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BHs und ihr Geheimnis

Henstedt-Ulzburg BHs und ihr Geheimnis

Nein, im Rathaus öffnet kein Dessous-Shop. Auch wurde dort keine frivole Party gefeiert, von der Hunderte Büstenhalter zurück geblieben sind. Die vorübergehend im Konferenzraum aufgehäuften 312 BHs – überwiegend rosa – sind für eine farbenfrohe Aktion mit ernstem Hintergrund gedacht.

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Mit einer ungewöhnlichen BH-Aktion wird in Henstedt-Ulzburg auf das Thema Brustkrebs aufmerksam gemacht.

Quelle: Michael Zwicker

Henstedt-Ulzburg. „Einfach überwältigend!“, sagte die kommunale Gleichstellungsbeauftragte Svenja Gruber angesichts des Wäscheberges, angeliefert von Dr. Tobias Zeiser, Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe in der Henstedter Paracelsus-Klinik.

 „Mit dieser großen Menge an pinken und rosa BHs wollen wir mit einer öffentlichkeitswirksamen Aktion vom 8. Oktober bis zum Monatsende auf das sensible Thema Brustkrebs aufmerksam machen“, erklärte Svenja Gruber. Wie und wo die Textilien zum Einsatz kommen, wollte sie aber noch nicht verraten. Kein Geheimnis ist dagegen, dass Marita Bauer, Ehefrau von Bürgermeistern Stefan Bauer, die Schirmherrschaft für die Aufklärungskampagne übernommen hat.

 Beteiligt an der Sammelaktion waren neben der Para-Klinik auch Sanitätshäuser, die Kleiderkammer des Deutschen Roten Kreuzes, die SVHU-Bogenschießgruppe „Hit Pink“ für an Brustkrebs erkrankte Frauen, Unternehmen im medizintechnischen Bereich, Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen sowie betroffene Frauen und ihre Angehörigen.

 „Die weibliche Brust ist nicht nur ein Körperteil der Frau, sie ist auch ein sexuelles Organ, welches das individuelle Selbstverständnis der Frauen in großem Maße definiert. Brustkrebs ist deshalb für die meisten Frauen eine besonders angstbesetzte Erkrankung“, betonte Gleichstellungsbeauftragte Svenja Gruber. Mehr als andere Tumore ist Brustkrebs mit den zusätzlichen Komponenten der Diskriminierung, der sexuellen Unsicherheit und einem daraus mangelnden Selbstwertgefühl verbunden.

 „Ziel der Aktion ist, die Sensibilität für Brustkrebs zu stärken. Denn bei kaum einer anderen Krebserkrankung ist die Früherkennung so wichtig für die Heilungschancen wie bei Brustkrebs“, erläuterte Gynäkologe Dr. Zeiser. „Das Mammakarzinom – Brustkrebs – tritt wesentlich früher auf als die meisten anderen Krebsarten. Etwa jede vierte betroffene Frau ist bei Diagnosestellung jünger als 55 Jahre, jede zehnte unter 45 Jahre alt – ein Alter, in dem die meisten übrigen Krebserkrankungen keine große Rolle spielen.“

 Brustkrebs gehört weltweit zu den häufigsten Krebserkrankungen. Bei Frauen ist Brustkrebs in Deutschland mit rund 75000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebsart – und auch die häufigste Krebstodesursache. Statistisch betrachtet erkrankt jede achte bis zehnte Frau im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Aber auch Männer können Brustkrebs bekommen.

 Durch Vorsorge und Früherkennung kann der Krankheitsverlauf von Brustkrebs sehr positiv beeinflusst und eine bestmögliche Lebensqualität gesichert werden. Bei Früherkennung liegen die Heilungschancen bei über 90 Prozent. Viele Mammakarzinome werden entdeckt, weil die Frauen selbst Veränderungen an der Brust feststellen. „Je besser eine Frau ihre Brust kennt, mit ihr vertraut ist, umso besser bemerkt sie, wenn sich etwas verändert“, empfiehlt Svenja Gruber. „Deswegen ist regelmäßiges Abtasten der Brust besonders wichtig.“

 Das gesetzliche Früherkennungsprogramm bietet Frauen ab 30 Jahren die Möglichkeit einer jährlichen Tastuntersuchung beim Arzt. Und das qualitätsgesicherte Mammographie-Screening-Programm lädt Frauen zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre zur Röntgenuntersuchung ein.

 Eine Screening-Einheit befindet sich in der Paracelsus-Klinik an der Wilstedter Straße. Das dortige Brustzentrum wurde bereits 2009 nach den Kriterien der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) und der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS) zertifiziert. Damit verbunden ist die Erfüllung einer Reihe von Anforderungen, beispielsweise dass alle in die Diagnostik und Therapie eingebundenen Fachgebiete vertreten sind, die operierenden Ärzte nachweislich eine durch Fallzahl belegte Qualifikation und Erfahrung besitzen, eine fundierte Expertise an Chemotherapien erbracht werden kann sowie ein anerkanntes Qualitätsmanagement vorhanden ist.

 Mit der ungewöhnlichen BH-Aktion sollen Frauen ab 20 Jahren auf das Thema aufmerksam gemacht werden. „Sie wird garantiert sehenswert und wahrscheinlich auf Tournee durch Schleswig-Holstein gehen“, kündigte Gleichstellungsbeauftragte Svenja Gruber an.

 Im Rahmen der Aktionswochen veranstaltet die Paracelsus-Klinik eine Lesung mit Miriam Köthe, die selbst an Brustkrebs erkrankt war. Sie liest am Dienstag, 13. Oktober, ab 19 Uhr in der Klinik aus ihrem Buch „Teufelchen in der Brust”. Das Buch hat die Autorin zusammen mit ihrem Mann Carsten Köthe verfasst. Der RSH-Moderator ist ebenfalls Krebspatient. Für das literarische Gemeinschaftswerk wurde das Paar 2010 mit dem „IDH-Medienpreis Gesundheit“ ausgezeichnet.

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Michael Zwicker

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