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Gemüseanbau ist international

Bad Bramstedt Gemüseanbau ist international

Wie holt man Flüchtlinge und Migranten in eine Schrebergartenkolonie? Der Bad Bramstedter Verein der Gartenfreunde versuchte es zum dritten Mal mit einer Veranstaltung, die in Schleswig-Holstein selbst ein wenig fremdartig anmutet: mit einem Oktoberfest.

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Hartmut Zeuner (rechts) schlug mit André Günther beim Oktoberfest nach Kräften Nägel ins Bret.

Quelle: Jann Roolfs

Bad Bramstedt. Er ist eine deutsche Erfindung, er ist in Vereinen mit Statuten organisiert, hat ein Bundesgesetz und in Leipzig ein Museum: der Kleingarten. Immer wieder als spießig verrufen, erfreut er sich ungebrochener Beliebtheit.

 Knapp 60 Schrebergärtner und Gäste vergnügten sich im Vereinshaus am Fuhlendorfer Weg. Haxe und – für die muslimischen Gäste – Hähnchen wurden serviert und natürlich Oktoberfestbier vom Fass aus Maßkrügen. Die vollen Gläser hielten dann noch für einen Wettbewerb her, das Maßkrugstemmen: Wer am längsten ein volles Literglas am ausgestreckten Arm halten konnte, gewann einen kleinen Preis. Die Frauen traten mit halbvollen Krügen an.

 „Erntedank ist so abgegrast“, findet Elisabeth Krützmann, die Vorsitzende der rund 80 Gartenfreunde. Sie suchte eine Veranstaltung, bei der auch die ausländischen Parzellenpächter gut mitmachen konnten und war beim dritten Oktoberfest ihres Vereins mit dem Erfolg zufrieden. Von der Decke hingen Girlanden mit weiß-blau karierten Wimpeln, viele Männer trugen karierte Hemden oder Lederhosen, einige Damen zeigten im Dirndl Dekolleté. „Die Wurst, die schmeckt“ und „Oktoberfest – zicke zacke zicke zacke hoi hoi hoi“, dröhnte es aus den Boxen. Beim Maßkrugstemmen wurden die Wettbewerber lautstark angefeuert, das Finale wurde mit rhythmischem Klatschen und lautem Runterzählen begleitet, bis einer der Finalisten aufgab.

 Krützmann erzählt, dass die 68 Gärten der Herbert-Dröse-Kolonie im Norden der Stadt international bewirtschaftet werden: Rumänen, Türken und Deutsch-Russen bauen Gemüse an. Eine syrische Flüchtlingsfamilie hat vom Verein eine Parzelle gestellt bekommen. Bei einem arabischen Abend hatten im Vereinshaus bereits rund 200 Besucher gefeiert. Dass sich die Kleingärtner für andere Gebräuche geöffnet haben, zeigt sich auch beim Oktoberfest: Auf der Terrasse stehen zwei Wasserpfeifen und verbreiten ihr würziges Aroma.

 Inklusive Vereinsbeitrag kostet ein rund 400 Quadratmeter großer Kleingarten bei den Gartenfreunden rund 100 Euro pro Jahr. Die Fläche der Kolonie gehört der Stadt, der Verein pachtet sie und gibt sie an seine Mitglieder weiter. Bundeskleingartengesetz und Vereinsregeln legen fest, dass eine Laube inklusive Terrasse höchstens 24 Quadratmeter groß sein darf, Strom gibt es in den Hütten nicht, Übernachten ist nicht erlaubt. Laut Gesetz muss die Gartenfläche je zu einem Drittel für Gemüseanbau, Pflanzen und Freizeit genutzt werden. „Wir sind da ein bisschen freizügiger“, sagt Elisabeth Krützmann, „jeder soll sich in seinem Garten wohlfühlen.“ Die Rechnungsführerin Franziska Porath ergänzt: „Wichtig ist für uns, dass der Garten gepflegt aussieht“.

 Krützmann leitet den Verein seit sieben Jahren, in dieser Zeit sind alle Gärten permanent belegt. Vor allem Familien mit Kindern suchen einen Platz an der frischen Luft, berichtet sie.

 Wer bei den Gartenfreunden eintritt, bekommt ein pralles Vereinsleben dazu: Grillabend, Erntedank- und Adventskaffee, Silvesterfeier und inzwischen das Oktoberfest gehören fest in den Jahreskalender. Dienstags ist Spieleabend, dann kloppen die Männer Skat und die Frauen spielen Skip Bo. Freitags ist Stammtisch und sonntags Frühschoppen. Und: „Spontan ergibt sich auch immer etwas“, sagt die Vorsitzende.

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