16 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Axtdrama: Keine öffentliche Verhandlung

Prozessauftakt Axtdrama: Keine öffentliche Verhandlung

Seit Dienstag verhandelt die Jugendstrafkammer des Kieler Landgerichts den Fall eines 19-Jährigen, der laut Anklage mit einer Axt und einem Messer auf seine Eltern und den jüngeren Bruder losgegangen ist. Die Staatsanwältin wirft dem Heranwachsenden versuchten Mord in drei Fällen vor.

Voriger Artikel
Acht Mal 14 Stockwerke hochgerannt
Nächster Artikel
Bewohner protestieren gegen Neubaupläne

In diesem Haus am Ahornweg in Reinsbek trug sich das Familiendrama zu.

Quelle: Andrea Hartmann (Archiv)

Kiel/Pronstorf. Auslöser des blutigen Familiendramas vom 20. März soll ein Streit um die langsame Internetverbindung im Elternhaus im Ortsteil Reinsbek der Gemeinde Pronstorf (Kreis Segeberg) gewesen sein. „Aus Ärger“ warf der große, schlanke Angeklagte am späten Nachmittag einen Böller ins Zimmer des jüngeren Bruders. Er packte den 16-Jährigen an den Schultern, riss ihn zur Seite und schlug mit der Faust auf ihn ein, so der Vorwurf. Drei Mal soll er mit der Hacke gegen den Kopf des Jüngeren getreten haben.

Anschließend bewaffnete sich der 19-Jährige in seinem Zimmer mit einem Messer, „um seinen Bruder aus Hass umzubringen, falls er noch einmal zu ihm kommen würde“, sagte Staatsanwältin Barbara Westermeyer. Gegen 18.30 Uhr kam der Vater nach Hause und stellte den älteren Sohn zur Rede. Er forderte ihn auf, die restlichen Böller in einem Eimer Wasser zu versenken und unbrauchbar zu machen.

Nun soll der Angeklagte eine Axt aus dem Schuppen geholt haben, um den Rest der Familie „aus niedrigen Beweggründen“ umzubringen. Er habe sich von seinen Eltern ungeliebt gefühlt, heißt es zum Tatmotiv. Gleichzeitig geht die Anklage von verminderter Schuldfähigkeit aus. Der Täter soll an einer schweren Persönlichkeitsstörung leiden.

Gutachten bescheinigt seelische Abartigkeit

Für den 19-Jährigen kommt deshalb auch die Unterbringung in einer geschlossenen Psychiatrie in Betracht. Ein vorläufiges Gutachten bescheinigt ihm schwere seelische Abartigkeit. Ein Jugendpsychiater nimmt als Sachverständiger an dem siebentägigen Prozess teil. „Im Interesse des Heranwachsenden und seiner Familie“ schloss das Gericht die Öffentlichkeit aus. Erst zur Urteilsverkündung Mitte Oktober ist das Publikum wieder zugelassen.

Zum Prozessauftakt macht der 19-Jährige einen präsenten Eindruck. Aufrecht und konzentriert sitzt der junge Mann mit dem blassen Gesicht neben seiner Verteidigerin Annika Kiep, die dem Gericht bereits ein Geständnis angekündigt hat. Bei der Angabe der Personalien spricht er mit fester Stimme in das vor ihm stehende Mikrofon, bis der Vorsitzende ihn darüber aufklärt, dass es abgeschaltet ist. Nach Verlesung der Anklage befürworten alle Prozessbeteiligten den Ausschluss der Öffentlichkeit.

Hier gehe es um die familiären Verhältnisse, begründet der Vorsitzende Stefan Becker den Beschluss der Kammer. Die öffentliche Erörterung des Geschehens und seiner Hintergründe könne die Aufarbeitung und die künftige Entwicklung des Angeklagten beeinträchtigen. Zudem könne sich dieser ohne Publikum freier äußern.

Er spaltete der Mutter das Gesicht

Seiner Mutter, die sich zur Tatzeit allein in der Küche aufhielt, spaltete der Angeklagte mit einem Axthieb das Gesicht, so der Vorwurf. Dem Vater, der ihr beistehen wollte, versetzte er einen tiefen Messerstich in die Brust. Trotzdem soll es dem 52-Jährigen mithilfe des jüngeren Sohnes gelungen sein, den Rasenden zu entwaffnen und in sein Zimmer einzuschließen. Dabei erlitt der Vater sechs weitere Stich- und Schnittverletzungen.

Mit Pfeil und Bogen bewaffnet flüchtete der 19-Jährige durch ein Fenster. Für die Fahndung setzte die Polizei 21 Streifenwagen, Spürhunde und einen Hubschrauber ein. Gegen drei Uhr morgens stellte sich der Angeklagte in Hamburg-St. Pauli auf der Davidwache.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
Mehr aus Nachrichten aus Segeberg 2/3