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Mit Tempo 40 nach Neumünster

Bad Bramstedt, Großenaspe Mit Tempo 40 nach Neumünster

Bad Bramstedt / Großenaspe. AKN steht für die Verbindung Altona - Kaltenkirchen - Neumünster. Doch anfangs fuhr die Bahn gar nicht so weit. Erst 1916 - vor 100 Jahren - wurde die Strecke von Bad Bramstedt aus bis nach Neumünster verlängert. Dieses Jubiläum wird am Sonntag, 7. August, mit einem Bahnhofsfest in Großenaspe gefeiert.

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Auch die Einwohner von Großenaspe nahmen regen Anteil an der Streckeneröffnung.

Quelle: Privat

Sie schnaufte, spuckte Dampf und Funken und schaffte rund 40 km/h – Anfang des 20. Jahrhunderts war die Bahn mit Dampflokomotive dennoch ein hochmodernes Verkehrsmittel. Bad Bramstedt hatte seit 1898 bereits einen Bahnanschluss, aber nur in Richtung Süden. Das Interesse war groß, die Bahn bis Neumünster weiter zu bauen. Am 1. August 1916, vor 100 Jahren, rollte der erste Zug von Bad Bramstedt nach Neumünster.

 Es gibt wohl keinen Zweiten, der sich mit der Geschichte der Altona-Kaltenkirchen-Neumünster Eisenbahn AG so gut auskennt wie Hans-Jürgen Kielmann (63). Das Arbeitszimmer in seinem Privathaus in Bad Bramstedt ist zugestellt mit Aktenordnern voller historischer Fotos, Fahr- und Stellwerksplänen. Zwei Bücher hat der Bad Bramstedter über AKN und ANB (Alster-Nord-Bahn) verfasst. Dass die Bahn überhaupt gebaut wurde, hatte seinen Grund in der Konkurrenz der Stadt Altona mit dem größeren Nachbarn Hamburg, weiß Kielmann. Altona gehörte im 19. Jahrhundert zu Preußen wie auch die Provinz Holstein. Hamburg war eine freie Reichsstadt. Für die Altonaer galt es die Vorteile zu nutzen. Mit einer Bahn konnte Torf zum Heizen nach Altona gebracht werden, Steine für den Chausseebau und auch Lebensmittel aus der Landwirtschaft. Und natürlich hatten die Orte im südlichen Holstein großes Interesse an einer Bahnanbindung, versprach sie doch wirtschaftlichen Aufschwung und Wohlstand. 1884 rollte der erste Zug von Altona nach Kaltenkirchen. „Es war damals eine Art Bimmelbahn“, erklärt Kielmann. Die Schienen wurden in die Provinzialchaussee von Altona bis Quickborn und entlang der Chaussee Ellerau - Ulzburg gelegt. Zu sehen ist das heute noch in Henstedt-Ulzburg, wo die Bahntrasse parallel zur Hamburger Straße verläuft. Die Kombination von Schiene und Straße war nicht unproblematisch. „Es kam häufig zu Unfällen mit Pferdefuhrwerken, wenn der Kutscher auf dem Bock unachtsam oder eingeschlafen war“, erzählt der Bahnexperte. Auch gingen einige Häuser nach Funkenflug der Dampfloks in Flammen auf.

 Der Güterverkehr nahm rapide zu, sodass schon bald der Entschluss reifte, die Bahn bis Bramstedt weiter zu bauen. Vor allem der damalige Bramstedter Bürgermeister Gottlieb Freudenthal setzte alle Hebel in Bewegung, damit der Flecken einen Bahnanschluss bekam. Freudenthal wollte damit auch einen Fehler seiner Vorfahren gut machen, die noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vehement gegen die Bahn waren, von der man schlechten Einfluss auf den beschaulichen Ort befürchtete. Deshalb war in den 1840er Jahren die Hauptstrecke Altona – Kiel an Bramstedt vorbei durch das zehn Kilometer westlich gelegene Wrist gebaut worden – bis heute ein Ärgernis in Bad Bramstedt.

 Freudenthal, der später auch im Aufsichtsrat der AK- und später AKN-Aktiengesellschaft saß, stieß auf offene Ohren. Auch das nötige Aktienkapital konnte zusammengebracht werden. Am 20. August 1898 lief der erste Zug in Bramstedt ein.

