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Freundschaften dringend gesucht

Bad Bramstedt Freundschaften dringend gesucht

Der Flüchtlingsstrom nach Deutschland hat mittlerweile nachgelassen. Die Kommunen im Kreis Segeberg haben ihre Quoten erfüllt. Doch wie sieht es anderthalb Jahre nach dem großen Ansturm mit der sogenannten Willkommenskultur der Deutschen aus?

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Mutter Mhsoma Alramo (35) und ihre entzückenden Kinder Andreas, Sima und Lorin (von links) wünschen sich mehr Kontakte zu Deutschen, Steffanie Schärmann ist Flüchtingskoordinatorin in Bad Bramstedt.

Quelle: Sylvana Lublow

Bad Bramstedt. Etwas müde ist die Willkommenskultur  geworden, aber noch nicht eingeschlafen. Das ist zumindest die Auffassung der Bad Bramstedter Flüchtlingskoordinatorin Steffanie Schärmann und des Flüchtlingsbeauftragten Hans Arns für Bad Bramstedt-Land.

„Wir haben immer noch viele Ehrenamtler, die wirklich einen guten Job machen. Aber es gibt auch Flüchtlingsfamilien, bei denen freiwillige Betreuer abgesprungen sind, weil es zeitlich eben auch sehr anspruchsvoll ist“, berichtet Hans Arns. Vor allem für die Migranten auf den Dörfern sei es enorm wichtig, Kontakt zu Deutschen zu haben, so Arns.

Ehrenamtliche Betreuer werden den Flüchtlingen maximal sechs Monate lang zugewiesen. Sie helfen ihnen, sich in ihrer neuen Heimat zurechtzufinden. Wie viel Zeit sie dafür aufbringen, ist den Betreuern selbst überlassen. Nun ist bei vielen Flüchtlingen die betreute Zeit aber längst vorbei. Sie wissen, wo sie einkaufen können, haben Behördengänge hinter sich, die Kinder sind in Kitas oder Schulen untergebracht. Und danach? „Viele haben keine Kontakte zu Einheimischen, Freundschaften bestehen kaum“, so Arns, der sich aber genau das für die Flüchtlinge wünscht. „Integration braucht beide Seiten. Man kann nicht nur von den Migranten verlangen, dass sie sich integrieren und sie dann aber unter sich lassen.“ Wenn die Flüchtlinge mehr freundschaftliche Kontakte zu Deutschen pflegten, könnten sie auch schneller die Sprache lernen, ist Arns sich sicher.

Das glaubt auch Salah Mohamad. Der 50-jährige Syrer lebt mit seiner Familie, Ehefrau Mhsoma, Töchter Sima (5), Lorin (4) und Söhnchen Andreas (6 Monate) seit einem Jahr in Bad Bramstedt. Die Familie ist anerkannt und Salah Mohamad wartet auf einen freien Platz im obligatorischen Integrationskursus, der ihm erlaubt, sich danach einen Job zu suchen. „Ich möchte die Sprache lernen, arbeiten und Menschen kennenlernen“, sagt der 50-Jährige auf Englisch. Deutsch versteht er schon recht gut, traut sich die Aussprache aber noch nicht zu. Seine kleine Tochter Sima hilft ihm, ihr Deutsch ist nahezu perfekt, weil sie deutsche Freunde in der Kita hat.

„Salah gehört zu denen, die sehr bemüht sind, sich zu integrieren“, sagt Steffanie Schärmann, die fast jeden Flüchtling in Bad Bramstedt persönlich kennt. Für viele ist sie mittlerweile die einzige Ansprechpartnerin. Ihre Hilfe wird ihr gedankt: Schärmann kann sich vor Einladungen zum Essen oder zu Familienfeiern kaum retten. Auch sie wünscht sich für „ihre“ Flüchtlinge mehr freundschaftliche Bindungen zu den Bad Bramstedtern. „Ich bin auf der Suche nach einer Räumlichkeit, in der wir regelmäßig Begegnungen zwischen den Flüchtlingen und den Deutschen veranstalten können“, sagt sie. Bislang gibt es alle paar Wochen einen interkulturellen Nachmittag im Gemeindehaus der katholischen Kirche in der Holsatenallee und das interkulturelle Elterncafé im Gemeindehaus am Schlüskamp jeden Donnerstag ab 9.30 Uhr. Diese Einrichtungen nutzen Salah Mohamad und seine Familie auch häufig. „Aber wir benötigen noch mehr Möglichkeiten, wo Kontakte und Freundschaften geknüpft werden können“, sagt Schärmann.

Vereine machen es bereits vor: Jeden Donnerstagabend von 18.45 bis 20.15 Uhr empfängt Dennis Kölln im BT-Vereinshaus am Schäferberg Flüchtlinge, die Lust am Sport haben. Als Flüchtlingslotse des Landessportverbands ist es seine Aufgabe, die Migranten in den Sportvereinen zu integrieren. Hans Arns könnte sich auch vorstellen, Flüchtlinge in den ansässigen Chören mitsingen zu lassen. „Wir sollten mehr nach Gemeinsamkeiten schauen und nicht nur nach den Unterschieden“, appelliert er.

Für Ideen und Anregungen sind Hans Arns und Steffanie Schärmann immer offen. Erreichbar sind die Flüchtlingskoordinatoren unter 04192/20090 (Amt Bad Bramstedt-Land) und 04192/50647 (Bad Bramstedt).

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