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Fairer Handel – zweiter Anlauf

Bad Bramstedt Fairer Handel – zweiter Anlauf

Die Stadtverordnetenversammlung hat ihren bereits vor einem Jahr gefassten Beschluss erneuert, die Anerkennung als Fairtrade-Town zu beantragen – quasi ein zweiter Anlauf, denn viel geschehen ist in den letzten zwölf Monaten nicht.

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Dirk Möller, Inhaber des Edeka-Marktes in der Hamburger Straße, hat rund 100 Fairtrade-Produkte in seinem Sortiment. „Bewusstes Einkaufen ist heute ein großes Thema“, sagt er. Deshalb hat er ein umfangreiches Bio-Programm und viele Produkte von Produzenten aus der Region in seinem Geschäft.

Quelle: Einar Behn

Bad Bramstedt. Verliehen wird der Titel von der in Köln ansässigen Organisation Fairtrade Deutschland, ein „Verein zur Förderung des Fairen Handels mit der Dritten Welt“, wie er sich offiziell nennt. Die Vereinigung zeichnet Artikel mit ihrem Fairtrade-Siegel aus, wenn die Importeure den Erzeugern in den Entwicklungsländern auskömmliche Preise bezahlen. Um den fairen Handel zu fördern, können sich Kommunen als Fairtrade-Towns anerkennen lassen. 406 deutsche Städte haben dieses Prädikat bereits. Sie müssen fünf Kriterien erfüllen.

 Das erste ist der Ratsbeschluss. Den hatte die Stadtverordnetenversammlung bereits vor genau einem Jahr gefällt. Lange Zeit schlummerte die Angelegenheit im Rathaus. Dann stieß Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach auf ein, wenn auch lösbares, Problem: Während der Sitzungen der politischen Gremien dürfen ausschließlich fair gehandelte Produkte ausgeschenkt werden, in der Regel Kaffee oder Tee. Doch die Kommunalpolitiker bekommen meistens nur Mineralwasser auf den Tisch gestellt, das gar kein Fairtrade-Siegel bekommen kann. Lediglich bei den viermal im Jahr stattfindenden Stadtverordnetenversammlungen gibt es auch Kaffee. Ein Dilemma, das nun nach Rücksprache mit der Initiative in Köln gelöst ist. „Wir können auch weiterhin Mineralwasser trinken“, sagte Kütbach. Allerdings müsse die Stadt dann bei anderen öffentlichen Veranstaltungen, wie Empfängen, auf fair gehandelte Lebensmittel zurückgreifen.

 Das zweite Kriterium ist die Bildung einer mindestens dreiköpfigen Steuerungsgruppe. Ihren Mitwirkungswunsch haben bisher nur zwei Bad Bramstedter erklärt. Kütbach ist jedoch zuversichtlich, einen dritten Freiwilligen zu finden. Er habe bereits erfolgversprechende Kontakte. „Stadtverordnete können das auch übernehmen, aber die Breitenwirkung wäre besser, wenn die Mitglieder direkt aus der Bürgerschaft kämen“, meint der Bürgermeister.

 Das dritte Kriterium zu erfüllen, ist zumindest zum Teil bereits geschehen. Der Bad Bramstedter Einzelhandel bietet eine Fülle von fair gehandelten Waren an. Allein Dirk Möller hat in seinem Edeka-Markt über 100 Produkte mit der Kennzeichnung. Aber auch mindestens zwei Gaststätten müssen solche Produkte anbieten. „Wir werden noch einmal Rücksprache mit dem Bürger- und Verkehrsverein halten, damit auch diese Bedingung erfüllt wird“, so Kütbach. In mindestens einer Schule, einem Verein oder einer Kirchengemeinde müssen die Waren ebenfalls verwendet werden. Auch das dürfte keine große Hürde sein.

 Das vierte Kriterium fordert die Mitwirkung der Zivilgesellschaft. Es sollen Bildungsaktivitäten und Kampagnen zum Thema fairer Handel gestartet werden, damit möglichst viele ihr Einkaufsverhalten ändern. Die Erfüllung dieser Bedingung ist folglich erst nach der Anerkennung möglich. Bisher gibt es allerdings ein Bekenntnis der Stadtverantwortlichen dazu. Ebenfalls in die Zukunft gerichtet ist die Erfüllung des fünften Kriteriums: Die Einbeziehung der Medien. Diese sollen mindestens viermal im Jahr über die Initiative berichten. Die Steuerungsgruppe muss also entsprechende Öffentlichkeitsarbeit leisten.

 Wenn die Steuerungsgruppe komplett ist, will der Bürgermeister bei der Initiative in Köln Vollzug melden. Er hofft dann die Anerkennung zügig zu erhalten. „Wir wollen aber nicht nur an den Ortseingängen ein weiteres Schild anbringen, sondern die Sache auch mit Leben erfüllen“, versichert Kütbach. „Dabei muss die Bewusstseinsbildung im Mittelpunkt stehen.“ Die Anerkennung wird nicht unbefristet verliehen. Die Stadt muss alle zwei Jahre nachweisen, dass sie die Kriterien noch erfüllt.

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