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Diskussion blieb sachlich

Rohlstorf Diskussion blieb sachlich

„Ihr wart klasse heute Abend“, lobte Bürgermeister Dirk Johannsen (CDU) die rund 350 Besucher der Einwohnerversammlung zur Unterbringung von Flüchtlingen in Warder. „Es war sachlich, fair und ihr habt zugehört, so habe ich mir den heutigen Abend gewünscht.“

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Mit 350 Zuhörern war die Turnhalle der Grundschule in Warderfelde voll bei der Einwohnerversammlung zur Unterbringung von Flüchtlingen in Warder.

Quelle: Patricia König

Rohlstorf. Alles war gut vorbereitet. Die Polizei zeigte gleich mit fünf Einsatzwagen Präsenz vor der Turnhalle der Grundschule Warderfelde. Pastor Karl-Heinz Rahn moderierte den Abend.

 Klaus Tiemann (Polizeidirektion Segeberg), Rainer Andrasch (Amt Trave-Land), Landrat Jan Peter Schröder mit Rolf Meenen und Elke Andrasch (Kreis Segeberg) informierten und beantworteten Fragen.

 Schröder hatte auch eine Informationsschrift zusammengestellt, die auf jedem Stuhl lag. Darin stellte er die Notwendigkeit einer weiteren Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge im Kreis Segeberg dar, die Art und Weise der Planung und Ausführung einer Unterbringung von bis zu 100 Einzelpersonen und Familien im ehemaligen Gasthof in Warder, deren Betreuung durch die Angestellten der Kreisverwaltung und hob vor allem die Vorteile eines Kaufs des Gebäudes durch den Kreis hervor. Schröder betonte immer wieder, dass er die „Kapazitäten möglichst schnell nutzen will“. Nach dem Kauf und kleineren Umbauten wie einer neuen Küche sollen dann in wenigen Wochen und noch vor Anfang des Winters Flüchtlinge dort unterkommen können.

 Auch die Gemeinde will noch darüber entscheiden, ob sie den Gasthof am See selbst erwirbt. Doch einen Bürgerentscheid wird es wohl nicht geben, wie Bürgermeister Johannsen erklärte. „Das dauert viel zu lange, ich will verdammt noch mal, dass die Menschen noch vor dem Winter dort rein können“, sagte er klar und deutlich. Rainer Andrasch stellte sehr klar, dass das Amt kein Konzept in der Größenordnung des Kreises bieten könne. „Da ist der Kreis besser“, sagte er.

 Erste Unmutsbekundungen aus der Einwohnerschaft gab es zum nicht näher beschriebenen Sicherheitskonzept des Kreises für die Flüchtlingsunterkunft. „Wie sieht das aus und wie viele Kräfte werden dort zu welchen Zeiten vor Ort sein?“, wollten viele wissen. Das werde in Zusammenarbeit mit der Polizei erarbeitet, versicherte Schröder. Aber es werde auch durchaus Zeiten geben, in denen die Flüchtlinge in der Unterkunft allein seien. Das sei ganz normal und üblich. Klaus Tiemann erklärte dazu, dass erst ab 500 Personen ein ständiger Sicherheitsdienst vor Ort sei und die Fallzahlen von kriminellen Aktivitäten von Flüchtlingen sehr gering seien. Landesweit habe es in der letzten Woche 69 Straftaten gegeben, davon 13 im Kreis Segeberg. „Wir haben hier eine große Gefühlslage, die durch Fakten nicht zu belegen ist“, so Tiemann.

 Sorgen machten sich viele Fragesteller über die tatsächliche Anzahl der Flüchtlinge, die in Warder, das 150 Einwohner zählt, untergebracht werden. Schröder sprach zwar immer wieder von „zumutbaren“ 100 Menschen, die nur in „Notfallsituationen“ um maximal weitere 10 bis 15 Personen für höchstens 14 Tagen erhöht werde – aber das glaubten viele nicht. Es könnten bis zu 300 sein, rechnete eine Einwohnerin vor. Schröder widersprach dieser Schlussfolgerung.

 Warders Pastor Roland Scheel hinterfragte die faktischen Möglichkeiten der Logistik und Integration von so vielen Flüchtlingen. Mit dem Busverkehr und der Zahl der Kindergartenplätze sehe es schlechter aus als der Kreis darstelle. „Es ist unsere christliche Pflicht, Flüchtlinge aufzunehmen, aber in dieser Größenordnung wird das für Warder und auch für die Flüchtlinge eine große Herausforderung“, sagte er gegenüber der Segeberger Zeitung. Wenn man Flüchtlinge aufnehme, müsse man sich auch darüber Gedanken machen, wie man das tue.

 Sehr enttäuscht zeigten sich viele Bürger über die dürftigen Ausführungen des Gemeindevertreters Andreas Bauer (Aktive Rohlstorfer). Der hatte ein Konzept über den Kauf des Gebäudes und die weitere Nutzung vorstellen sollen. „Daran arbeiten wir noch, aber wir kennen die notwendigen Investitionen noch nicht, da wir das Gebäude noch nicht von innen gesehen haben“, gab er zu. Bauer sei „völlig unvorbereitet“ gewesen, meinten Einwohner. Ein Kauf führe zur unnötigen Verschuldung der Gemeinde, das Geld fehle dann wieder an anderer Stelle, war in vielen Gesprächsgruppen zu hören.

 Wie es in Warder weitergeht, wird wohl auf der nächsten Rohlstorfer Gemeindevertretersitzung entschieden, die voraussichtlich am 30.November stattfindet. Wenn die Gemeinde das Gebäude nicht selbst erwirbt, dann wird das der Kreis tun.

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