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Großer Aufwand für den Baumschutz

Bad Bramstedt Großer Aufwand für den Baumschutz

Seit Jahren arbeiten die Mitarbeiter von Bauamt und Bauhof an der Erfassung aller größeren Bäume. Grund: Sie werden in ein Kataster aufgenommen und per Satzung für schützenswert erklärt. Doch macht die ganze Mühe überhaupt Sinn? Die Zahl der Fällanträge von Privatleuten ist extrem gering, sodass möglicherweise gar kein Grund zu einer städtischen Baumschutzsatzung besteht.

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Bad Bramstedt hat eine Vielzahl schützenswerter Bäume, wie diese in der Straße Unter der Lieth. Insgesamt werden rund 6400 Bäume ins Schutzkataster aufgenommen.

Quelle: Einar Behn

Bad Bramstedt.  Bauamtsleiter Udo Reinbacher präsentierte dem Umweltausschuss Zahlen. Danach wurden im Winterhalbjahr 2014/15 gerade einmal zwei private Anträge auf das Fällen geschützter Bäume gestellt. Im Sommerhalbjahr ist das Fällen ohnehin verboten. Zwölfmal entfernte die Stadt eigene unter Schutz stehende Bäume, weil diese krank waren oder eine Gefährdung darstellten. Da die Stadt sich selbst das Fällen der eigenen Bäume genehmigen kann, ist die Satzung vor allem für den privaten Baumbestand relevant. Wo aber kaum Interesse am Fällen der Bäume bestehe, bedarf es auch keiner Schutzsatzung, argumentierte Reinbacher. „So richtig gerechtfertigt ist die Satzung nicht“, findet er.

 Sie bindet nämlich erhebliche Arbeitszeit im Bauhof. Das Baumkataster soll auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung eigentlich alle zehn Jahre aktualisiert werden. Das erste war 2002 aufgestellt worden, sodass eine neue Fassung längst überfällig ist. Anfangs war mit der Überarbeitung das Gartenbauunternehmen Bollmann beauftragt worden. Wegen der hohen Kosten wurde der Auftrag aber zurückgezogen. Seitdem müssen die Bauhofgärtner die Bäume erfassen, obwohl diese kaum Zeit dafür haben.

 Das ist nämlich eine echte Sisyphusarbeit: 1400 Bäume auf privatem Grund wurden begutachtet und als schützenswert ins Kataster aufgenommen. Damit ist der gesamte private Baumbestand erfasst. Vom öffentlichen Baumbestand ist erst die Hälfte begutachtet worden, bisher rund 2500 Bäume. Das alte Kataster von 2002 war deutlich gröber. Dort sind insgesamt nur 1300 Bäume aufgeführt, die meisten davon auf städtischem Grund.

 Und selbst wenn endlich alle Bäume im Kataster stehen, wird es schwierig, deren Schutz zu gewähren. Das zeigte auch die Vergangenheit. Jan-Uwe Schadendorf (SPD) konnte im Umweltausschuss auf Anhieb eine Reihe von geschützten Bäumen benennen, die in den letzten Jahren verschwunden sind – ohne Genehmigung. „Interessant wird es, das alte und neue Baumkataster zu vergleichen, um mal zu sehen, wie viele Bäume überhaupt noch da sind.“ Erst dann könne beurteilt werden, wie ernst der Baumschutz in Bad Bramstedt überhaupt genommen wird. Er plädierte für den Fortbestand der Baumschutzsatzung. Gäbe es sie nicht, wären wahrscheinlich noch viel mehr Bäume verschwunden, meint der Kommunalpolitiker.

 Reinbachers Zahlen zufolge sind die Fällanträge privater Baumbesitzer seit Jahren rückläufig. Nachdem das Kataster 2002 in Kraft getreten war, gab es in den folgenden vier Jahren durchschnittlich zwölf Fällanträge per anno. In den Winterhalbjahren 2011/12 waren es sieben, 2012/13 und 2013/14 jeweils vier und zuletzt nur noch zwei Anträge.

 Wer Bäume fällt, muss dafür Ersatz pflanzen, möglichst auf eigenem Grund. In der Satzung ist der Umfang genau festgelegt. Die Zahl und Art der Neupflanzungen ist vor allem davon abhängig, wie groß der gefällte Baum war. Wer ohne Genehmigung zur Kettensäge greift, muss für deutlich mehr Ersatz sorgen. In besonders schweren Fällen kann auch ein Bußgeld erhoben werden, was aber in Bad Bramstedt noch nie der Fall war.

 Nicht nur Schadendorf, auch die anderen Parteien waren der Meinung, ohne Schutzsatzung geht es nicht. „Das Baumkataster ist wichtig für die Bürger, damit sie wissen, ob auf welchem Grundstück ein schützenswerter Baum steht. „Wir sollten das nicht wieder einstampfen.“ Fritz Bredfeldt (Bündnis 90/Grüne) gab zu bedenken, dass die Stadt „keine Baumpolizei spielen kann.“ Auch er sprach sich nicht für die Abschaffung der Satzung aus.

 Und Joachim Behm (FDP) glaubt, dass „die positive Entwicklung bei den Fällanträgen eine Auswirkung der Satzung ist.“ Auch er plädierte für deren Beibehaltung. Die Bauhofleute werden also weiter Bäume begutachten müssen.

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