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Flüchtlinge bringen gute Mieten

Bad Bramstedt Flüchtlinge bringen gute Mieten

Die Auseinandersetzung um Wuchermieten für zwei Flüchtlingshäuser wird immer facettenreicher. Anders als von der Stadtverwaltung angegeben, wird nicht nur umgebaut, es wird praktisch das komplette Grundstück bebaut, sehr zum Ärger der Nachbarn. Die hohen Mieten sind übrigens kein Einzelfall.

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Nicht die beste Wohnlage: Für die Wohnung über dem Geschäft „Mr. B.“ bezahlt die Stadt trotzdem 2500 Euro Miete.

Quelle: Einar Behn

Bad Bramstedt. Liane Knödler (46), die mit ihrem Mann Thomas direkt neben den beiden für Flüchtlinge vorgesehenen Häusern im Großenasper Weg wohnt, hat bereits einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Denn mit der Idylle im Großenasper Weg ist es nach ihrer Ansicht erst einmal vorbei. 25 Asylbewerber will die Stadt in den beiden Nachbarhäusern einquartieren. Mindestens sechs wohnen bereits im vorderen Haus auf dem Grundstück. „Alles sehr nette Leute“, sagt Liane Knödler. Ihr geht es auch nicht darum, ob Ausländer in die Nachbarschaft ziehen oder Deutsche. Allein die Anzahl sei in dieser Einfamilienhaussiedlung nicht akzeptabel, meint sie.

 Es wird voraussichtlich nicht einmal bei den 25 neuen Nachbarn bleiben. Der Eigentümer, der die beiden Häuser Großenasper Weg 7 und 7a vor einigen Jahren gekauft hatte, baut nicht nur die Gebäude um, wie es zunächst von Seiten der Stadtverwaltung geheißen hat. Er bebaut praktisch das ganze Grundstück mit Anbauten und einem dritten Haus, um einige Wohnungen auch auf dem freien Markt zu vermieten. „Das ist alles im Rahmen des Bebauungsplanes zulässig“, sagt Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach.

 Der Eigentümer wird laut Kütbach nur einen Teil der Neubauten und des vorderen Altbaus an die Stadt vermieten. Das aber zu horrenden Mieten: 6500 Euro pro Monat.

 Kütbach betont, dass die Stadt keine andere Chance gehabt habe, als solche Mietverträge zu unterschreiben. Diese Vereinbarung war im Dezember 2015 abgeschlossen worden, ein Ende des Flüchtlingsstromes war da nicht absehbar. „Für uns war das Mieten die kostengünstigste Variante“, sagt der Bürgermeister. Andernfalls hätte die Stadt Immobilien kaufen und auf eigene Rechnung umbauen müssen. „Später wären wir sie möglicherweise nicht wieder losgeworden.“

 Ganz anders sieht das der SPD-Stadtverordnete Jan-Uwe Schadendorf, der aus Protest gegen die hohe Miete aus der „Task Force Flüchtlinge“ ausgestiegen ist. Sie war zur Hochzeit des Flüchtlingsstromes von Kommunalpolitik und Stadtverwaltung eingerichtet worden, um die Unterbringung der Asylbewerber zu regeln. Schadendorf hatte schon mehrfach darauf gedrungen, Immobilien zu kaufen, um sich solchen Wuchermieten zu entziehen. Die Stadt bezahle allein für die Immobilien Großenasper Weg 7 und 7a in drei Jahren mehr, als die Häuser vor einigen Jahren gekostet hätten.

 Der Segeberger Zeitung liegen mittlerweile noch weitere Beispiele von Wuchermieten vor, die von der Stadtverwaltung streng unter Verschluss gehalten werden. Im Landweg bezahlt die Stadt für die Wohnung über dem Bekleidungsgeschäft „Mr. B.“ (früher Stern-Apotheke) 2500 Euro Monatspacht für rund 120 Quadratmeter. An der Ecke Hamburger Straße/Königsweg hat sie ein Haus mit 140 Quadratmetern Wohnfläche für 3000 Euro gemietet, im Ochsenweg ein 200-Quadratmeter-Haus für ebenfalls 3000 Euro im Monat. Ortsüblich wäre etwa ein Drittel dieser Mieten.

 Die hohen Beträge muss die Stadt nicht selbst aufbringen. Sie bekommt pro Flüchtling Unterbringungspauschalen vom Kreis Segeberg, die an die Vermieter durchgereicht werden. Folge: Je mehr Flüchtlinge in einer Wohnung leben, desto höher die Mietforderung.

 Liane Knödler konnte per Rechtsanwalt durchsetzen, dass der Nachbar wenigstens einen 1,50 Meter hohen Sichtschutz zwischen den Grundstücken ziehen muss. Noch härter als sie trifft es Haary Büchse. Er wohnt in einer kleinen Wohnung in dem Altbau Großenasper Weg 7, „seit 19 Jahren“, wie er sagt. Miete: 412 Euro warm. Der neue Hauseigentümer hatte ihm die Kündigung geschickt, Büchse geht mit einem Rechtsanwalt dagegen an. Er vermutet, dass auch in seine Wohnung im Parterre Asylbewerber einziehen sollen. Laut Kütbach hat die Stadt die Wohnung von Büchse allerdings nicht gemietet. Für die Flüchtlinge, mit denen er Tür an Tür wohnt, findet er nur nette Worte: „Das sind alles ganz liebe Jungs.“ Dennoch bringen ihn die für Hauseigentümer lukrativen Mietzahlungen der Stadt in Rage. Büchse: „Es kann doch nicht sein, dass ich auf die Straße gesetzt werde, damit in meine Wohnung Flüchtlinge kommen.“

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