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Die Erinnerung braucht noch Zeit

Bad Bramstedt Die Erinnerung braucht noch Zeit

Zwei Gedenktafeln sollen schon seit einem Jahr auf dem Bleeck stehen - eine für ein Opfer aus der Nazi-Zeit, eine andere als Information zum historischen Pflaster der Chaussee nach Altona aus dem 19. Jahrhundert. Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach sicherte zu, dass sie noch aufgestellt werden.

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Nur noch ein kleiner Rest ist vom historischen Pflaster übrig. Was es damit auf sich hat, soll demnächst auf einer Erläuterungstafel stehen.

Quelle: Einar Behn

Bad Bramstedt. In Bad Bramstedt wird gerne gelästert, dass ja vieles ein bisschen länger dauert. So ist es hier auch. Eine der beiden Tafeln soll an Hamid Chamido erinnern, einen KZ-Insassen aus der Sowjetunion, der am 13. April 1945 „auf der Flucht erschossen“ wurde, wie es in der Sterbeurkunde heißt. Er war mit dem sogenannten Todesmarsch von Häftlingen des KZ Hamburg-Fuhlsbüttel nach Bad Bramstedt gekommen. Kurz vor Kriegsende hatten die Nazis die Häftlinge vor den herannahenden Alliierten verbergen wollen. Mit tagelangen Märschen, die viele nicht überlebten, wurden sie in andere Lager gebracht, die noch weiter von der Frontlinie entfernt waren. Der Todesmarsch auf der Reichsstraße 4 führte nach Kiel zum Arbeitserziehungslager Nordmark. Chamido wurde bei den damaligen Mergelkuhlen im Bissenmoor erschossen, die heutigen Angelteiche an der Bundesstraße 4. Was dort genau passierte, ist nicht bekannt. Der Leichnam wurde noch am selben Tag auf dem Bad Bramstedter Friedhof beerdigt.

 2015 jährte sich dieser Todesmarsch zum 70. Mal. Das war der Anlass für den Verein Christliche Israelfreunde Norddeutschland, einen „Marsch des Lebens“ zu unternehmen, der auch durch Bad Bramstedt führte. Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach sicherte den Gästen zu, sich für eine Erinnerungstafel einzusetzen. Das tat er auch und bekam dafür vom zuständigen Kulturausschuss im Juli letzten Jahres großen Applaus. Die Tafel, so beschloss der Ausschuss, sollte an zentraler Stelle auf dem Bleeck aufgestellt werden, in etwa dort, wo auch die zweite Erinnerungstafel hin soll: neben dem historischen Pflaster.

 Es war im letzten Jahr bei den Umbauarbeiten auf dem Marktplatz entdeckt worden. Es ist das Originalpflaster der Mitte des 19. Jahrhunderts gebauten Chaussee von Altona nach Kiel, der ersten befestigten „Kunststraße“ im damals noch dänischen Holstein. Nachdem die SZ über den Fund des großflächig vorhandenen, aber überasphaltierten Pflasters berichtet hatte, schaltete sich Schleswig-Holsteins oberster Denkmalschützer, Landeskonservator Dr. Michael Paarmann, ein. Er fuhr nach Bad Bramstedt und verabredete mit dem wenig begeisterten Bauamtsleiter Udo Reinbacher, ein Stück des Originalpflasters zu erhalten.

 Ganz so kam es dann doch nicht. Zum Entsetzen des Landeskonservators beließ die Stadt das Pflaster nicht an Ort und Stelle, sondern verlegte ein rund 16 Quadratmeter großes Stück an für sie geeigneter Stelle neu. Seitdem hat sich wohl mancher Passant gewundert, warum es diese Granitsteine zwischen all dem Betonpflaster gibt. Der Planungsausschuss hatte allerdings beschlossen, dazu eine Erklärungstafel aufzustellen.

 Beide Hinweisschilder fehlen bis heute. Kütbach erklärte der SZ: „Wir hatten festgelegt, dass die Erinnerungstafel zum Todesmarsch, auch aus pädagogischen Gründen, nicht extern in Auftrag gegeben wird, sondern im Rahmen eines Schulprojekts zusammen mit unserem Stadtarchivar entsteht.“ Die Abstimmungsgespräche hätten länger gedauert als gewünscht. Stadtarchivar Manfred Jacobsen und die Jürgen-Fuhlendorf-Schule hätten aber bestätigt, mit dem Projekt zu Beginn des neuen Schuljahres zu beginnen. „Mir persönlich ist es durchaus wichtig, dass es trotz aller berechtigter Ungeduld bei der Einbindung von Schülerinnen und Schülern bleibt“, sagte Kütbach.

 Und zur Infotafel zu den alten Pflastersteinen erklärte der Bürgermeister: „Sie ist in Arbeit.“ Im Oktober soll nach seinen Worten in der Altonaer Straße, die auch zu der alten Chaussee gehört und unter Denkmalschutz steht, eine „Baumpflanzaktion“ mit dem Schleswig-Holsteinischen Heimatbund stattfinden. „Damit soll an die historische Chaussee erinnert werden. Ich habe entschieden, dass dann auch die symbolische Enthüllung dieser Info-Tafel erfolgen wird. Das erscheint mir der passende Rahmen zu sein“, sagte Kütbach.

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