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Lernen, nein zu sagen

Bad Segeberg Lernen, nein zu sagen

Zu den schlimmsten Dingen, die Kinder erleben können, gehört sexuelle Gewalt – und das Gefühl, ihr schutzlos ausgeliefert zu sein. In der Theodor-Storm-Schule wird in dieser Woche darüber aufgeklärt.

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Schulleiterin Christiane Wolf (links) und Silke Orthmann vom DKSB zeigen die Tafel „Richtig oder falsch“.

Bad Segeberg. In der Turnhalle der Schule ist ein Informationsparcours der Kieler Beratungsstelle „Petze“ eingerichtet. Silke Orthmann vom Kinderschutzbund informierte die Eltern inmitten des Parcours darüber, wie sexuelle Gewalt Kindern begegnet, wie man Kinder davor schützen kann und was getan werden kann, wenn man den Eindruck hat, dass ein Kind so etwas Furchtbares erlitten hat.

 Sexuelle Gewalt sei keineswegs nur auf Vergewaltigungen beschränkt, stellte die Referentin klar. Streicheln ohne Zustimmung des Kindes gehöre ebenso dazu wie das Zeigen pornografischer Bilder und verbale Entgleisungen im Internet. 450 Fälle werden pro Jahr in Schleswig-Holstein angezeigt, berichtete Silke Orthmann. „Die Dunkelziffer ist aber zehn- bis zwanzigmal so groß.“ Fachleute rechnen damit, dass 15 bis 30 Prozent der Mädchen und 5 bis 15 Prozent der Jungen davon betroffen sind.

 Die Täter – nur 5 bis 10 Prozent sind Frauen – seien nur zum geringen Teil pädophil veranlagt. Meistens gehe es darum, Macht auszuüben. Fast durchweg spiele sich das Geschehen im familiären oder sozialen Umfeld ab. „Hier werden das Vertrauensverhältnis und die Autorität missbraucht; darum ist es Missbrauch.“ Oft werde das Unangenehme planvoll mit Geschenken, Wohltaten und Zuwendung umgeben, so dass die Kinder die Belastung in Kauf nehmen. In anderen Fällen drohen die Täter den Kindern mit Unheil, wenn sie verraten, was geschehen ist.

 Wichtig sei, dass die Kinder lernen, selbstbewusst „nein“ zu sagen, wenn ihnen jemand etwas antut, was sie nicht wollen. „Und wenn es nur ist, ihnen über den Kopf zu streicheln. Manch einer will das einfach nicht.“ An den Stationen des Petze-Parcours wird genau das thematisiert: Mein Körper gehört mir. Was mag ich, was mag ich nicht? Auch der unverkrampfte Umgang mit Sexualität sei wichtig, damit die Kinder Probleme benennen können. Zudem lassen Kinder weniger zu, wenn sie einen Freundeskreis haben und in der Familie Stabilität erfahren.

 Das Vertrauensverhältnis zu den Eltern ist ebenso wichtig, damit Kinder schon beim ersten Anzeichen Bescheid geben mögen. „Geheimnisse, bei denen es einem schlecht geht, dürfen verraten werden“, betonte Silke Orthmann. „Das ist kein Petzen.“ Außerdem sollten Eltern Anzeichen ernst nehmen, etwa wenn sich ihre Kinder zurückziehen oder ständig müde sind, traurig und depressiv werden oder körperliche Symptome wie Verletzungen oder häufiges Erbrechen zeigen. Leider müssten Kinder im Durchschnitt sechs Mal Bescheid sagen, weil die Eltern „es nicht wahrhaben wollen“.

 Die Schulklassen werden von den Lehrerinnen und der Schulsozialarbeiterin Victoria Hoffmann durch die Ausstellung geführt. Interessierte Eltern können mit ihren Kindern aber auch nachmittags kommen. Das Engagement von Schule, Petze und Raiffeisenbank Leezen, die die Kosten übernahm, wurde von den anwesenden 80 Eltern honoriert. Interessiert probierten sie die Frage-Antwort-Spiele an den Stationen aus, blätterten in Büchern und unterhielten sich mit einander. „Es ist super, was hier gemacht wird“, lobte Viktoria Miller. Ihr Kind ging in den Kindergarten Christiansfelde, wo es vor einigen Monat zu mehrfachem Missbrauch durch einen jungen Mitarbeiter gekommen war. „Mein Kind war nicht direkt betroffen, aber wir wissen, wie wichtig es ist, sich mit dem Thema zu beschäftigen.“

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