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Der zweigleisige Ausbau kam nie

Bad Bramstedt Der zweigleisige Ausbau kam nie

Die Nachrichten vom Zugunglück in Bad Aibling, bei dem zehn Menschen starben, wecken in Bad Bramstedt traurige Erinnerungen an die Bahnkatastrophe von 1994. In beiden Fällen begegneten sich die Züge auf einer eingleisigen Strecke.

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Wie in Bad Aibling stießen auch in Bad Bramstedt 1994 zwei Züge frontal aufeinander. Sechs Menschen starben.

Quelle: Archiv

Bad Bramstedt. Sechs Tote und 70 Verletzte forderte das Unglück am 29. September 1994, das bis heute das schwerste der Nachkriegszeit in Bad Bramstedt blieb und auch für die AKN die schlimmste Katastrophe in der Firmengeschichte ist. Die AKN-Strecke Eidelstedt - Neumünster ist noch teilweise eingleisig, unter anderem nördlich von Kaltenkirchen. Die Züge müssen deshalb im Bad Bramstedter Bahnhof, wo sich das Gleis hinter dem Bahnsteig teilt, den Gegenverkehr abwarten. Genauso ist die Situation auch in Bad Aibling. Doch anders als auf der bayerischen Strecke heutzutage gab es damals in Bad Bramstedt noch keine elektronischen Sicherungen. Die Lokführer mussten von der Leitstelle in Ulzburg-Süd die Freigabe der Strecke per Funkspruch abwarten, was aber der Zugführer in Richtung Norden nicht getan hatte. Der Henstedt-Ulzburger war losgefahren und hatte dabei auch das Haltesignal missachtet. In Höhe Bimöhler Straße kam ihm der Zug aus Neumünster entgegen. Bremsen war nicht mehr möglich – wie in Bad Aibling. Die beiden Lokführer sahen 1994 den jeweils entgegenkommenden Zug wegen einer Kurve erst im letzten Moment. Beide kamen ums Leben.

 Das Fatale an dem Unglück vor über 21 Jahren: Die AKN hatte bereits geplant, die eingleisige Strecke mit einer elektronischen Steuerung zu versehen, die einen Zug automatisch bremst, wenn er ein rotes Haltesignal überfährt. Die Anlage war nur noch nicht fertig. In Bad Aibling war diese Sicherung installiert - und trotzdem kam es zu dem Unglück. Ob es menschliches Versagen war, möchten die Ermittler zu so einem frühen Zeitpunkt ihrer Arbeit noch nicht sagen.

 Ist das auch auf dem Gleis der AKN möglich? „Wir können zu dem Unglück in Bad Aibling nicht Stellung beziehen“, sagte AKN-Vorstand Wolfgang Seyb der SZ. Allerdings seien alle AKN-Strecken mittlerweile mit der sogenannten Punktförmigen Zugbeeinflussung (PZB) ausgestattet. So heißt im Fachjargon das automatische Bremssystem, das 1994 bereits geplant war. Das gleiche System ist in Bad Aibling installiert. Und auch auf den AKN-Gleisen könnte es abgeschaltet werden. „Das ist aber ein kompliziertes Verfahren mit mehreren Sicherungen und wird im Regelbetrieb nicht angewendet“, sagte Seyb. Eine Ausnahme sei beispielsweise, wenn umgestürzte Bäume das Gleis blockieren. Die Mitarbeiter im Stellwerk Kaltenkirchen seien aber in Sicherheitsbelangen intensiv geschult.

 Dennoch: Ein Unglück wie in Bayern bleibt offenbar auch auf der AKN-Strecke – wie auf allen eingleisigen Bahntrassen – möglich. Auf einer solchen Trasse fährt im Kreis Segeberg auch die zwischen Bad Oldesloe und Neumünster verkehrende Nordbahn. Nach dem Unglück von 1994 wurde nicht nur von der Stadt Bad Bramstedt ein zweigleisiger Ausbau der AKN-Strecke gefordert. Die damalige Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD), die am Unglückstag im September 1994 nach Bad Bramstedt geeilt war, forderte an der Unglücksstelle unter dem Eindruck der Schreckensbilder: Eingleisige Bahntrassen dürfe es in Schleswig-Holstein nicht mehr geben. Heute ist davon keine Rede mehr. „Wir haben keine Pläne, die Trasse zwischen Kaltenkirchen und Neumünster auszubauen“, sagte der AKN-Vorstand. Auch im Nahverkehrsplan des Landes steht davon nichts.

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