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Das Kreuz mit den Krähen

Bad Bramstedt Das Kreuz mit den Krähen

Was nützt es, Krähen zu vergrämen, die noch gar nicht brüten? Jahr für Jahr werden in Bad Bramstedt Böllerschüsse abgegeben, damit die Plagegeister sich gar nicht erst niederlassen. Doch geschossen wird nur bis zum 15. März, der Krähen-Lärm geht aber erst danach so richtig los. Die Anwohner sind genervt.

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Hunderte von Nestern gibt es in den Baumwipfeln im Herrenholz. Die Vergrämung bringt hier offenbar gar nichts.

Quelle: Einar Behn

Bad Bramstedt. „Es ist den Anwohnern nicht mehr zuzumuten“, findet Arnold Helmcke. Die Leute beklagen sich bei ihm, nicht nur weil er SPD-Stadtverordneter und zweiter stellvertretender Bürgermeister ist, sondern auch weil er selbst im Dahlkamp wohnt, der direkt am Herrenholz entlang führt. Nach Angaben des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) brüten rund 300 Paare in den Bäumen des Herrenholzes und da die Tiere Koloniebrüter sind, treten sie auch noch geballt im östlichen Bereich des Waldes auf, wo die Kriegsdenkmäler stehen. Das unaufhörliche Krächzen ist bis ins Wohngebiet am Maienbaß zu hören.

 Alle drei Jahre zählt das LLUR die Nester der Saatkrähen. Rund 1500 sind es bei der letzten Erhebung im vergangenen Jahr gewesen. „Die Zahl ist seit längerem konstant geblieben“, weiß der Artenschutzexperte des LLUR, Rüdiger Albrecht. Der weitaus größte Teil der Vögel brütet im weitläufigen Kurgebiet, wo der Lärm ebenfalls erheblich ist und vor allem die Patienten des Klinikums nervt.

 Mit den Vergrämungen begann die Stadt Ende der 1990er Jahre. Damals zählte die Vogelschutzwarte 1300 Nester in Bad Bramstedt, also rund 200 weniger als zurzeit. Aber schon damals galt Bad Bramstedt als Schwerpunkt der Krähenpopulation, weshalb auch die Vergrämung von der Unteren Naturschutzbehörde erlaubt wurde. Allerdings ist sie zeitlich begrenzt. In diesem Jahr wurde vom 8. Februar bis zum 15. März mit Schreckschussmunition geknallt. „Die Vögel sollen dadurch aufgescheucht und am Nestbau gehindert werden“, erläutert Krähenexperte Albrecht. „Wenn sie aber brüten, dürfen sie nicht mehr vergrämt werden“, erklärt der Biologe. Nur in Ausnahmefällen könne eine Verlängerung beantragt werden.

 Die Anwohner haben dafür wenig Verständnis. Gerade jetzt, wo bereits die Eier im Nest liegen, ist der Lärm besonders groß. Auf den Nestern in den Baumwipfeln herrscht reges Kommen und Gehen, begleitet von einem ständigen Krächzen. Das beginnt früh morgens bei Sonnenaufgang und verstummt erst, wenn es dunkel wird. Marga Krogmann wohnt genau gegenüber dem Herrenholz im Dahlkamp. „Ich hör das schon gar nicht mehr“, sagt sie. Ärgerlich findet sie die schwarzen Plagegeister, die in der Vogelkunde als Singvögel eingruppiert sind, aber schon. „Man kann kein Auto draußen stehen lassen, ohne dass es vollgesch... wird.“ Und das Schießen mit Schreckschusspistolen bringe gar nichts. „Die Vögel fliegen kurz auf, lachen den Bürgermeister aus und landen wieder“, sagt die Rentnerin mit leicht resigniert klingendem Unterton.

 Seit 1980 steht die Saatkrähe bundesweit unter Naturschutz. Ihr Bestand war damals arg dezimiert. Beim Hotel Köhlerhof brütete nur noch ein Paar. In den 1990er Jahren stieg die Zahl dann auf knapp 300 Paare. Mittlerweile ist die Kolonie am Köhlerhof durch die Vergrämung verschwunden. Es geht also doch. Erfolgreich war dieses Vorgehen auch beim früheren Hotel Gutsmann und bei der Schön Klinik im Birkenweg. Kehrseite der Medaille: „Die Vögel müssen ja irgendwo hin und deshalb sind sie nun vermehrt im Herrenholz und im Kurgebiet“, meint Krähenfachmann Albrecht.

 In vielen Regionen Deutschlands sind die Saatkrähen noch immer selten anzutreffen. Aber: „Zwei Drittel des Bundesbestandes leben in Schleswig-Holstein“, erklärt Albrecht. Hier gebe es 26000 Brutpaare. Von einer bedrohten Art kann also im Norden keine Rede sein. Bad Bramstedt sei bei den Vögeln wegen der Auenniederungen besonders beliebt. In dem weichen Boden fänden sie leicht Nahrung. Von einer Abschussfreigabe will der Krähenexperte nichts wissen. „Die Saatkrähen sind ein Bestandteil unserer Vogelwelt“, sagt er. Sie hätten nur ein Imageproblem. „Wenn sie schöner singen würden, würde sich niemand aufregen.“

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