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Die Brücken machen Sorgen

Bad Bramstedt Die Brücken machen Sorgen

Die Stadt der Auen bekommt immer größere Probleme mit ihren Brücken. Der geplante Abriss der Gayenbrücke wird wegen unerwartet anfallenden Sondermülls drastisch teurer als geplant, und die Pläne für die Ernst-Friedrich-Harm-Brücke wurden wegen explodierender Kosten zurückgestellt.

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Der Putz sitzt an der Gayenbrücke nicht mehr fest. Er könnte auf die Bahn oder die Gleise fallen.

Bad Bramstedt. Bauamtsleiter Udo Reinbacher berichtete im Bauausschuss, bei Untersuchungen der Gayenbrücke, die im Norden Bad Bramstedts über das AKN-Gleis führt, sei unter der Fahrbahn eine zehn Zentimeter dicke Teerschicht entdeckt worden. Teer ist giftiger Sondermüll und seit 1984 im Straßenbau verboten. Er könne aber nicht abgetragen werden, so der Behördenleiter, weil die Baufirmen dann mit schweren Maschinen auf die Brücke müssten. „Das Sicherheitsrisiko will niemand eingehen.“

 Da für den Brückenabriss der Bahnverkehr gestoppt werden muss, hat die Stadt ohnehin nur 34 Stunden Zeit. Vorgesehen sind die Arbeiten an einem Oktoberwochenende. „Um rechtzeitig fertig zu werden, muss die Brücke in großen Teilen mit einem Bagger abgerissen werden“, erläuterte Reinbacher. Folge: Der Teer wird an den Abbruchteilen haften, die dann komplett als Sondermüll entsorgt werden müssen. Das erhöht die Kosten drastisch. Reinbacher wagte keine genaue Prognose. Bisher waren die Abbruchkosten auf gut 70000 Euro geschätzt worden. „Damit werden wir bei Weitem nicht auskommen“, sagte der Behördenleiter. Allein die Deponierungskosten würden sich wohl mehr als verdoppeln.

 Prompt kam im Bauausschuss die Diskussion über Sinn und Unsinn des Abrisses auf. Entdeckt wurden die Schäden an dem 116 Jahre alten Bauwerk eigentlich nur durch einen Irrtum. Im Frühjahr 2014 hatte das Bauamt nach einem heftigen Gewitterregen Experten mit Untersuchungen beauftragt, weil es aussah, als wären die Fundamente unterspült worden. Wie sich herausstellte, war das aber gar nicht der Fall. Die Brücke sollte lediglich für schwere Trecker gesperrt und soweit wie möglich instandgesetzt werden. Dann folgten weitere Untersuchungen, die ergaben, dass der Putz vom Bauwerk bröckelt, weil der darunter liegende Beton rissig ist. Für Reinbacher gibt es seitdem nur eine Lösung: den Abbruch. „Die Brücke wird zwar nicht zusammenbrechen, wenn wir sie für Fußgänger und Radfahrer stehen lassen. Es besteht aber die Gefahr, dass größere Putzteile aufs Bahngleis fallen, ein hohes Sicherheitsrisiko.“

 SPD-Stadtverordneter Jan-Uwe Schadendorf schlug vor, die Brücke mit Stahlplatten zu sichern, um den Abriss noch „zehn Jahre zu schieben“. Andere wollten Netze spannen, damit nichts aufs Gleis fällt.

 Aber auch Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach lehnt solche Überlegungen ab. „Wir dürfen den Bahnverkehr nicht gefährden.“ So bleibt es beim Abriss im Oktober.

 Keine gute Nachrichten auch für die bereits seit anderthalb Jahren fehlende Ernst-Friedrich-Harm-Brücke. Sie war nach dem Weihnachtshochwasser 2014 aus Sicherheitsgründen abgerissen worden. Seitdem ist der Fußweg zwischen Sommerland und Altonaer Straße unterbrochen. Nun sollte eine 24 Meter lange Brücke über die Hudau gebaut werden. Sie wird so lang, weil sie durch Auflagen der Kreiswasserbehörde diagonal den Fluss überqueren muss und die Stützen nicht in die Uferböschung gesetzt werden dürfen. Die Kosten waren auf 270000 Euro geschätzt worden, was den Bauausschussmitgliedern schon Bauchschmerzen bereitete. Die Ausschreibung ergab nun aber, dass „die 300000 Euro geknackt werden“, wie Kütbach es formulierte.

 Das war den Kommunalpolitikern zu viel. „Wir sollten die Brücke nicht um jeden Preis bauen“, meint Bauausschussvorsitzender Volker Wrage (CDU). Reinbacher schlug vor, die Ausschreibung im Winter zu wiederholen, weil dann die Preise in der Baubranche erfahrungsgemäß deutlich niedriger lägen. Auch will er noch einmal prüfen, ob das Bauwerk etwas versetzt werden kann, damit die Brücke kürzer ausfällt. So soll nun auch verfahren werden.

 Klaus-Dieter Hinck (SPD) hatte ins Gespräch gebracht, entlang der Ostseite der Hudau einen Fußweg bis zur Schlossbrücke anzulegen. Dann müssten Passanten einige hundert Meter Umweg in Kauf nehmen, auf den teuren Brückenbau könnte aber verzichtet werden. Reinbacher hält das nicht für möglich. Die Ufergrundstücke auf der Ostseite der Hudau sind in Privatbesitz. „Da wird wohl niemand verkaufen wollen.“

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