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Die Kirchengeschichte als Buch

Bad Bramstedt Die Kirchengeschichte als Buch

Die erste urkundliche Erwähnung der Maria-Magdalenen-Kirche fällt ins Jahr 1316. Das ist 700 Jahre her. 2016 ist also ein Jubiläumsjahr. Eine Gruppe von Kieler Wissenschaftlern hat ein Buch zur Geschichte des Gotteshauses geschrieben, das im Juli zur Festwoche erscheinen soll.

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Das Autorenteam vor dem Altar in der Maria-Magdalenen-Kirche: Dr. Katja Hillebrand (Thema: Kunst und Baugeschichte), Prof. Dr. Oliver Auge (Herausgeber), Knut Kollex (Neuzeit) und Stefan Magnussen (frühe Neuzeit). Nicht auf dem Foto ist Nadine Albers (Mittelalter).

Quelle: Einar Behn

Bad Bramstedt. Pastor Rainer Rahlmeier hatte sich an den Kieler Regionalhistoriker Prof. Dr. Oliver Auge gewandt, mit der Bitte, die Geschichte der Kirche aufzuarbeiten. Auge scharte ein Team junger Wissenschaftler um sich, das sich an eine aufwendige Forschungsarbeit machte. Vor allem für die Zeit vor der Reformation (1517), mit der sich Nadine Albers beschäftigte, ist die Quellenlage dünn. „Da blieben Fragezeichen“, sagte Professor Auge, der auch Herausgeber des Buches ist. Vieles ließe sich nur ableiten aus anderen Quellen, weil das Kirchenleben in der Region wohl überall sehr ähnlich sei. Wer die Maria-Magdalenen-Kirche betritt, findet auf der linken Wand ein hölzernes Jesus-Kreuz. „Das ist das Triumphkreuz“, erläuterte Katja Hillebrand, die sich mit der Kunst- und Baugeschichte befasste. „In vor-reformatorischer Zeit war der Altarbereich viel größer und wurde mit solchen Triumphkreuzen von den Kirchenbesuchern abgetrennt“, weiß die Wissenschaftlerin. Wahrscheinlich hing es mitten in der Kirche von der Decke herab.

 Der Altar der Maria-Magdalenen-Kirche stammt noch aus katholischer Zeit. Allerdings hat auch er nicht immer im Gotteshaus gestanden. 1878 wurde er abgebaut, Teile von ihm an die Wand gehängt. Ein Altar, der mehr dem Geschmack im Kaiserreich entsprach, wurde aufgestellt. Erst 1954 brachte dann Pastor Carl-Heinrich Pfeiffer den alten Altar wieder an seine Stelle. Der Altar aus der Kaiserzeit befindet sich heute im Saal des Gemeindehauses im Schlüskamp.

 Auch die Kanzel an der Nordwand steht für eine geschichtliche Epoche. Nach der Reformation änderte sich die Gottesdienstform. Der Altarbereich wurde verkleinert, der Pastor predigte von der Kanzel herab. „Die Gottesdienste dauerten drei Stunden“, berichtete Stefan Magnussen, der die Geschichte der Maria-Magdalenen-Kirche in der frühen Neuzeit erforscht hat. In dieser Zeit kamen auch die Bänke in die Kirche, vorher wurde gestanden.

 Knut Kollex widmete sich der Neuzeit und damit auch dem dunkelsten Kapitel der Kirchen- und Stadtgeschichte: der Zeit des Nationalsozialismus. Anders als Kaltenkirchen war die Kirchengemeinde Bad Bramstedt kein Hort der Nazis. „Man muss zwischen den Zeilen lesen, um festzustellen, dass die Gemeinde damals auch ihre Freiräume behielt“, erklärt Kollex. Die Quellenlage ist für diese Zeit allerdings nicht vollständig. Die Kirchenchronik, die der Pastor damals führte, ist verschwunden. Viele Bad Bramstedter wandten sich nach 1933 von der Kirche ab, gingen lieber zu den Parteiveranstaltungen als zum Gottesdienst. Die Zahl der Kirchenaustritte hatte ihren Höhepunkt 1939. „Im Krieg kippte die Stimmung“, weiß Kollex. „Mit zunehmender Not gingen die Leute wieder in die Kirche. 1946 gab es so viele Konfirmanden wie nie zuvor“, hat der Historiker festgestellt.

 Pastor Martin Christiansen, mit Unterbrechungen wegen des Kriegsdienstes von 1937 bis 1951 in Bad Bramstedt tätig, war kein Widerständler, hatte aber wohl doch eine reservierte Haltung gegenüber den Nazis. Als 1942 eine Bombe auf den Bleeck fiel und zehn Todesopfer forderte, hielt Christiansen gegen den Willen der NSDAP einen Trauergottesdienst ab. Kurz darauf wurden die Kirchenglocken einkassiert, um sie für die Rüstung einzuschmelzen.

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