 Dort war allerdings Endstation. In den Folgejahren gab es schon sehr konkrete Pläne, eine Kreisbahn von Wrist durch Bad Bramstedt bis nach Bad Segeberg zu bauen. „Die scheiterten aber vor allem am Ausbruch des 1. Weltkriegs“, weiß Kielmann. Das Geld brauchte das Kaiserreich für die Rüstung. Nicht auf Eis gelegt wurden dagegen Pläne, die Altona-Bad-Bramstedt-Bahn weiterzubauen, wofür vor allem die Kommunen Aktien zeichneten. Mit dem Bau der neuen Trasse war es nicht getan. Wegen des steigenden Verkehrsaufkommens und zunehmender Unfälle musste die alte Bahntrasse vorrangig aus der Straße weg verlegt werden. So bekam die AKN zwischen Altona und Ellerau großenteils einen neuen Verlauf. 1912 wurde – etwa dort, wo heute der S-Bahnhof Diebsteich ist – ein neuer Bahnhof in Altona gebaut. Er wurde Anfang der 1960er Jahre wieder abgerissen.

 Die neue Bahntrasse hatte es in sich. Anfang 1915 wurde mit den Arbeiten begonnen. Mit für damalige Verhältnisse riesigen Baggern musste in den Liethhang in Bad Bramstedt ein Geländeeinschnitt gebuddelt werden. Die Bahn hätte die Steigung nördlich des Bahnhofs nicht überwinden können. „Der Aushub wurde in die Osterauwiesen verbracht“, berichtet Kielmann. Um die nördliche Gemarkung nicht abzuschneiden, wurde 1915 die Gayenbrücke gebaut, die im Oktober dieses Jahres wegen amtlich festgestellter Mängel abgerissen werden soll. „Ein Wahnsinn“, sagt Kielmann dazu. „Eine solche Rundbogenbrücke hält noch 100 Jahre.“ 1916 wurde der Bahnhof in Großenaspe gebaut, wo am Wochenende gefeiert wird. Wenige Monate später war das Gleis bis Neumünster verlegt, und der Süd-Bahnhof entstand. Eine Verbindung zur Reichsbahn, die am Hauptbahnhof hielt, gab es nicht. „Die Leute mussten anfangs zu Fuß dort hin gehen, wenn sie mit der Reichsbahn weiter fahren wollten“, schildert der Bramstedter Bahnexperte die damaligen Widrigkeiten. Später wurden Busse eingesetzt. Erst 1953 konnte die AKN bis zum Neumünsteraner Hauptbahnhof verlängert werden.

 20 Kilometer Bahngleise wurden von Bad Bramstedt bis Neumünster verlegt. Die Arbeiten dauerten anderthalb Jahre und verschlangen 2,5 Millionen Reichsmark. Die neue Bahn wurde gut angenommen. Das Gut Gayen in Bad Bramstedt konnte seine Ernte mit der Bahn abtransportieren lassen, in Boostedt profitierte ein Sägewerk von dem Gleisanschluss und in Neumünster die Leder- und Textilindustrie. Auch einen regelmäßigen Fahrplan für den Personenverkehr gab es, in Handschrift. Sechsmal am Tag verkehrte der Zug in beide Richtungen, von morgens um 5 bis abends um 22 Uhr.

 Die Millioneninvestition hatte sich gelohnt. Bereits im ersten Betriebsjahr bescherte die neue Teilstrecke einen Gewinn von 250000 statt der erwarteten 161000 Reichsmark. Im Jahr 1926 wurden 808961 Menschen sowie 448709 Tonnen Güter (inklusive Vieh) transportiert.

 Doch die Blütezeit der Bahn währte nicht lange. Schon Mitte der 1920er Jahre machte sich die Konkurrenz der Straße bemerkbar. „1958/59 gab es ernste Überlegungen, die Teilstrecke wieder zu schließen“, weiß Kielmann. Dass es nicht dazu kam, war vor allem eine Folge der Wiederbewaffnung. Die Bundeswehr in Boostedt nutzte die Bahn für den Waffen- und Fahrzeugtransport.

 Nach Angaben von AKN-Pressesprecherin Christiane Lange-Kress nutzen heute durchschnittlich 1360 Fahrgäste den Streckenabschnitt Bad Bramstedt – Neumünster. Zum Vergleich: Zwischen Bad Bramstedt und Kaltenkirchen sind täglich rund 1680 Menschen unterwegs, auf dem deutlich längeren Abschnitt Kaltenkirchen – Eidelstedt bis zu 15000.

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