20 ° / 16 ° Regenschauer

Navigation:
Die Tafel kommt nicht hinterher

Bad Bramstedt Die Tafel kommt nicht hinterher

Nicht nur mehr freiwillige Helfer stehen auf Sabine Baumbachs Wunschzettel. Die Vorsitzende der Bramstedter Tafel hätte gerne zusätzlich auch mehr Unterstützung von der Stadt. „Immerhin versorgen wir alle Flüchtlinge mit, die die Stadt zu uns schickt“, sagt sie.

Voriger Artikel
Droh-Mail: Absender unbekannt
Nächster Artikel
Streit um den Fußballrasen

Sabine Baumbach (von links) gibt Thiemo Schinck und Olli Breitfeld Waren ab, die sie nicht losgeworden ist. Die beiden kommen aus Kellinghusen, wo sie eine ähnliche Einrichtung betreiben.

Quelle: Sylvana Lublow

Bad Bramstedt. Es ist Donnerstagvormittag, kein Ausgabetag in der Tafel Bad Bramstedt, und trotzdem herrscht Betrieb in der Kantstraße 46. „Ich bin eigentlich jeden Tag hier“, sagt Sabine Baumbach und hievt eine grüne Plastikkiste mit eingeschweißten Bratwürsten vom Tisch. Die 54-Jährige leitet die Tafel seit zweieinhalb Jahren. „Wir haben eine große Wurst- und Fleischspende bekommen. Das ist gute Tauschware“, sagt sie. Zwei Männer von einer Tafel-ähnlichen Organisation aus Kellinghusen sind gerade da, um einige Wurstkisten abzuholen. „Ohne Tauschhandel mit den benachbarten Tafeln wären wir schon am Ende“, sagt Baumbach. Was die eine Tafel zu viel hat, bekommt eine andere. „Das läuft fantastisch.“

 Doch Grund zur Euphorie hat Baumbach keinen, im Gegenteil. Sie nimmt sich kurz Zeit für das Gespräch, später muss sie noch mit einer anderen Helferin zur Kaltenkirchener Tafel fahren, um Waren abzuholen. Es ist kalt in den gefliesten Räumen, selbst im Gemeinschaftsraum der Helfer. „Wir müssen sparen, die Heizung läuft nur selten.“ Einen kleinen Heizlüfter an der Wand stellt sie trotzdem an.

 „Wir kommen mit den Lebensmitteln nicht hinterher“, sagt Baumbach und atmet tief durch: „Ich kann die Leute ja nicht nur mit einem Toast und einer Tomate abspeisen.“ Als sie den Vorsitz der Bad Bramstedter Tafel übernahm, kamen rund 130 Bedürftige, erzählt sie. „Heute sind es 330 Familien!“ Grund für den hohen Anstieg ist die Flüchtlingssituation. 240 Asylsuchende sind bei der Tafel registriert. „Das Problem ist, dass wirklich jedes Amt die Leute zur Tafel schickt“, sagt Baumbach. Die Flüchtlinge halten die Tafel sogar für einen Teil des Sozialamtes. Dass es sich um eine wohltätige Initiative handelt, die nur durch Spenden und ehrenamtliche Helfer aufrecht erhalten wird, würden die meisten nicht wissen.

 Jede Woche kommen 10 bis 20 neue Anmeldungen. „Die kann ich alle gar nicht mehr aufnehmen“, sagt die Leiterin. Wer gelistet ist, bekommt eine Tafel-Karte und wird zuerst bedient. Wer nicht gelistet ist, muss nehmen, was übrig bleibt. „Die Leute kommen nicht nur aus Bad Bramstedt, sondern auch aus den Dörfern ringsum zu uns. Dabei gibt es nur sechs Supermärkte, von denen wir Waren abholen können“, erklärt Baumbach die Misere. Private Spenden werden deshalb mit offenen Armen angenommen, kommen aber nicht sehr häufig. „Vor Kurzem hat ein anonymer Spender für uns 200 Euro bei Edeka gelassen. Davon haben wir Milch und Öl gekauft“, erzählt die 54-Jährige.

 Eines der beiden Tafel-Autos kommt an. Zwei Helferinnen waren bei fünf Supermärkten, doch die Ausbeute ist nicht groß. 22 grüne Kisten, gefüllt mit Brot und Gemüse. Eine Kiste enthält braungefleckte Bananen. „Das müssen wir nach Großenaspe bringen. Bis nächsten Dienstag wären die Lebensmittel schon schlecht“, sagt Baumbach. Ein Drittel der Lebensmittel müssen die Helfer ohnehin ausrangieren. „Da ist immer was Matschiges dabei. Das kann man nicht mehr anbieten.“ In Großenaspe hat die Tafel eine zusätzliche Ausgabestelle, die von 60 Familien genutzt wird. Die Lieferungen und die täglichen Fahrten zu den Supermärkten werden von 13 freiwilligen Fahrern übernommen.

 Am Bad Bramstedter Ausgabetresen stehen mit Sabine Baumbach fünf Frauen. „Das ist zu wenig. Ich habe mal ausgerechnet, dass sich jede Helferin pro Kunde 26 mal bücken muss, um die Waren auszugeben. Bei 40 Kunden ist man abends so platt, da kann man nicht mehr.“ Hinzu kommt, dass die Helferinnen über 60, teils sogar über 70 Jahre alt sind. „Schön wäre es, so viele Helfer zu haben, dass jeder nach anderthalb Stunden eine Pause machen kann“, sagt Baumbach.

 Gemüse, Obst und Toastbrot – mehr nehmen die Flüchtlinge der Tafel kaum ab. „Sie haben kein Vertrauen in unsere Wurst und auch nicht in unsere Milchprodukte“, ist Baumbach aufgefallen. Und gerade Gemüse sei Mangelware bei der Tafel. „Wir müssen auch vorsichtig sein gegenüber unseren anderen Kunden. Einige haben sich schon vernachlässigt gefühlt. Sie denken, dass wir die Flüchtlinge ihnen vorziehen.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
KSV-Liveticker!

KSV-Spielstand online
verfolgen, mit dem
KN-KSV-Liveticker

Events: Segeberg

Veranstaltungen in
Segeberg. Aktuelle
Termine, News, Infos

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Segeberg 2/3