers, den agrarpolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, selbst Milchbauer im Kreis Steinburg. Besonders kontrovers ging es mit den Beiden nicht zu. Auch wenn sie teilweise verschiedene Ansätze verfolgten, bemühten sie sich doch, nicht zu sehr auf den Unterschieden herumzureiten. Das Publikum bestand vorwiegend aus Landwirten, darunter viele junge Leute.

 Wie eigentlich immer, wenn man Bauern nach der Lage fragt, präsentierten Schwarz und Rickers viele Klagen. Schwarz sah sich einem „Sperrfeuer der schlechten Nachrichten“ ausgesetzt, Rickers diagnostizierte: „Die Preise sind schlecht, die Stimmung ist schlecht“ und über die Medien werde ein „Feldzug“ gegen die Landwirte gefahren. Einig waren sie sich in der Person des Gegners, den Rickers allerdings wesentlich klarer benannte: Robert Habeck, als Minister zuständig für die Belange der schleswig-holsteinischen Bauern und Politiker der Grünen mit Bundesambitionen.

 Aber Rickers und Schwarz malten nicht nur in düsteren Farben: In Sachen Arbeitsplätze seien die Perspektiven in der Landwirtschaft „hervorragend“, schwärmte der Bauernpräsident. Rickers erinnerte daran, dass die Bedingungen für landwirtschaftliche Produktion zwischen Nord- und Ostsee weltweit gesehen sehr gut sind.

 Beim Ärgernis Bürokratie machte der CDU-Mann allerdings auch für eine Zeit nach Habeck keine Hoffnung auf Besserung: „Es wird nicht weniger werden“, stellte Rickers klar. Er empfahl, notfalls für Anträge auf mehrere Zehntausend Euro staatlicher Prämien einen Fachmann zu beauftragen: Dessen Honorar rechne sich, wenn er verhindere, dass Geld wegen Formfehlern nicht ausgezahlt wird.

 Uneinig waren sich die Beiden bei der grundsätzlichen Ausrichtung: Die CDU sucht nach einem dritten Weg zwischen konventionellem und Öko-Landbau, Schwarz sieht die beiden Bereiche dagegen aufeinander zuwandern. Öko-Bauern übernähmen Technik von den konventionellen, die lernten bei der Eindämmung von Unkraut von den Bio-Kollegen. „Wir werden nicht drumherum kommen, öko-effizienter zu wirtschaften“, prophezeite Schwarz. Aber bis dahin hofft er, dass die Bauern noch mehr Düngemittel auf Grünland ausbringen dürfen.

 Schwarz appellierte an die Bauern, selbst Öffentlichkeitsarbeit zu machen: „Tun Sie sich zusammen mit den Kollegen aus dem Dorf und laden Sie das Dorf ein!“, forderte er die Landwirte auf, ihre Betriebe zu öffnen. Rickers setzte eher auf staatliche Regulierung: Der Bundeslandwirtschaftsminister soll dafür sorgen, dass die Lebensmittelhändler den Bauern mehr für deren Produkte zahlen. Auch für die „Initiative Tierwohl“, ein Programm, bei dem sich bessere Haltungsbedingungen in höheren Preisen für die Landwirte auszahlen sollen, schlug er einen staatlich regulierten Fonds vor. Davon hält Schwarz nichts: „Gut, dass die Politik da nicht die Pfoten drin hat“, stellte er klar.

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