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Ein Jahr Flüchtlingshilfe

Bad Bramstedt Ein Jahr Flüchtlingshilfe

Gut ein Jahr ist es her, dass Deutschland über den Balkan kommende Flüchtlinge aufnahm. Seitdem sind im Raum Bad Bramstedt eine Vielzahl von ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern im Einsatz. Bei ihrem jüngsten Erfahrungsaustausch zogen sie eine überwiegend positive Bilanz.

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Sie treffen sich unregelmäßig als nicht organisierte Gruppe, um sich über ihre ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit auszutauschen: (von links) Margaret Öhlmann (Mönkloh), Hans Arns (Bad Bramstedt), Jörn Zierau (Hagen) Jürgen Peter (Hitzhusen), Bettina Bannes-Grewe (Bimöhlen) und Astrid Weidner (Mönkloh)

Quelle: Uwe Straehler-Pohl

Mönkloh. „Der Möglichkeiten der Betreuung in einer Stadt oder in einem Dorf sind recht unterschiedlich“, hat Jörn Zierau festgestellt. Der frühere Amtswehrführer lebt in Hagen, wo er sich um eine Familie aus Afghanistan kümmert. „Für Flüchtlinge, die auf dem Dorf einquartiert wurden, ist es sehr schwierig, an Deutschkursen teilzunehmen“, sagte Zierau. Dazu müssten sie ja irgendwie nach Bad Bramstedt kommen. „Deutschlernen ist aber gerade ein wichtiger Aspekt zur Integration“, betont Zierau. Immerhin sei mittlerweile ein Gemeinschaftstransport eingerichtet, der Kindergartenkinder aus den Dörfern zu einer täglichen Deutschstunde nach Bad Bramstedt bringt. „Bei den Kindern sind schon nach kurzer Zeit gute Fortschritte zu beobachten“, hat Zierau bei seiner fünfköpfigen afghanischen Familie beobachtet. Auch mit der Integration klappe es allmählich. Die ausländischen Kinder würden auch schon mal zu Kindergeburtstagen eingeladen. Und Zierau selbst findet es einfach nur schön, wenn „die Kinder mich beim Namen rufen und angerannt kommen“.

 Jürgen Peter aus Hitzhusen berichtete, er habe für einen anerkannten Asylbewerber eine Ausbildungsstelle in Handwerksbetrieben gesucht. „Bis auf eine Ausnahme bin ich auf sehr viel positive Resonanz in den Firmen gestoßen.“ Der junge Flüchtling, der in Wiemersdorf lebt, habe schließlich eine Tischlerlehre in Henstedt-Ulzburg beginnen können. Doch dann gab es ein Veto von der Arbeitsagentur, weil der Flüchtling auf ihrer Vermittlungsliste steht. Zunächst müsse geprüft werden, ob nicht ein EU-Bürger für die Lehre infrage komme. Der habe Vorrang. Der Ausgang der Angelegenheit ist noch offen. Möglicherweise waren Peters Bemühungen also vergeblich. Insgesamt habe er bei seiner Betreuungsarbeit festgestellt, dass die Motivation der Flüchtlinge sich zu integrieren, stark von den Chancen abhänge, hier bleiben und sich in Deutschland eine Zukunft aufbauen zu können. Eine realistische Erwartungshaltung an die Flüchtlinge sei zudem wichtig. Die meisten kämen aus einem vollständig anderen Kulturkreis. Sie müssten sich erst einmal mit deutschen Sitten vertraut machen. Wenn im arabischen Raum beispielsweise zwei Gäste zum Essen eingeladen sind, aber zehn kommen, so sei das kein Problem. „Im Gegenteil, der Gastgeber freut sich. Ich habe meinem Gesprächspartner klar gemacht, dass das in Deutschland nicht so gut ankommt.“ Solche unterschiedlichen Bräuche und Denkweisen könnten schnell zu Missverständnissen führen, sagte Peters.

 Flüchtlingshelferin Astrid Weidner aus Mönkloh fand, die Sitten und Gebräuche seien manchmal etwas „befremdlich“. Insgesamt sei es aber eine positive Erfahrung, durch den persönlichen Kontakt andere Kulturen kennenzulernen. Auch alle anderen in der Runde bestätigten die Gastfreundschaft der Syrer, Afghanen oder Afrikaner. „Das kann aber auch viel Zeit in Anspruch nehmen“, so die Erfahrung von Bettina Bannes-Grewe aus Bimöhlen. „Die Gastfreundschaft und der Gesprächsbedarf sind teilweise sehr intensiv.“ Die Menschen seien ihr dadurch aber auch ans Herz gewachsen. An die Behörden richtete Bannes-Grewe den Wunsch, Schreiben an die Asylbewerber verständlicher zu halten.

 Magret Öhlmann aus Mönkloh berichtete, sie habe „bei Ärzten und Krankenkassen durchweg positive Erfahrungen gesammelt.“ Krankenkassen-Mitarbeiter hätten sich sehr kooperativ gezeigt und auch nach unkonventionellen Möglichkeiten gesucht. Ähnliches berichtete sie von der Verwaltung des Amtes Bad Bramstedt Land, mit der die Zusammenarbeit immer sehr gut laufe. Und Hans Arns, als Mitglied der Linken sonst sicherlich kein Anhänger der Bundeskanzlerin, bekräftigte, dass trotz aller Schwierigkeiten der Satz „wir schaffen das“ richtig gewesen sei. Es gebe schließlich auch gar keine Alternative.

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