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Von Barbara-Tag bis Boxing-Day

Ausstellung in Marienkirche Von Barbara-Tag bis Boxing-Day

Während in Deutschland auf dem Adventskranz die Kerzen nacheinander angezündet werden, gibt es rund um die Welt ganz andere Bräuche. Einige davon gibt es in der Bad Segeberger Marienkirche in einer kleinen Ausstellung zu entdecken.

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Andere Länder, andere Weihnachtssitten: In Syrien kommen Maria und Josef nicht in einem Stall unter, sondern finden Zuflucht in einer Höhle, schildert Raha Anton mit ihrem Sohn André.

Quelle: Gisela Krohn

Bad Segeberg. Dort haben Gisela Knütter und Irmgard Gloge vom Team der Kirchenlotsen gemeinsam mit Pastorin Rebecca Lenz einen „Adventsweg durch die Welt mit sechs Stationen“ aufgebaut. Fachkundige Hilfe hatten sie von Raha Anton aus Syrien und Priscila Mena de Lindner aus Mexiko, die aus ihren Heimatländern berichten konnten.

 Ein ganz besonderer Tag ist in Syrien der morgige Freitag, 4. Dezember. „Auch hier in Deutschland ist der „Barbara-Tag“ bekannt, aber in Syrien wird er mit einem Faschingsfest gefeiert“, schildert Pastorin Lenz. „Dann kommen die Kinder verkleidet zum Gottesdienst.“ Raha Anton erinnert sich noch gut daran, wie diese Bräuche bis vor rund fünf Jahren in ihrem Heimatland von den Christen gepflegt wurden. Heute sei das nicht mehr möglich. „Anfang Dezember wurde auch immer ein Plastiktannenbaum aufgestellt“, schildert sie.

 Auch eine Krippe gehöre in jedes christliche Haus. Die Landschaft, auf der die Figuren aufgebaut werden, wird jedes Jahr neu aus Papier und Pappe modelliert – hier wird eine Höhle nachempfunden, kein Stall, wo Maria und Josef eine Zuflucht finden. „Die gesamte Vorweihnachtszeit isst man in Syrien vegan – und das schon lange, bevor diese Ernährungsweise hier modern geworden ist“, erklärt Rebecca Lenz. Die Zeit vor dem Fest sei eine Art Fastenzeit, in der tierische Produkte komplett wegfallen. Um Mitternacht am Heiligabend – also mit Beginn des 25. Dezembers – fängt das Fest an. Dann wird natürlich auch wieder üppig gegessen.

 In Mexiko ist der Zeitpunkt des eigentlichen Festes genau der Gleiche wie in Syrien, aber ansonsten gibt es viele Unterschiede. Die Geschenke werden zum Beispiel erst am 6. Januar überreicht. „Weil da ja die Heiligen Drei Könige dem Jesuskind die Gaben gebracht haben“, erklärt Priscila Mena de Lindner. Aber trotzdem gibt es für die Kinder auch schon vorher eine Menge Spaß. „Weihnachten in Mexiko ist bunt und fröhlich, mit Straßenumzügen und Festen“. Besonders wichtig für gläubige Christen sei die Krippe. „Sie ist viel wichtiger als der Baum“.

 Überall gibt es Prozessionen, wie Maria und „José“ auf ihrem Weg sind und an den Türen klingeln, dabei Lieder singen und ihre Herberge suchen. Das sind die „Posadas“, die damit enden, dass die Suchenden hereingelassen werden und dann das Fest beginnt. Der religiöse Aspekt wird schnell vergessen. Für die Kinder ist der Höhepunkt einer Posada der Brauch der Piñatas. Die Piñata ist eine aus Pappe angefertigte und mit Krepppapier umwickelte Figur in Form eines Sterns, gefüllt mit Süßigkeiten, die aufgehängt wird. Mit verbundenen Augen und mit einem Stock ausgerüstet, darf nun ein Kind nach dem anderen versuchen, die Figur zu treffen und zu zerschlagen. Wenn die Piñata zerbricht, stürzen sich alle Kinder unter lautem Gekreische auf die Süßigkeiten. Eine kleine Piñata hat Priscila Mena de Lindner auch in der Marienkirche angebracht. „Auch die Erwachsenen lieben diesen Brauch“, sagt sie.

 In Indien gibt es wieder andere Rituale, aber bunt sei Weihnachten dort auch, erzählt Rebecca Lenz, deren Vater aus Indien stammt. „Da werden Mangobäume und Bananenstauden geschmückt und mit farbigen Lichtern beleuchtet, die gerne auch blinken sollen“, schildert sie mit einem Schmunzeln. „Je bunter, desto besser!“ Traditionelle Buddha-Lichter stehen oft Seite an Seite mit weihnachtlichen Accessoires. „Man sollte nicht denken, dass es in Indien keine Christen gibt. Es sind etwa 2,4 Prozent, also rund 24 Millionen“.

 Der 25. Dezember ist ein offizieller Feiertag für alle Inder. Eine seltsam anmutende Tradition, die sich die Pastorin auch nicht recht erklären kann, hat mit einer Zitrusfrucht zu tun. „Am Heiligabend erhält der Hausvorstand – also meistens der Vater – als erstes Geschenk eine Zitrone“. Ganz so exotisch geht es in England nicht zu, aber der „Plumpudding“ enthält auch getrocknete Früchte. Die Socken, die am Kamin für die Geschenke aufgehängt werden, und der Mistelzweig, unter dem man sich küsst, sind Rituale, die durch zahlreiche Weihnachtsfilme auch in Deutschland bekannt geworden sind.

 „Am Festtag hat dann die Rede der Queen im Fernsehen die höchste Einschaltquote“, erzählt Pastorin Lenz. Und am sogenannten „Boxing Day“, dem 26. Dezember, gibt es Geschenkboxen für diejenigen, die im Hintergrund arbeiten wie etwa die Beschäftigten bei der Müllabfuhr, Postboten und viele andere. In Schweden dagegen sorgen auch die Wichtel (Tomte) für Geschenke, und der auch hier bekannte „Glögg“ – ein heißer Punsch mit Rosinen, Mandeln und Gewürzen – sorgt für innere Wärme. Licht bringt ganz besonders der „Lucia-Tag“ am 13. Dezember, wenn Mädchen einen Kranz mit brennenden Kerzen auf dem Kopf balancieren. „Dann bringt die älteste Tochter der Familie mit dem Lucia-Kranz auf dem Kopf der gesamten Familie das Frühstück ans Bett“, schildert Irmgard Gloge. Nicht fehlen darf auch der „Julbock“ – ein Ziegenbock, meist nachempfunden aus Stroh, der als Überbleibsel heidnischer Bräuche auch heute noch für die Schweden zur Adventszeit dazu gehört.

 Wer sich anschauen will, wie ein Lucia-Kranz aussieht, oder syrische Krippenfiguren und auch die bunte mexikanische Piñata entdecken möchte, hat dazu täglich von 9 bis 16 Uhr, wenn die Marienkirche geöffnet ist, noch bis zum 4. Advent Zeit.

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