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Arved Fuchs am anderen Ende der Welt

Bad Bramstedt Arved Fuchs am anderen Ende der Welt

Den obligatorischen Vortrag im Kurhaustheater kann Arved Fuchs in diesem Jahr nicht halten, denn er befindet sich mit seinem Haikutter „Dagmar Aaen“ 9000 Seemeilen (rund 16700 Kilometer) von Bad Bramstedt entfernt auf Feuerland, von wo aus er Kurs auf Kap Hoorn nehmen will.

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Auf seinen Grönland-Expeditionen, die er in seinem neuen Buch beschreibt, fand Arved Fuchs auch eine verlassene Walfängersiedlung auf den Carey-Inseln. Die Siedlung wurde vor vielen Jahren aufgegeben, die großen Knochen liegen noch dort.

Quelle: Büro Fuchs

Bad Bramstedt. „Ocean Change“ heißt Fuchs’ 34. Expedition. Dem Bad Bramstedter geht es diesmal um die Veränderung der Ozeane durch Überfischung, Versauerung durch CO2 und Verschmutzung durch Plastikmüll. „Die Konsequenzen für die Meeresflora und -fauna sind dramatisch“, weiß der Umweltexperte, der seine Untersuchungen mit wissenschaftlicher Unterstützung vornehmen wird.

 Die „Dagmar Aaen“ hatte am 5. August in Hamburg abgelegt. Unter Leitung von Volker Wenzel nahm sie zunächst Kurs auf Westafrika, um von da aus den Atlantik zu überqueren. Fuchs selbst war nur zeitweilig an Bord und stieß nun vor wenigen Tagen in Ushuaia dazu, einer Stadt im argentinischen Feuerland. Anfang nächsten Jahres will Fuchs mit der „Dagmar Aaen“ das berüchtigte Kap Hoorn umfahren. Zurzeit herrscht dort zwar Sommer, doch die Temperaturen gehen kaum mal in den zweistelligen Plus-Bereich. Stürme und Regen an 280 Tagen im Jahr bestimmen das Wetter. Fuchs hat schon Erfahrung damit: Bereits 1995 umschiffte er Kap Hoorn, damals in anderer Richtung von West nach Ost.

 Bevor sich die Crew auf den Weg zum Kap macht, dreht Fuchs mit einem Filmteam fürs ZDF die Dokumentationen „400 Jahre Kap Hoorn“ und „Silberkondor über Feuerland“. Das Kap mit seinen extremen Stürmen wurde am 29. Januar 1616 von Willem Cornelisz Schouten erstmalig umfahren, einem Seefahrer aus dem niederländischen Ort Hoorn. Bereits 1520 hatte der portugiesische Seefahrer Ferdinand Magellan die nach ihm benannte Magellanstraße 350 Kilometer nördlich von Kap Hoorn entdeckt und damit die Verbindung vom Atlantik zum Pazifik gefunden. Mit der zweiten Dokumentation verfolgt das Filmteam die Spuren des berühmten Fliegers und Marineoffiziers Gunther Plüschow, der Ende der 1920er Jahre Feuerland erforschte.

 Wenn das Kap umfahren ist, will Fuchs die schwer zu erreichenden Inseln Islas Noir, Ildefonso, Diego Ramírez und Isla de los Estados ansteuern. In Zusammenarbeit mit dem Antarctic Research Trust werden Satellitensender an Felsenpinguinen befestigt, um die Wanderungen der Tiere verfolgen zu können. Die „Dagmar Aaen“ bildet dabei das Basislager.

 Pünktlich zu seiner Abreise ist auch Arved Fuchs’ neues Buch auf dem Markt, das den Leser allerdings auf die andere Seite des Globus führt: nach Grönland. „Seit ich diese größte Insel der Erde mit ihren gigantischen Ausmaßen von 3000 Kilometer in der Länge und 1200 Kilometer in der Breite 1979 zum ersten Mal besucht habe, hat sie meine gesamte Lebensplanung beeinflusst. Ich wusste fortan, dass polares Reisen meine Bestimmung sein wird“, erklärt Fuchs. Er dokumentiert die klimatischen und gesellschaftlichen Veränderungen Grönlands.

