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Bauingenieure sind Mangelware

Bad Bramstedt Bauingenieure sind Mangelware

Auf den Fachkräftemangel weisen Wirtschaftsverbände und Institute seit Jahren hin. Jens Peter Weissmann, Bauunternehmer aus Bad Bramstedt mit Firma in Hamburg, ist einer der Betroffenen. Weissmann muss schon Aufträge ablehnen, weil ihm Bauingenieure fehlen.

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Jens Peter Weissmann, Gesellschafter und Geschäftsführer der Walther Reichert GmbH

Quelle: Privat

Bad Bramstedt. Der 47-jährige Weissmann ist Gesellschafter und Geschäftsführer der Walther Reichert GmbH, eines Hamburger Traditionsunternehmens mit 83-jähriger Firmengeschichte. 30 Mitarbeiter beschäftigt Weissmann, vom Maurer bis zum Ingenieur. Spezialisiert hat sich die Gesellschaft auf den Hochbau, vor allem auf den schlüsselfertigen Wohnungsbau. Zu den aktuellen Projekten zählt die „Alte Feuerwache“ in Kiels Innenstadt, wo 120 Wohneinheiten entstehen. Auftragsvolumen: knapp 19 Millionen Euro. In Büsum baut die Reichert GmbH ein Haus mit 29 Wohnungen und Tiefgarage für 7 Millionen Euro. In Bargteheide entsteht für 3,8 Millionen Euro ein Haus mit 27 Wohnungen. Auch Gewerbeimmobilien errichtet das Unternehmen, beispielsweise den Rohbau für das Bürogebäude „Essener Bogen“ in Hamburg-Langenhorn, oder, mittlerweile abgeschlossen, das Steigenberger Hotel Treudelberg in Hamburg-Poppenbüttel.

 Weissmann selbst ist Bauingenieur und hat nun immense Probleme, Berufskollegen zu finden. „Wir müssen Aufträge ablehnen.“ Fünf Ingenieure sind in seinem Unternehmen beschäftigt, und auch um die muss er bangen. „Es gibt in der Branche Unternehmensberater, die locken die Ingenieure mit besseren Verdienstaussichten in andere Firmen und kassieren dafür Provisionen.“ Auch bei Polieren, die die Baustellen leiten, hat er das schon beobachtet. „Das schadet der ganzen Branche, weil die Ingenieure und Poliere immer teurer werden“, meint Weissmann, der mit Frau und vier Kindern seit 2007 in Bad Bramstedt wohnt. Auch für die Umworbenen sei das keine gute Entwicklung. Sie könnten zwar kurzfristig mehr verdienen, aber wenn sie auf dem Arbeitsmarkt immer teurer werden, erwarte der Arbeitgeber auch entsprechende Gegenleistungen. „Die können manche aufgrund ihrer Qualifikation gar nicht erbringen“, so Weissmann. „Und dann sind sie ganz schnell weg vom Fenster.“

 Dabei sind die Verdienstmöglichkeiten für einen Bauingenieur in Weissmanns Unternehmen sehr ordentlich. Ein Ingenieur mit Berufserfahrung bekommt pro Monat rund 6000 Euro überwiesen, ein Berufsanfänger startet mit 3500 Euro. Die Einsteiger sind für Weissmanns Millionenprojekte allerdings schlecht einsetzbar, weshalb er auch noch nicht von den steigenden Zahlen an Hochschulabsolventen mit Ingenieursabschluss profitiert. In seinem Unternehmen arbeiten die Ingenieure weitgehend selbstständig, jeder hat seinen eigenen Bau. Damit sind Berufseinsteiger häufig überfordert. „An der Hochschule bekommt man die Theorie vermittelt. Aber den eigentlichen Beruf lernt man erst in der Praxis“, hat der Unternehmer festgestellt.

 Weissmann kaufte sich 2006 in das Hamburger Unternehmen ein. Seit 2009 ist er für die Auftragsakquise und Angebotsbearbeitung zuständig, 2013 übernahm er die Geschäftsführung. Dass der Fachkräftemangel sein Unternehmen besonders hart trifft, liegt allerdings auch am steilen Wachstumskurs der Walther Reichert GmbH. Der Umsatz des im Försterweg in Hamburg-Stellingen gelegenen Unternehmens stieg seit 2009 von 8 Millionen Euro auf 18 Millionen im letzten Jahr. Das sind 125 Prozent in sechs Jahren. Damit liegt Weissmann deutlich über dem Durchschnitt der Branche, die in den letzten Jahren ein auch schon ansehnliches Wachstum jeweils zwischen 3 und 5 Prozent verzeichnete.

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