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Allee wächst Baum um Baum

Bad Bramstedt Allee wächst Baum um Baum

Drei Winterlinden wurden – unter Mitwirkung von Baumschulverband, Heimatbund und Umweltministerium – jetzt an der historischen Allee an der Altonaer Straße gepflanzt. Sie gehört zur früheren Altona-Kiel-Chaussee, an der seit 2008 rund 1100 Bäume eingesetzt wurden.

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Der Präsident des Heimatbundes Schleswig-Holstein, Jörn Biel (links), hatte Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach die Kopie einer alten Bauzeichnung von der Friedrichsbrücke mitgebracht, die im Landesarchiv in Schleswig liegt.

Quelle: Einar Behn

Bad Bramstedt. „Alleen sind wertvolle Kulturgüter, die es langfristig zu erhalten gibt“, meint Dr. Frank Schoppa, Geschäftsführer des Baumschulen-Landesverbands, dessen Dachverband sich bundesweit für den Erhalt von Alleen einsetzt. In Bad Bramstedt gibt es eine solche Baumreihe, die noch dazu von historischer Bedeutung ist: die Altonaer Straße. Schoppa pflanzte am Mittwoch gemeinsam mit Staatssekretärin Silke Schneider, dem Präsidenten des Heimatbundes Schleswig-Holstein Jörn Biel und Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach drei Winterlinden, um die Allee zu vervollständigen. Bei der Gelegenheit wurden auch Gedenktafeln vorgestellt.

 Zwei der neuen Linden hat der Baumschul-Landesverband gespendet. Die dritte stiftete Bürgermeister Kütbach aus Anlass seiner Silberhochzeit mit Bianca von Dein, die auf denselben Tag fiel. Der Baumschul-Verband unterstützt damit eine Initiative seines Bundesverbandes, der die Parlamentariergruppe im Deutschen Bundestag „Kulturgut Allee“ berät. Verbandsgeschäftsführer Schoppa betonte: „Alleen umspannen den Straßenraum, spenden Schatten und Sauerstoff und sind gleichzeitig Lebensraum. Sie schützen gegen Überhitzung, filtern Feinstaub und sind Nahrungs- und Fortpflanzungsstätte.“ Ein Anliegen der Bundestagsgruppe und des Baumschulverbandes sei es, Verkehrssicherheit und Alleenschutz in der Praxis zu vereinbaren. „Wir möchten, auch mit unserer heutigen Spende, das Thema Alleen permanent in der öffentlichen Diskussion halten, denn nur so vermeiden wir das schleichende Verschwinden dieses großen Kulturgutes aus unseren Landschaften“, sagte Schoppa. Im Konflikt mit der Verkehrssicherheit plädierte er dafür, Geschwindigkeitsbegrenzungen und Schutzplanken den Vorrang vor dem Fällen von Alleebäumen zu geben.

 Staatssekretärin Schneider bekannte sich ebenfalls zum Erhalt der Alleen und verwies auf die Bemühungen des schleswig-holsteinischen Umweltministeriums, durch Nachpflanzungen Alleen im Land zu erhalten.

 Am Mittwoch ging es jedoch nicht nur um die Vervollständigung der Alleebäume, sondern auch um die historische Bedeutung der Altonaer Straße selbst. Sie ist ein noch weitgehend erhaltener Abschnitt der Altona-Kiel-Chaussee, der ersten von einem Ingenieur geplanten Straße in Schleswig-Holstein, erbaut von 1830 bis 1832 durch den dänischen König Friedrich VI.. Bürgermeister Kütbach würdigte den Dänenkönig dann auch, der von besonderer Bedeutung für die Stadt sei. „Bad Bramstedt wird ja eher mit Christian IV. in Verbindung gebracht“, sagte Kütbach. Dieser Dänenkönig hatte bereits 200 Jahre zuvor das Bramstedter Schloss seiner Geliebten Wiebke Kruse geschenkt. Aber Friedrich VI. (1768 – 1839) brachte mit dem Chausseebau die Infrastruktur in der Provinz Holstein erheblich voran, und davon profitierte natürlich auch der Flecken Bramstedt. Um die Hudau zu überqueren, wurde in der Altonaer Straße eine Brücke nötig, die noch heute den Namen des Dänenkönigs trägt, die Friedrichsbrücke. Der König war selbst zur Einweihung am 1. Juli 1833 nach Bramstedt gekommen. Brücke und die gesamte Altonaer Straße stehen heute unter Denkmalschutz.

 Der Präsident des schleswig-holsteinischen Heimatbundes, Jörn Biel, im Carstensen-Kabinett Wirtschaftsminister, hatte im Landesarchiv in Schleswig eine Ingenieurszeichnung der Friedrichsbrücke von 1785 ausfindig gemacht. Davon fertigte er eine Kopie an, die er Bürgermeister Kütbach schenkte. „Wir werden dafür einen Platz im Schloss finden“, versicherte der Rathauschef.

 Kütbach erfüllte am Mittwoch auch einen Auftrag der Stadtverordnetenversammlung: die Anbringung eines Hinweisschildes auf dem Bleeck. Die alte Chaussee führte über den Marktplatz der Stadt. Als er 2015 umgebaut wurde, legten die Bauarbeiter altes Kopfsteinpflaster frei, das mit großer Wahrscheinlichkeit noch von der alten Straße stammt und sich über den gesamten Platz erstreckte. Die alte Chaussee war damals nur in Bramstedt und Neumünster mit Pflastersteinen befestigt worden, ansonsten war sie eine Schotterpiste. Das unerwartet vorgefundene Pflaster auf dem Bleeck wurde entfernt und durch Beton ersetzt. Auf Anregung des Denkmalamtes beschlossen die Ortspolitiker, wenigstens einen kleinen Abschnitt davon neu auf dem Bleeck zu verlegen. Daran erinnert nun ein Schild, das bei der Fontäne angebracht wurde. Es soll noch durch eine Erläuterungstafel ergänzt werden.

 Infotafeln sollen auch an der Friedrichsbrücke aufgestellt werden und im Bissenmoor bei den Angelteichen, wo an den Todesmarsch der KZ-Häftlinge von Hamburg nach Kiel erinnert wird. Am 13. April 1945 wurde bei den Teichen der Russe Hamid Chamido von SS-Mann Otto Schütte erschossen. Er wurde später dafür von einem britischen Militärgericht zum Tode durch den Strang verurteilt.

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