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Glasfaser auf der Kriechspur

Bad Bramstedt Glasfaser auf der Kriechspur

In Sachen schnelles Internet sind die Dörfer um Bad Bramstedt mittlerweile auf der Überholspur, während die Stadt selbst allenfalls die Kriechspur belegt. Zu dem Eindruck kommen zumindest etliche private und geschäftliche Nutzer der sogenannten Breitbandversorgung.

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Glasfaserleitungen erlauben einen deutlich höheren Datentransport als mit herkömmlicher DSL-Technik. Allerdings stehen die modernen Kabel in Bad Bramstedt nur in wenigen Straßen zur Verfügung.

Quelle: Jörg Wohlfromm

Bad Bramstedt. In manchen Straßenzügen der Stadt lassen sich kaum noch Youtube-Videos störungsfrei ansehen, weil die alten Telefonleitungen überlastet sind. Doch die moderne Glasfasertechnik kommt in Bad Bramstedt kaum voran, und wo welche Leitung in der Stadt liegt, weiß offenbar auch niemand so genau.

 Die Dörfer rund um Bad Bramstedt waren jahrelang abgeschnitten vom schnellen Datentransport. Für die Deutsche Telekom waren sie einfach uninteressant, weil es zu wenig Anschlüsse gab, um DSL anzubieten. Kleinere Netzbetreiber sprangen in die Bresche, beispielsweise die Stadtwerke Neumünster und die Stadtwerke Barmstedt. Sie verlegten moderne Glasfaserkabel, die einen um ein Vielfaches höheren Datentransport erlauben als die herkömmliche DSL-Technik, die auf Telefonkabel aus Kupfer aufgeschaltet wird. 100 Megabit pro Sekunde sind über Glasfaserkabel möglich, wer DSL nutzt, hat häufig schon Glück, wenn er 6 Megabit pro Sekunde beim Downloaden erreicht.

 Da in Bad Bramstedt aber fast flächendeckend DSL-Anschlüsse möglich waren, gab es hier zunächst keine interessierten Firmen, die Glasfaserkabel zu den Privathaushalten und kleinen Firmen verlegen wollten. Erst langsam ändert sich das. Die Stadtwerke Barmstedt haben angekündigt, 2016 in Bad Bramstedt zu investieren. „Wir haben bereits in 2013 und 2014 begonnen, den Bad Bramstedter Ortsteil Bissenmoor mit unserem Glasfasernetz zu versorgen. Im nächsten Abschnitt beginnen wir nun im Neubaugebiet ,Am Alten Kurpark’ südlich der Bimöhler Straße sowie im Gewerbegebiet Nord mit dem Breitbandausbau. Zusätzlich werden wir auch die Amtsverwaltung Bad Bramstedt-Land mit unserem schnellen Internet versorgen“, erklärt Fred Freyermuth, Werkleiter der Stadtwerke Barmstedt.

 Die Barmstedter hatten 2011 eine Unternehmenstochter mit dem Namen Xitylight gegründet. Mittlerweile hat sie ihr Glasfasernetz in 15 Gemeinden mit 3000 Anschlüssen verlegt, darunter beispielsweise auch Weddelbrook und Hitzhusen. In Lentföhrden sollen die Leitungen, über die auch Fernsehen und Telefonieren möglich ist, ebenfalls unter die Erde kommen.

 Die nicht von Xity-Light anvisierten Stadtteile Bad Bramstedts bleiben aber weiter auf die Kupferkabel angewiesen. Dass die Stadtwerke Bad Bramstedt es den Barmstedtern nachmacht und ebenfalls ein Unternehmen für die Glasfaserkabelversorgung gründet, scheidet für Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach aus. „Dafür haben wir nicht das nötige Eigenkapital“, erklärte er.

 Ein Fall für die Breitband-Initiative des Wege-Zweckverbandes sei Bad Bramstedt aber auch nicht. Der Verband hat es sich zur Aufgabe gemacht, kleine unversorgte Gemeinde mit modernen Datennetzen auszustatten, wenn sich dort kein anderer Anbieter findet.

 Um die Glasfasertechnik voranzutreiben, ist die Stadt Bad Bramstedt dazu übergegangen, in Neubaugebieten Leerrohre zu verlegen, die dann von Netzbetreibern genutzt werden können, ohne die Straßen wieder aufzureißen. Doch so richtig verfängt das Angebot offenbar nicht. „Wir wissen von Fällen, in denen nur selbst verlegte Rohre genutzt werden“, erklärte Kütbach.

 Wer von objektiver Stelle aus wissen will, welche Netzbetreiber es in Bad Bramstedt gibt, hat es schwer. Das Rathaus ist selbst nicht informiert. „Es gibt keine Verpflichtungen, uns mitzuteilen, welche Kabel wo verlegt werden“, erklärte Kütbach. Xitylight aus Barmstedt ist da offenbar eine Ausnahme. Kütbach versucht gerade selbst einmal herauszufinden, was in Bad Bramstedts Erdreich noch so alles liegt. Unterstützt wird er dabei vom „Breitband-Kompetenzzentrum“ in Kiel, das auch Karten zur Verfügung gestellt hat. Öffentlich zugänglich sind sie nicht, und für Presseauskünfte stand im Kompetenzzentrum auch niemand zur Verfügung.

 Nach Kütbachs Recherchen ist die Deutsche Telekom flächendeckend mit DSL-Technik in Bad Bramstedt vertreten. Es gebe allerdings an den Rändern der Stadt Bereiche, wo sie nur langsame Datentransportgeschwindigkeiten anbieten kann. „6 Mbit je Sekunde sollten aber überall gewährleistet sein“, meint Kütbach. Die Telekom habe einen weiteren Ausbau ihres Netzes in Bad Bramstedt angekündigt. Kütbach: „Einzelheiten will uns das Unternehmen in Kürze in einem Gespräch erläutern.“

 Kabel Deutschland/Vodafone bietet in Bad Bramstedt die Fernsehkabel an, über die auch im Internet gesurft werden kann. Das Unternehmen ist ebenfalls flächendeckend im Stadtgebiet vertreten, mit gleichen „Schwächen an den Rändern“, wie Kütbach sagte. Allerdings erlaubt deren Netz deutlich höhere Geschwindigkeiten als das Telefonnetz der Telekom.

 Das in Flensburg beheimatete Unternehmen Versatel weist nach Kütbachs Angaben ebenfalls Schwächen außerhalb des Stadtzentrums auf. Das Unternehmen bedient sich überwiegend der Telefonleitungen der Deutschen Telekom und ist zum Teil nicht einmal in der Lage, die vertraglich zugesicherten 6 Mbit/s zu gewährleisten. Neue Glasfaserleitungen seien von Versatel im Gewerbegebiet Nord verlegt worden, „wobei wir von dortigen Unternehmern unterschiedliche Aussagen hören, ob der Anschlusspreis interessant ist“, so der Bürgermeister.

 Interesse an Bad Bramstedt zeigt aber offenbar auch die Deutsche Glasfaser. Die will aber, bevor sie Glasfaserkabel verlegt, eine garantierte Anschlussmenge von der Stadt vertraglich zugesichert bekommen. „Das können wir schon aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht“, sagte Kütbach. Das Unternehmen müsse schon selbst genügend Anschlüsse akquirieren.

 Kütbachs Fazit: „Die Versorgung ist in Bad Bramstedt auf jeden Fall gegeben, die Stadt ist für Breitbandanbieter interessant, so dass auch ein weiterer Ausbau gewährleistet ist.“

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