21 ° / 16 ° wolkig

Navigation:
Schnäppchenjagd beim Klassiker

BVV-Flohmarkt Schnäppchenjagd beim Klassiker

Am Sonntag schoben sich Tausende von Besuchern durch rund 400 Flohmarktstände, zumeist Tapeziertische, die rund ums Schloss in Bad Bramstedt aufgebaut waren. Die Veranstaltung ist ein Klassiker im Programm des Bürger- und Verkehrsvereins (BVV), den es schon seit Ende der 1970er-Jahre gibt.

Voriger Artikel
Von Reitweisen und Gelassenheit
Nächster Artikel
Sprachlose Marktschreier

Plattensammler Michael Fischer fand eine alte LP des BT-Musikzugs. Ob ein Bekannter auf dem Cover abgebildet ist?

Quelle: Jann Roolfs

Bad Bramstedt. „Wenn die für zwölf Euro keiner haben will, dann ziehe ich die wieder an“, stellt Kristina Stratmann klar. Unter Preis will sie ihre Sandalen nicht hergeben. Die Bramstedterin hat ihren Kleiderschrank und den ihres Mannes durchsortiert. Was die beiden nicht mehr tragen, liegt jetzt neben Trödel auf einem Tisch, dahinter steht Stratmann mit ihrer Schwester Silke Steblecki aus Brokstedt. „Herrenklamotten gehen am besten“, sagt Steblecki. „Männer sind nicht so wählerisch“, präzisiert Stratmann. Mit dem Geschäftsverlauf sind die beiden zufrieden: „Dieses Jahr ist viel los“, befindet die Bramstedterin.

 Tausende, darunter viele Familien, sind unterwegs. An den Tapeziertischen und Ständen mit Bratwurst, Kaffee oder Crêpes herrscht Hochbetrieb, in den Gängen zwischen den Ständen sowieso.

 Claudia Frahm hat den Kinderwagen extra zu Hause gelassen: „Wir wussten ja, das wird voll.“ Sie ist mit ihrem zweijährigen Sohn Leo und ihrer Mutter Hildegard Fuhrmann unterwegs, sie suchen vor allem Spielzeug. Von unten fiepst es: „Hat er die jetzt angekriegt?“, Frahm guckt zu Leo. Der hat den Knopf gefunden, um die Raupe, die er am Band hinter sich herzieht, einzuschalten, und jetzt quietscht das Ding in verschiedenen elektronischen Dudel-Frequenzen. Die beiden Frauen sind schon gut bepackt mit Kinderkram: Einen kleinen Koffer haben sie gekauft, Autos, eine Marienkäfer-Wandleuchte in grün und „Kochgeschirr“ für die Sandkiste, „das hat er sich selbst ausgesucht“, erzählt die Mutter.

 Bei Ralf Seeger gucken sie nach Kiddy Boards, das sind Rollbretter, die hinter einen Kinderwagen gehängt werden können. Seeger ist aus Harburg zum zweiten Mal zum BVV-Flohmarkt gekommen: „Die Atmosphäre ist ganz toll, die Leute grüßen und sind freundlich, die lachen auch mal“, lobt er. „Auf Flohmärkten in Harburg geht es ruppiger zu“, berichtet Seeger. Gemeinsam mit seiner Frau hat er einen großen Stand aufgebaut, an dem er vor allem Spielzeug anbietet: „Das ist meine Welt“, sagt er. Im Winter repariere er die Sachen, im Sommer verkaufe er: „Die Muttis von heute kaufen Markenartikel zum günstigen Preis.“

 Ein Spinnrad neben einem Spielzeugkran aus Plastik, Sammeltassen, Schallplatten, Bücher, Nippes, Werkzeug, Espressokannen und Kaffeemühlen, Kleidung, Schmuck, Spielzeug ohne Ende und Stände von CDU, SPD und FDP finden sich am Bleeck und auf der Schlosswiese. Torsten Simon zieht ein gelbes Schwert mit grünem Knauf aus seiner lilafarbenen Scheide, dabei fiepst es. Das Ganze ist eine Wasserpistole, die sich seine siebenjährige Tochter Lucy ausgesucht hat. Die weiß schon, wo sie ihre Eltern jetzt hinlotsen will: Zur Playmobilfigur, die sie vorhin mit ihrer Oma entdeckt, aber noch nicht gekauft hat.

 Familie Timmann aus Fuhlendorf kümmert sich dieweil um Lektüre: „Uns sind die Bücher ausgegangen“, sagt Pascal. Gemeinsam mit seinem Bruder Steffen und seiner Mutter Patricia entscheidet er sich für Stieg Larssons Millenium-Trilogie. Michael Fischer sucht dagegen vergebens: Beim Wühlen in Langspielplatten entdeckt er eine des BT-Musikzugs und mustert die Musiker auf dem Cover auf der Suche nach einem Bekannten. Den findet er nicht, aber ein Geschenk für seine Frau trägt er schon in einer kleinen Tüte bei sich.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
Mehr aus Nachrichten aus Segeberg 2/3