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Gildefest mit Büttenrede

Bad Bramstedt Gildefest mit Büttenrede

Eine nicht ganz einfache Aufgabe stellte der Vorstand der Fleckensgilde dem Bürgermeister mit dem diesjährigen Gildebefehl. Hans-Jürgen Kütbach soll eine Karnevalsrede auf Platt halten. Nur rund zwölf Stunden hatte er Zeit, sich eine auszudenken. Am Dienstag war wieder Gildefest.

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Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach händigte den Schlossschlüssel an Ältermann Martin Wisy aus.

Quelle: Einar Behn

Bad Bramstedt. Die Herren in „swater Kledage“ inspizierten die Stadt und tanzten abends mit den Bürger um den Roland. Und mit Andreas Seller wurde dann auch noch – wie die Tradition es will – ein neuer Jüngster ausgerufen.

 „Schietwetter“ herrschte, und so kürzte der Vorstand der traditionsreichen Fleckensgilde die Inspektion des neu gestalteten Bleecks etwas ab. Auf der neuen Veranstaltungsfläche steht vor den Blumenbeeten eine lange Bank, auf der die Vorstandsriege tapfer Platz nahm, obwohl das Holz vom letzten Regenschauer noch nicht wieder getrocknet war. Die Bank geht auf den Gildebefehl im Jahr 2014 zurück. Damals hatte sich die Gilde eine Sitzgelegenheit um einen noch zu pflanzenden Gilde-Baum herum gewünscht. Ganz so kam es nicht. Die Stadt stellte die Bank vor den Baum, eine Säulen-Weißbuche. „Wir hätten die Bank ja auch gerne bezahlt, aber irgendwie kam das nicht zustande“, erzählte Gildemeister Ansgar Schroedter. Auf der Ostseite des Bleecks gibt es dann aber doch eine Bank, die ganz um einen, allerdings schon älteren, Baum herumreicht. Sie wurde mit Unterstützung von Bäckermeister Karl-Heinz Zarp und der Gildenstiftung aufgestellt.

 Doch anstatt sie in Augenschein zu nehmen, liefen die Herren, vor dem nächsten Regenschauer flüchtend, ins Rathaus. Die Jüngsten schenkten fleißig hochprozentigen Gildegeist aus. Wer den nicht wollte, durfte sich bei Andreas Schroedter an Pralinen bedienen. „Ich sitze ja an der Quelle“, verwies der Gildejüngste und Mitinhaber eines Geschenkeladens auf die Herkunft der Süßigkeiten.

 Am Dienstag nach Pfingsten hat traditionell die Gilde das Sagen. „Klock 8“ war die Vorstandsriege morgens im Schloss erschienen, wo Bürgermeister Kütbach nach alter Sitte den Stadtschlüssel für einen Tag abgeben musste. Anschließend erhielt er den Gildebefehl. Der Bürgermeister soll „uns Gillvörstand een Reekenschaftsbericht op Platt holen, jüst as so’n Büttenreed – Riemels un so, dat wie wat to Högen hebbt“, las Gildemeister Ansgar Schroedter vor. Kütbach war bis zum letzten Jahr noch selbst Mitglied des rotierenden Vorstandes und hatte die übliche Karriere vom Jüngsten bis zum Ex-Ältermann durchlaufen – und dabei auch Plattdeutsch gelernt. Abends im Kaisersaal musste er dann in die Bütt. Und das hörte sich dann so an:

 

 De Bleeck is wassen ook in mien fief Gilde-Johrn

 un is, so seh ick dat, bannig kommodig wor'n.

 Een Bank is unner een Boom schmuck un köhlig

 un up de annern föhlt sick de Minschen - ik hoop - heel wöhlig.

 

 Morgens im Rathaus hatte Ältermann Martin Wisy am Schreibtisch des Bürgermeisters Platz genommen. Kütbach hatte dort die Broschüre „Das Renten Abc“ liegen lassen. „Wie soll ich denn das verstehen?“, fragte der Ältermann – nun ja: Die Karriere im rotierenden Gildevorstand dauert nur fünf Jahre.

 Im Bauamt begutachteten die Gildeherren den Plan des neuen Bleeck, diskutierten mit Behördenchef Udo Reinbacher über Sinn und Unsinn von Vorfahrtsregeln und die Auffahrrampen zur „verkehrsberuhigten Geschäftszone“. Insgesamt stieß der neue Marktplatz auf Zustimmung, der Vorstand spricht in so einem Fall von „gildewürdig“. Ältermann Wisy machte aber den Vorschlag: „Immer wenn einer drüber fährt, sollte eine Glocke schellen. Vielleicht wird ja dann Tempo 20 eingehalten.“ Der Besuch der Gilde im Bauamt ist jedes Jahr obligatorisch, um sich über Veränderungen in der Stadt zu informieren. Doch so viele gibt es offenbar nicht. Gildeschreiber Thomas Uellendahl lästerte: „Ich glaube den Bleeck-Plan sehen wir hier schon das sechste Jahr.“

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