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Bauboom im Bissenmoor

Bad Bramstedt Bauboom im Bissenmoor

An keiner anderen Stelle in Bad Bramstedt ist der Bauboom so gut sichtbar wie im Wohn- und Golfpark Gut Bissenmoor. 41 Grundstücke hat der Makler im letzten Jahr verkauft. Zuvor galt das Wohnquartier über zehn Jahre lang als fast unverkäuflich. Doch es gibt auch Kritiker des Baubooms.

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Kein schönes Entree: In einfacher Fertigbauweise wurde vor 15 Jahren das Gebäude am Eingang zum Wohnpark hochgezogen.

Quelle: Einar Behn

Bad Bramstedt. Rückblick: Als HSV-Legende Uwe Seeler im Jahr 2000 den symbolischen ersten Spatenstich für das Neubaugebiet Wohn- und Golfpark Gut Bissenmoor setzte, gab es noch große Pläne. Es sollte ein Luxusviertel werden, mit modernem Golfplatz, breiten Alleen und großzügig geschnittenen Grundstücken. Doch die Idee ging nicht auf. Einige Gutsituierte bauten zwar ansehnliche Villen direkt am Golfplatz, die anderen Grundstücke wurden zu Ladenhütern. Die wirtschaftliche Lage war damals schlecht, in Deutschland gab es kaum noch Wirtschaftswachstum. Dann kam auch noch die Bankenkrise. Um überhaupt Grundstücke los zu werden, wurde die damalige Erschließungsgesellschaft mehrfach vorstellig im Rathaus. Die Grundstücke sollten verkleinert werden, bis auf 400 Quadratmeter.

 Nicht allen Wünschen wurde Rechnung getragen, zumal Anwohner, die dort bereits ansehnliche Häuser gebaut hatten, mit Klagen drohten, wenn der Charakter des Wohnparks aufgegeben wird. Dennoch wurde der Bebauungsplan drei Mal geändert, zunächst ohne Wirkung auf die Nachfrage.

 Doch seit die Zinsen im Keller sind, wird das Gebiet mit seinen ursprünglich rund 300 Baugrundstücken im Turbotempo bebaut. „Ich habe nur noch 19 Grundstücke im Angebot“, sagt Makler Uwe Kipper. Die Quadratmeterpreise sind vergleichsweise moderat: von 115 bis 149 Euro. Kipper denkt bereits an die Erschließung einer noch brach liegenden Wiese östlich der jetzigen Bebauung. 2017 möchte er hier Grundstücke verkaufen. „Ich habe schon jetzt eine Reihe von Interessenten, die ich anrufen kann, wenn es losgeht“, erklärt Kipper, der für die Eigentümergesellschaft Deutsche Eigenheim AG (früher Designbau AG) tätig ist. Und sogar die alten Pläne, am Golfplatz ein Hotel zu bauen, leben wieder auf. Die Betreibergesellschaft des Golfplatzes führt bereits Gespräche mit Investoren.

 Ein Verkaufsargument mag auch die bisher nicht dagewesene Liberalität an Baustilen sein. Der Bebauungsplan setzt kaum Grenzen. Die Folge ist allerdings ein reichliches Durcheinander an Architektur und Häuserhöhen, das nicht jedem gefällt. Hans Gerhard Wasmus, der mit wenigen Unterbrechnungen seit fast 70 Jahren auf dem früheren elterlichen Bauernhof am Südrand des Ortsteils Bissenmoor wohnt, sieht die Entwicklung kritisch: „Von der Idee eines luxuriösen Wohnparks ist nichts nach geblieben.“ Kleine Einfamilienhäuser stehen neben großen Mietshäusern, Landhausvillen dicht gedrängt auf viel zu kleinen Grundstücken, und die eigenwillige Architektur mancher Häuser dürfte den Nachbarn ein Ärgernis sein.

 Wasmus ist mit dem Fotoapparat durch das Gebiet gegangen, um die „Bausünden“, wie er sagt, festzuhalten. Gleich am Eingang werden zurzeit zwei Wohnblöcke mit vier Geschossen hochgezogen. Links und rechts daneben stehen Einfamilienhäuser. „Die Mieter haben freien Blick auf den Swimmingpool ihrer Nachbarn“, lästert Wasmus. „Die Mehrfamilienhäuser waren so gewollt“, entgegnet Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach auf Anfrage der Segeberger Zeitung. Sie seien schon in der ersten Planung enthalten gewesen. Jeder hätte wissen können, dass sie dort gebaut werden.

 Ein langgestrecktes Gebäude, ebenfalls am Eingang zum Wohnpark mit dem DRK-Kindergarten Löwenzahn, wiederum erinnert Wasmus an den „früheren Schweinestall“ des nach dem Krieg abgerissenen Gutshofes Bissenmoor. Die Erschließungsgesellschaft Wohnpark Bissenmoor GmbH hatte das Gebäude aufgrund einer vertraglichen Vereinbarung mit der Stadt errichtet – in Fertigbauweise. Mittlerweile tröpfelt Regenwasser durchs Dach.

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