 Fuchs der zehn Mal auf Grönland war, gibt eine umfassende Zustandsbeschreibung der Insel von den Anfängen der Besiedlung vor rund 4000 Jahren bis heute. Der Abenteurer erzählt von seiner strapaziösen Durchquerung der Insel über ihren bis zu 3000 Meter dicken Eispanzer im Jahr 1983 mit Freund Rainer Neuber. Er beschreibt die faszinierenden Landschaften, Fjorde und Gletscher der Insel. „Wer glaubt, da gibt es nur Eis und Schnee mit ein paar Eskimos, die in Iglus leben und mit Hundeschlitten fahren, irrt gewaltig“, sagt Fuchs. Auf Grönland leben derzeit rund 53000 Menschen und doppelt so viele Hunde.

 Die Insel war bereits im 19. Jahrhundert der Ausgangspunkt zahlreicher Expeditionen, die teilweise bitterlich scheiterten, wie die des Schweden Alfred Björling im Jahr 1892, dessen Schiff an den Klippen einer vorgelagerten Insel zerschellte. Fuchs fand während einer Expedition sterbliche Überreste der Mannschaft und Trümmerteile des Schiffes sowie Reste aus dem Besitz der umgekommenen Männer.

 Ausführlich schildert er den Versuch des deutschen Wissenschaftlers Alfred Wegener, die Insel Anfang der 1930er Jahre mit seinen Getreuen zu erforschen. Er erfror elendig. Einen breiten Raum des Buches nehmen die Menschen und die Folgen des Klimawandels auf Grönland ein. Plastisch beschreibt Fuchs, wie sich das Leben der Inuit durch das Schmelzen des Eises und das damit verbundene Wegbrechen der Jagdgründe verändert.

 Wie dramatisch sich die Klimaveränderung auf das Abschmelzen des Grönlandeises auswirkt, ist am Sermeq-Kujalleq-Gletscher auf der Westseite Grönlands zu beobachten. Der Eisriese, den die Unesco zum Weltnaturerbe zählt, hat seit der Jahrtausendwende so viel Eis abgegeben, dass sich der Weltmeeresspiegel um gut einen Millimeter erhöht hat. „Seit den ersten Messungen im Jahre 1912 hat der grönländische Eispanzer 30 bis 40 Meter an Dicke eingebüßt“, erläutert Arved Fuchs. Grönland bindet etwa 10 Prozent des weltweiten Süßwassers.

 Das Buch birgt aber auch unterhaltsame Passagen, beispielsweise wenn Fuchs witzige Situationen mit den Schlittenhunden oder Begegnungen mit den Inuit und deren kulturellen Eigenheiten beschreibt. Während seiner zahlreichen Expeditionen haben sich dauerhafte Freundschaften entwickelt.

 Das 144-seitige Buch „Arved Fuchs – Grönland – Meine Abenteuer in Eis und Schnee“ wird mit 140, zumeist farbigen, Fotos, von atemberaubenden Landschaften, Menschen und Tieren illustriert. Allerdings hätte die Schrift etwas größer ausfallen können und das letzte Kapitel „Quo vadis, Grönland“ hat Fuchs unter seinen Möglichkeiten verfasst. Aber das tut der Qualität des Buches keinen Abbruch, die Frage nach dem zukünftigen Weg Grönlands wird sich dem Leser von selbst erschließen.

 Passend zum Buch strahlt das ZDF die Fuchs-Expedition nach Ost-Grönland vom Sommer 2014 unter der Fernsehserie „Terra X“ am 1. Januar 2016 um 19.15 Uhr aus. Eine Vorabdokumentation zeigt „Arte“ am 19. Dezember 2005 um 21.05 Uhr. Die Fernsehdokumentationen über Kap Hoorn und Feuerland sind im Frühjahr 2016 vorgesehen.

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Ein Artikel von
Bernhard M. Domberg

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